In seiner größten FIFA-Not soll Gianni Infantino zum Hörer gegriffen haben. Nach dem krachenden Scheitern seines Investorendeals versuchte es der unter immer massiveren Druck geratene Weltverbandsboss angeblich mehrfach bei einem der mächtigsten Männer der Welt: dem US-Präsidenten. Infantino und Donald Trump sind ja Freunde, so bezeichneten sich die beiden schließlich schon. Und da hilft man einander, oder?
Doch irgendwie soll dieses seit Freitag von Infantino geplante Telefonat nie zustande gekommen sein, wie das Boulevardblatt „New York Post“ berichtete. Der FIFA-Präsident habe dann angeblich zumindest ein Mitglied aus Trumps Kabinett kontaktieren wollen. Aber auch aus einem vermeintlichen Krisentreffen mit US-Außenminister Marco Rubio am Montag wurde nichts. Ein Diplomat wies dies umgehend zurück.
Die FIFA-Medienabteilung zischt
Infantino fühle sich, so berichtete die „New York Post“ unter Verweis auf eine namentlich nicht genannte Quelle, angesichts der Flut der negativen Berichte aus den Medien „isoliert“. Ihm gehe es darum, seinen „Job zu retten“, kam ein angeblicher Insider in dem Boulevardblatt zu Wort. „Er sucht nach einflussreichen Verbündeten, die ihn öffentlich unterstützen.“
https://x.com/fifamedia/status/2084544259416293865?s=20
Alles Quatsch, sagt der Weltverband. „Der FIFA-Präsident hat in den vergangenen Tagen weder den Präsidenten der Vereinigten Staaten noch ein Mitglied seiner Regierung angerufen. Das ist frei erfunden“, zischte die Medienabteilung der FIFA im Kurznachrichtendienst X und bezog sich dabei auf einen Bericht der englischen „Times“, die ebenfalls über die angeblich von Infantino gewählte Hotline ins Weiße Haus berichtet hatte.
Trump hatte bereits am Freitag, noch bevor die milliardenschweren Pläne von Infantino, WM-Rechte an private Investoren zu verkaufen, vom FIFA-Boss selbst kleinlaut zurückgenommen werden mussten, während einer Sitzung seines Kabinetts in Camp David versichert, mit Infantino nicht über dieses Vorhaben gesprochen zu haben. Da war längst bekannt, dass Technologieinvestor Joshua Kushner, dessen Bruder Jared mit der Tochter von US-Präsident Donald Trump, Ivanka, verheiratet ist, über seine Investmentfirma Thrive eine Schlüsselrolle bei dem geplatzten Deal hätte übernehmen sollen.
„Acht Anrufe in Abwesenheit“
Infantino und Trump haben über die vergangenen Jahre eine ganz besondere Beziehung zueinander aufgebaut. Fast hätte man von einer Bromance, also einer innigen Freundschaft, sprechen können. 2018 vergab die FIFA bei der WM in Russland die Endrunde für 2026 an die USA, Kanada und Mexiko.
„Ich hatte acht Anrufe in Abwesenheit. Ich weiß nicht, ob er einer davon war“, meinte Infantino damals auf die Frage, ob er schon einen Anruf von US-Präsident Donald Trump erhalten habe. Vor dem aktuellen Hintergrund klingen diese Worte ganz besonders skurril.
Wenige Wochen später besuchte Infantino Trump im Weißen Haus. Als Gastgeschenk hatte er ein Trikot mit der Rückennummer 26 sowie eine Gelbe und Rote Karte dabei. Der Schweizer bildete den US-Präsidenten unter etwas Geblödel in der Regelkunde des Weltfußballs fort.
Infantino erfindet einen Friedenspreis für Trump
Trump hat Infantino schon ganz offiziell als „großartigen Freund“ bezeichnet. So war der FIFA-Boss Anfang 2025 dabei, als der ehemalige Geschäftsmann zum zweiten Mal ins Amt des US-Präsidenten eingeführt wurde. Später begleitete Infantino Trump auf eine Reise nach Saudi-Arabien und Katar - und ließ den FIFA-Kongress in Paraguay erstmal warten.
Unvergessen ist, wie sich Infantino im Israel-Konflikt für den Friedensnobelpreis für Trump aussprach, um ihm bei der WM-Gruppenauslosung Ende 2025 den neu erfundenen FIFA-Friedenspreis zu überreichen. Einem unbestätigten Bericht der „New York Post“ zufolge wollte sich der US-Präsident revanchieren, indem er angeblich Infantino als künftigen UN-Generalsekretär ins Rennen schicken wollte. Den WM-Pokal in diesem Sommer überreichten sie dann gemeinsam.
All das zeigt, wie außer-, wie ungewöhnlich die Beziehung zwischen Infantino und Trump ist. Außer Frage steht, dass der FIFA-Boss aktuell Zuspruch gebrauchen kann. Den bekommt er zwar auch weiter von Verbänden, doch eine Revolte ist im Gange. Die Europäische Fußball-Union droht dem 56-Jährigen im Zusammenhang mit dem gescheiterten Investorendeal mit rechtlichen Schritten und will eine Wiederwahl Infantinos 2027 verhindern.
Eine Mail des Generalsekretärs
Eine „traurige und tadelnswerte Reihe von Ereignissen“ habe FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström in dem Wirbel um das Investorenfiasko erkannt, berichtete Sky News unter Bezug auf eine interne Mail des Spitzenfunktionärs an die Mitarbeiter. „Wir alle wurden mitten in einen Aufruhr hineingeworfen, der nur schwer zu begreifen und zu akzeptieren ist.“
Einzelne Personen, instabile Momente und unglückliche Vorfälle würden aber kommen und gehen. „Ich möchte außerdem, dass ihr wisst, dass euch meine Tür weiter offensteht. Ich werde unsere Teams, unsere Arbeit und unsere Mission weiter jede Stunde eines jeden Tages unterstützen, solange meine Arbeit von denjenigen geschätzt wird, denen wir dienen.“ Das konnte man auch als Bewerbungsschreiben für das Amt des FIFA-Präsidenten lesen.
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