München
14.09.2022 - 11:22 Uhr
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Die französische Abwehrwand des FC Bayern München

Lucas Hernandez und Dayot Upamecano haben Robert Lewandowskis Rückkehr in dessen altes Wohnzimmer versaut. In intensiven Zweikämpfen rieb sich dieses Trio auf. Mit dem besseren Ergebnis für die Münchener, das allerdings teuer bezahlt wurde.

In der Abwehr stark gegen Lewandowski, und vorne auch noch Torschütze: Lucas Hernandez (Mitte) beförderte die Bayern mit seinem wuchtigen Kopfballtreffer nach einer Ecke von Joshua Kimmich gegen den FC Barcelona auf die Siegerstraße. Bild: Sven Hoppe/dpa
In der Abwehr stark gegen Lewandowski, und vorne auch noch Torschütze: Lucas Hernandez (Mitte) beförderte die Bayern mit seinem wuchtigen Kopfballtreffer nach einer Ecke von Joshua Kimmich gegen den FC Barcelona auf die Siegerstraße.

„Ça fait mal maintenant“ - frei übersetzt: „Jetzt tut’s gleich weh“ - das dürfte Robert Lewandowski am Dienstagabend des Öfteren bei seiner Rückkehr in die Münchener Allianz-Arena vernommen haben. Wann immer der neue Stürmer des FC Barcelona in der gefährlichen Zone an den Ball kam, waren Dayot Upamecano oder Lucas Hernandez nicht weit entfernt. Die beiden Bayern-Innenverteidiger bearbeiteten ihren ehemaligen Teamkollegen dann auch 90 Minuten mit einer brachialen, französischen Zweikampfführung. „Rumms“ zischte es durch das ob dieses frühen Top-Duells in der Champions-League elektrisierte Stadion.

Zumeist malträtierten „Upa“ und „Luci“ Lewandowski geschickt mit Ball, also kein Foul. Wenn doch mal nur der Pole getroffen wurde, galt es, sich schnell aus dem Staub zu machen, um einer persönlichen Strafe in Form einer Karte zu entkommen. So überraschend Upamecanos Startelf-Nominierung aufgrund seiner Abwehrbock-Fülle zu Saisonbeginn zunächst erschien, so schlüssig war Trainer Julian Nagelsmanns Argumentation, der ehemalige Leipziger kenne Lewandowskis Stärken und Spielweise aus unzähligen gemeinsamen Trainingsduellen in- und auswendig, und somit auch besser als der eigentlich formstärkere Neuzugang Matthjis de Ligt.

Lewandowski in Eile

Und die zweikampfintensive Sonderbehandlung des Torjägers hinterließ Spuren - auf beiden Seiten. Als es wieder einmal „Rumms“ machte auf Höhe der Mittellinie, diesmal war es Upamecano, sprang der wütende Lewandowski auf, gestikulierte wild in Richtung des Schiedsrichters, um zu sagen: „Jetzt reicht‘s mir aber langsam.“ In der Mixed-Zone warteten alle Journalisten natürlich auf ein Statement Lewandowskis, doch der ließ sich viel Zeit mit der Pflege seines geschundenen Körpers und marschierte schnellen Schrittes an den Mikrofonen und Handys vorbei. „Keine Zeit. Wir haben gleich Abfahrt.“

Vielleicht spielte auch der Umstand eine stimmungskillende Rolle, dass ihm die Rückkehr nach München durch eine Leistungssteigerung der Bayern im zweiten Abschnitt versaut wurde. Und es der Torjäger im ersten Durchgang versäumt hatte, seinen neuen FCB in Führung zu schießen. Hernandez und Upamecano waren zwar schon vor der Pause die besten Akteure einer arg fahrigen Bayern-Elf, doch einen Toptorjäger der Marke Lewandowski schaltet man nur im Kollektiv über 90 Minuten komplett aus.

Kritischer Sané

Und daran haperte es im ersten Durchgang. „Wir haben unsere Hintermannschaft nicht ausreichend unterstützt, die Abstände waren zu groß, und so hatten wir weder hinten den kompletten Zugriff, noch schafften wir es, vorne die Bälle zu halten“, ging 2:0-Torschütze Leroy Sané hart und selbstkritisch mit der Leistung der bayerischen Offensivkräften in den ersten 45 Minuten ins Gericht. Zum Glück für die Bayern wirkte beim Polen das spanische Zielwasser noch nicht wie zu Münchener Zeiten.

Als Hernandez kurz nach Wiederbeginn dann auch noch zur Führung per Kopf nach einer Kimmich-Ecke traf, standen die Matchwinner schon während der Partie fest. Allerdings bezahlten auch Hernandez und Upamecano ihre leidenschaftliche Abwehrschlacht mit Blessuren. Beide humpelten durch die Mixed-Zone, die Miene verhieß zumindest bei einem nichts Gutes: Hernandez schlich wie ein geschlagener Krieger in Richtung VIP-Bereich und schüttelte dabei deprimiert den Kopf.

Kurz vor Abpfiff passierte das Malheur an der eigenen Eckfahne – natürlich bei einem Zweikampf. "Luci fühlte, dass im Bereich der Adduktoren etwas gerissen ist", schwante auch Nagelsmann auf der Pressekonferenz bereits Böses. Eine Untersuchung am Mittwoch brachte dann auch Aufschluss über die Schwere der Verletzung: Wegen eines Muskelbündelrisses in den Adduktoren wird Hernandez seinem Team gleich mehrere Wochen fehlen – ein herber Verlust. Immerhin gab der dick am Knie bandagierte Upamecano leichte Entwarnung: "Nur einen Schlag abbekommen." So tat dieses tolle Fußballspiel nicht nur Lewandowski weh. Auch die beiden Franzosen spürten nach diesen "Rumms"-Duellen: "Ça fait mal."

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