16.11.2020 - 16:14 Uhr
FlossenbürgSport

Der TSV Flossenbürg kämpft um seinen Fußball-Nachwuchs

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

So mancher Fußballverein kommt in Corona-Zeiten nicht umhin, harte Entscheidungen treffen. Dazu gehört die Abmeldung von Nachwuchsteams. Ein Verein, der zuletzt in den sauren Apfel beißen musste, ist der TSV Flossenbürg.

Im Zeichen der Burg: Das Sportgelände des TSV Flossenbürg ist frisch und aufwändig saniert, leider nutzen die Anlage weniger Mannschaften als noch vor der Corona-Pandemie. Der Verein musste die A- und B-Junioren aufgrund Spielermangels abmelden.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Eigentlich ist der TSV Flossenbürg das Paradebeispiel für einen Vorzeigeklub. Der Turn- und Sportverein ist mit mehreren Sparten wie Turnen, Ski oder Kegeln nicht nur breit aufgestellt, sondern in der Gemeinde tief verankert und mit 735 Mitgliedern unbestritten die Nummer eins im örtlichen Vereinsleben. Vor allem die Fußballer marschieren voran.

"Der TSV ist ein kleiner Dorfverein, aber wir haben seit Jahren so gut wie immer alle Altersklassen mit Mannschaften besetzt", sagt Fußball-Abteilungsleiter Benedikt Gradl nicht ohne Stolz. Doch das fest verankerte Fundament hat Risse bekommen. Unterhalb der Burgruine ist man plötzlich mit Nachwuchssorgen konfrontiert. Der Grund ist offensichtlich: Corona.

"Die Spielerdecke in den älteren Jahrgängen war zuletzt schon nicht allzu groß. Unsere B-Junioren mussten immer wieder bei der A-Jugend mit aushelfen", beschreibt Gradl eine Vorgehensweise, die auch bei vielen anderen Fußballvereinen gang und gäbe ist. Vor Saisonbeginn war jedoch klar, dass dieses Verfahren aus gutem Grund nicht mehr praktikabel ist. "Wir haben durchgezählt. Für beide Mannschaften standen uns insgesamt nur noch sechs Spieler zur Verfügung", berichtet der Spartenleiter. Was folgte, war alternativlos: "Wir haben sowohl die A- als auch B-Junioren vom Spielbetrieb abgemeldet."

Der TSV Flossenbürg ist im Nachwuchsbereich durchaus erfolgreich unterwegs. Die C-Junioren feierten in der Saison 2017/18 die Meisterschaft. Mehrere Spieler aus diesem Kreis stehen mittlerweile, auch Corona-bedingt, nicht mehr zur Verfügung.

Demografische Entwicklung, verändertes Freizeitverhalten – dass 16- bis 18-Jährige in diesem Alter abspringen und dem runden Leder den Rücken kehren, ist sicherlich auf mehrere Gründe zurückzuführen. In ihrem Fall haben die Verantwortlichen des TSV Flossenbürg jedoch den Hauptschuldigen ausgemacht. "Die Corona-Pandemie schlägt da einfach durch", sagt Gradl. Er berichtet von Sorgen und Ängsten bei den jungen Fußballern. "Mehrere stehen vor Abschlussprüfungen oder dem Übertritt ins Berufsleben. Ihnen oder auch den Eltern ist einfach das Risiko zu groß, dass die Jungs erkranken oder unter Quarantäne gestellt werden."

An Um- und Vorsicht mangelte es beim TSV Flossenbürg in den vergangenen Monaten jedoch nicht. "Wir haben ein umfassendes Hygienekonzept erstellt", betont TSV-Vorsitzender Jürgen Lugert. "Man will ja nichts falsch machen. Selbst unsere Spielgegner haben gesagt, dass der Aufwand, den wir betreiben, Wahnsinn ist." Lugert weiß, dass die Corona-Fallzahlen in Flossenbürg im Vergleich zu anderen Gemeinden in der Region zuletzt relativ hoch lagen. Um so erfreulicher ist für ihn, dass die Mitglieder zur Stange halten. "Ich bin froh über die Vereinstreue. Wir hatten heuer noch keinen Mitgliederrückgang zu verzeichnen", sagt Lugert, was er aber nicht als Persilschein für 2021 verstehen will. "Wie es nächstes Jahr aussieht, ist schwer zu beurteilen." Sorgen macht ihm vor allem der Fußballbereich. "Wenn ein Jugendlicher eine Zeit lang nicht mehr Fußball spielen kann, dann kommt er auf andere Gedanken. Das ist in diesem Alter so." Nicht gut zu sprechen ist Vereinsboss auf den Bayerischen Fußballverband: "Wir haben gegen die Wiederaufnahme des Spielbetriebs gestimmt. Die Entwicklung, dass personelle Probleme auf die Vereine zukommen, haben wir kommen sehen."

Wir haben sowohl die A- als auch B-Junioren vom Spielbetrieb abgemeldet.

TSV-Abteilungsleiter Benedikt Gradl

TSV-Abteilungsleiter Benedikt Gradl

Mit der misslichen Situation will man sich in Flossenbürg aber nicht abfinden. Die Lücke, die sich bei den A- und B-Junioren aufgetan hat, soll mittelfristig wieder geschlossen werden. "Es ist ja nicht so, dass die jungen Leute die Begeisterung für den Fußball vollends verloren haben", glaubt Gradl. "Wir wollen bei den Jungen wieder für den Fußball werben." Dabei kann der TSV Flossenbürg mit einem Pfund wuchern. Vor kurzem wurde die aufwändige, rund 400 000 Euro teuere Sanierung des Sportgeländes so weit abgeschlossen, dass wieder auf bestens gepflegtem Rasen trainiert und gespielt werden kann. "Es wird sicher noch mehr Aufwand erfordern als früher", sagt Gradl. "Aber wir wollen auch die älteren Jugendlichen wieder zum Fußballspielen motivieren."

SV Neusorg: Tischtennis in Not

Neusorg
Info:

Hintergrund

Der TSV Flossenbürg ist mit 735 Mitgliedern der größte Verein in der Gemeinde Flossenbürg (rund 1700 Einwohner). Der Turn- und Sportverein besteht aus folgenden Sparten:

  • Fußball
  • Turnen
  • Kegeln
  • Ski
  • Badminton
  • Vereinsjugend

Die Fußballsparte hat folgende Mannschaften:1 Herrenteam (A-Klasse), 2 C-Juniorenteams (C2 als Spielgemeinschaft in der SG Fahrenberg), 1 E-Juniorenteam, 1 F-Juniorenteam. Die A- und B-Juniorenmannschaften musste der TSV zu Saisonbeginn 2020/21 aufgrund Spielermangels, der auch der Corona-Pandemie geschuldet ist, abmelden.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.