20.03.2020 - 15:23 Uhr
GebenbachSport

Kai Hempel: Corona durchkreuzt Comeback-Pläne

Die Fußball-Welt steht still. Wann und wie es weitergeht, ist unklar. Kai Hempel kennt dieses Warten voller Ungewissheit. Der Mittelfeldspieler der DJK Gebenbach hat gerade eine einjährige Zwangspause hinter sich.

Kai Hempel (Mitte) ist vor seinem Gegenspieler am Ball und klärt die Situation. Solche Szenen gab es lange nicht mehr, über ein Jahr fiel der defensive Mittelfeldspieler des Bayernligisten DJK Gebenbach mit einem Knorpelschaden im Knie aus. Jetzt sorgt das Coronavirus für die nächste Zwangspause.
von Christian Frühwirth Kontakt Profil

Das erste Punktspiel nach der Winterpause war das letzte für lange Zeit. Im Spiel der Fußball-Bayernliga Nord gegen den ASV Neumarkt an diesem 2. März 2019 merkte Kai Hempel noch nichts. Die Schmerzen im linken Knie kamen etwas später. Bei einer Untersuchung dann die Diagnose: "Ein Stück Knorpel war abgerissen, man sagte mir, das muss man richten lassen", erinnert sich Hempel, dem der Arzt damals sechs bis acht Monate Pause vorhersagte.

Es sollten zwölf werden. Genauer: Zwölf Monate und fünf Tage bis zum ersten Spiel, dem Testspiel der DJK Gebenbach am 7. März 2020 gegen Fortuna Regensburg, das mit einem kuriosen 12:3-Sieg des Bayernligisten endete.

Mit Krücken am Spielfeldrand

Nach der Operation Anfang April 2019 durfte Hempel das Knie gar nicht belasten. An Krücken stand er an der Seitenlinie, als seine DJK Vizemeister wurde und in der Relegation zur Regionalliga knapp am Aufstieg scheiterte. Nicht wenige behaupten, wäre der defensive Mittelfeldspieler mit seiner Erfahrung von 138 Regionalliga-Spielen für Sachsen Leipzig, Energie Cottbus II, TSG Neustrelitz und den FC Amberg auf dem Platz gestanden, hätte es Gebenbach geschafft.

"Ich will mir nicht anmaßen, das zu behaupten", sagt der 33-Jährige. "Das werden wir nie erfahren, ob es mit mir geklappt hätte." Liebend gerne wäre er auf dem Platz gestanden und hätte die vielen jungen Spieler geführt. So war er nur Zuschauer, "eine ganz schwierige Situation für mich".

Drei Monate nach der OP durfte Kai Hempel keinen Sport ausüben, danach waren schonende Bewegungen erlaubt, Schwimmen oder Radfahren. Laufen nicht, "das ist zu gefährlich". Drei, vier, fünf Einheiten pro Woche standen auf dem Reha-Plan. Nach sechs Monaten versuchte er es das erste Mal wieder mit dem Ball. Zwei-, dreimal trainierte Hempel mit. Letztlich stellte sich heraus: Es war zu früh nach so langer Pause. Das operierte Knie schmerzte wieder. In Absprache mit DJK-Trainer Faruk Maloku wurde ein neues Ziel ausgegeben: Die Vorbereitung nach der Winterpause.

"Nicht in die Knie zwingen lassen"

Auch wenn er hin und wieder gesagt bekam, "das wird doch eh' nichts mehr", an ein Karriereende dachte Kai Hempel nicht. "Das möchte ich dann schon selbst entscheiden, wann ich mit Fußball aufhöre", gibt sich der gebürtige Leipziger kämpferisch. "Ich will mich nicht von einer Verletzung in die Knie zwingen lassen."

Schon in den Faschingsferien im Trainingslager in der Türkei genoss er es, "endlich mal wieder einigermaßen schmerzfrei trainieren zu können und mit den Jungs auf dem Platz zu stehen", auch beim Testspiel eine Woche nach der Rückkehr beim Landesligisten Fortuna Regensburg fühlte er wieder die "Freude, mit der Mannschaft auf dem Platz stehen zu dürfen. Da weiß man, für was man sich gequält und gefühlte 100 Einheiten auf dem Rad absolviert hat." Und auch Trainer Faruk Maloku war froh über die Rückkehr seines Mittelfeld-Chefs: "Man hat sofort gesehen, dass wir mit ihm stabiler stehen. Jeder hört auf ihn. Wir brauchen ihn vorne und hinten." Im Trainingslager merkte Hempel, wie die Mannschaft neu zusammenwuchs, "wir alle haben uns darauf gefreut, dass es nach einem schwierigen halben Jahr endlich los geht."

Doch zwei Tage vor dem Heimspiel gegen Viktoria Kahl spitzte sich die Lage um das Coronavirus zu, letztlich sagte der Bayerische Fußball-Verband alle Spiele ab. "Wir waren alle sehr enttäuscht, dass wir nicht spielen können", sagt Hempel, "aber wir akzeptieren diese Entscheidung natürlich. Es ist momentan eine absolute Ausnahmesituation." Und für ihn selber eine ganz besondere: "Etwas überspitzt gesagt ist es ein Alptraum."

"Haben uns alle darauf gefreut"

Gerade am Wochenende des Heimspiels gegen Kahl hätte alles gepasst für sein erstes Punktspiel nach einem Jahr und fünf Tagen: "Da war tolles Wetter, es wären sicher viele Zuschauer gekommen, wir haben uns alle darauf gefreut." Auf sein Punktspiel-Comeback muss Kai Hempel jetzt weiter warten. Auf unbestimmte Zeit.

Kai Hempel.
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