09.01.2020 - 15:05 Uhr
HirschauSport

Die Schnee-Sucher aus der Oberpfalz

Der Blick zum Himmel? Er langweilt mittlerweile schon. Kommt eh nichts runter. Vor allem die talentierten Ski-Langläufer hoffen endlich auf die passende Unterlage für ihren Sport. Derzeit müssen sie sich einiges einfallen lassen.

Nur ein dünnes Schneedeckchen gibt’s auf der Silberhütte. Langlaufen ist derzeit nur auf etwa 1000 Metern möglich. Die Schneekanonen warten auf knackig kalte Temperaturen. Auf dem Rotbühlsender bei Hirschau ist die Lage ähnlich.
von Josef Maier Kontakt Profil

Bei dieser Sportart braucht es viel Kraft, enorme Ausdauer, feine Technik - und vor allem jede Menge Flexibilität. Zumindest, wenn man aus der Oberpfalz kommt und solche Wetterverhältnisse vorherrschen wie derzeit. Ein miserables Wetter ist das nicht nur für Otto-Normal-Langläufer, sondern vor allem für den talentierten Langlauf-Nachwuchs. "Zur Zeit ist's wirklich sehr schwierig", meint Johannes Pfab. Der Hirschauer kann sich kaum an eine so schneelose Zeit erinnern. Der 29-Jährige trainiert die Sportler des SC Monte Kaolino und hat auch den Jugendkader des Skigaus Oberpfalz über.

"Ein paar hundert Meter auf der Silberhütte, ein paar hundert am Sender in Hirschau, das reicht nicht", sagt Pfab. Für die Kleinen wäre das noch okay, "aber die Größeren machen pro Einheit 30 bis 40 Kilometer". Da ist der künstlich produzierte Schneeteppich viel zu klein.

Und deswegen sollten die Sportler ihre Zeit nicht allzu fest verplanen. Manchmal schickt Pfab am Abend eine Whats-App in die Läufer-Gruppe: "Morgen früh Abfahrt zum Training." Da zeigt sich, wer flexibel ist. Dann geht es übers Wochenende nach Seefeld, Obertilliach oder auch an den Bretterschachten am Arber. "Wir nehmen alle mit, die Zeit haben und mitwollen." Logistisch ist das alles nicht so einfach. Vor allem die Eltern der Sportler müssen miteingebunden werden, ehe es zu den Trainingsfahrten losgehen kann. "Die Schule geht absolut vor", erklärt Pfab zudem, der lobt, dass sich viele Schulen sehr kooperativ zeigen würden und die sportlichen Aktivitäten der Schüler unterstützen würden. Die Jungen und Mädchen managen den Stress auch ganz gut, lobt der Trainer: "Sie haben ein gutes Zeitmanagement." Dann müssen auch noch kurzfristig Unterkünfte gebucht und Fahrtmöglichkeiten geschaffen werden. Finanziell werden die Läufer und ihre Eltern durch die Trainingsreiserei aber nicht allzu sehr belastet. Da werde viel durch den SC Monte Kaolino abgedeckt, sagt Pfab, der zur Bundeswehreinheit in Bischofswiesen gehört, für Trainingsaktivitäten beim SC Monte Kaolino und dem Skigau aber freigestellt ist.

Aber selbst in den Alpen waren die Bedingungen teilweise für die Oberpfälzer nicht allzu toll. Während der Woche können Pfab und seine Trainerkollegen die schneelose Zeit in der Oberpfalz noch mit Stockläufen oder Krafttraining ausgleichen. "Aber am Wochenende wollen doch alle auf den Schnee." Und den suchen die Trainer dann in den Wetter-Apps. "Für die nächsten eineinhalb Wochen schaut es hier bei uns weiter nicht so gut aus", blickt der Hirschauer voraus. "Aber in der dritten Januar-Woche", hofft Pfab, der vo Frühjahr bis Herbst beim Kreisligisten TuS/WE Hirschau kickt, auch zwischen Großbüchlberg bei Mitterteich und Schönsee sowie zwischen Silberhütte und Rotbühlsender auf die weiße Pracht.

Aus gutem Grund: "Wir wollen natürlich hier in der Oberpfalz noch einige Wettkämpfe ausrichten." Logischerweise sind bisher alle Rennen ausgefallen.

Die Langlauftalente würden nur allzu gerne vor der eigenen Haustüre ihre Kraft, Ausdauer und Technik demonstrieren. Und ein bisschen weniger Flexibilität wäre ihnen vielleicht auch ganz recht.

Johannes Pfab aus Hirschau trainiert viele talentierte Skilangläufer. Derzeit ist der 29-Jährige aber auch als Schnee-Sucher gefragt.

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