Es war eine Triumphfahrt - zweifelsohne auch eines Weltmeisters würdig. Die wohl berühmteste Straße Mexikos war teilweise gesperrt, die morgendliche Sonne kam raus und Zigtausende Fans schwelgten zwischen Verehrung, Bewunderung und auch ein bisschen Ehrfurcht.
Beim Showrun am „Ángel de Independencia“ auf der Reforma in Mexiko-Stadt gab der aktuell Letzte des Formel-1-Klassements Gas: Sergio Pérez. Der Grund: Der Mexikaner bestreitet an diesem Wochenende in seiner Heimat seinen 300. Grand Prix in der Königsklasse des Motorsports.
Overall in den mexikanischen Nationalfarben
„Danke, dass ihr hier seid“, richtete sich Pérez, diesmal im weiß-grün-roten Rennoverall und damit in den mexikanischen Nationalfarben, an seine Landsleute. „Ich weiß die Mühen, die ihr aufbringt, um mich zu unterstützen, sehr zu schätzen“, sagte er unter dem Jubel der Massen: „Ich danke euch, dass ihr mir unvergessliche Momente in meiner Karriere beschert.“
Nicht mal zehn Fahrer haben in der Geschichte der Formel 1 seit deren Gründung 1950 die Marke von 300 Rennen erreicht. Pérez, der eigentlich nie unangenehm auffällt, als Teamplayer gerühmt wird und auch schon viel einstecken musste, ist von Sonntag (21.00 Uhr/Sky) an einer von ihnen. „Er ist der Kämpfer mit der sanften Art aus dem Land der Lucha Libre“, schreibt die Formel 1 über Pérez in Anspielung auf die Wrestling-Leidenschaft der Mexikaner.
Der Stadtkurs-Experte - auch in Monaco klappte es
Sechs Siege erzielte der mittlerweile 36 Jahre alte Pilot aus Guadalajara, fünf davon auf Stadtkursen - und einen davon sogar in Monaco. 2022 war das. Ein Erfolg, den jeder Pilot nur allzu gern vorweisen würde. Nur mit dem WM-Titel wurde es nie etwas bei Pérez.
2023 wurde er WM-Zweiter, nur geschlagen von Max Verstappen, aber wie: Beide fuhren damals für Red Bull, Verstappen holte 575 Punkte, Pérez hatte mit 285 nicht einmal die Hälfte davon. Ende 2024 musste Pérez gehen, 2025 blieb er ohne Stammplatz, für die laufende Saison wurde er vom Neueinsteiger-Team Cadillac reaktiviert.
„Ihr seid einer der wichtigsten Gründe, warum ich mich entschlossen habe, in die Formel 1 zurückzukehren“, rief er auf der Bühne in Mexiko-Stadt seinen Anhängern zu. Dass die Rennserie seit 2015 überhaupt wieder in Mexiko-Stadt fährt - ohne Pérez wäre das wohl kaum passiert. Längst gilt der Grand Prix als einer der absoluten Stimmungshöhepunkte, erst recht für die Pérez-Fans.
Neuer Vertrag zur Einstimmung auf Gänsehaut-Wochenende
Und die bekamen einen weiteren Grund, sich zu freuen. Noch vor dem Großen Preis auf dem Autódromo Hermanos Rodríguez gab das US-Team die Verlängerung der Zusammenarbeit bis mindestens Ende 2029 bekannt. „Es liegt noch eine Menge Arbeit vor uns, und ich werde mich in den nächsten drei Jahren voll und ganz dafür einsetzen“, versprach Pérez, der zusammen mit Valtteri Bottas - Vorletzter im Klassement - noch auf den ersten Punkt von Cadillac wartet.
2011 stieg Pérez in die Formel 1 ein. Zwei Jahre Sauber, dann eine Saison bei McLaren, ehe es zum damaligen Team Force India ging, später dann Racing Point. Pérez fiel bei dem Team, das mit wenig auskommen musste, immer wieder mit starken Ergebnissen auf. Die Folge: Red Bull engagierte ihn zur Saison 2021. Dort bekam auch er die volle Wucht des Verstappen-Ausnahmekönnens zu spüren und konnte oft nicht mal die Helferrolle so erfüllen, wie das Team es sich wünschte.
Bei Cadillac soll er mit der Erfahrung von nun also ganz bald 300 Rennen die Entwicklungsarbeit des Neueinsteigers beschleunigen. „Als Sportler ist es mir sehr wichtig, meine Karriere mit einem krönenden Abschluss zu beenden und die Formel 1 zu verlassen, wenn ich es selbst möchte“, sagte er jüngst.
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