19.10.2018 - 16:39 Uhr
HohenburgSport

Mit dem besonderen "Durchhalte-Gen"

In seiner ersten Saison hagelt es für den TuS Hohenburg nur Niederlagen - und 225 Gegentore. Die Lust am Fußballspielen verlieren die tapferen Männer von der Lauterach aber nicht. 50 Jahre später wiederholt sich die Geschichte.

Ein Bild aus den Anfangszeiten des TuS Hohenburg: 1962 wurde die Wiese für den Sportplatz von Veronika Bruckmüller gepachtet, der Sportplatz angelegt und die ersten Tore aufgestellt. Stolz ist man beim Verein bis heute, was ohne groß Geld auszugeben mit viel ehrenamtlichem Herzblut geleistet wird.
von Autor WFOProfil

Seine Geburtstunde war 1962, damit gehört der TuS Hohenburg zu den noch jüngeren Vereinen in der Region. Das erste Jahr in der C-Klasse schließt die Mannschaft mit 0:36 Punkten und 19:225 Toren ab. Eine Trophäe gab es trotzdem: Weil sie sich nicht entmutigen ließen und bis zum Ende weiterspielten, würdigten Puma-Werke und das "Sport-Magazin" die "Ritterlichkeit der Spieler", wie es im damaligen Zeitungsbericht hieß, und überreichten am 13. Juli 1964 den Fairness-Pokal an Spielführer Heinz Fröhlich.

Zeitsprung: In der Saison 2013/14 hatten die Fußballer aus dem malerischen Ort im Lauterachtal wieder erhebliche personelle Probleme, diesmal mit ihrer Reserve in der B-Klasse. Genau 13 Spieler hatte das Team zur Verfügung, erinnert sich Spartenleiter Klaus Schindler. "Ein großes Wagnis, eine Saison mit so wenigen Spielern anzugehen. Aber es heißt ja, wenn man die ,Zweite' abmelden muss, dann stirbt irgendwann auch die ,Erste' - und das wollten wir auf alle Fälle verhindern."

Nur zu siebt

Gelegentlich konnte der TuS nur mit sieben oder acht Spielern auflaufen. Dann gab es natürlich auch immer wieder mal die "Bude voll", doch die Mannschaft zog ihre Spiele durch. In Erinnerung blieb eine besondere Geste des SV Inter Bergsteig II: "Da wir nur neun Spieler hatten, spielte der SV Inter Bergsteig Amberg II auch nur mit neun Akteuren", erzählt Schindler. In der Winterpause überlegte dann die Vereinsführung des 320 Mitglieder starken Clubs, die Mannschaft nun vielleicht doch abzumelden, aber die Sportler wollten die Saison unbedingt zu Ende spielen: "Vielleicht haben wir auch ein besonderes Durchhalte-Gen", meint Schindler dazu, "aber unsere Spieler haben wieder Charakterstärke gezeigt". Der personelle Drahtseilakt gelang, das Spieljahr wurde gemeistert, auch wenn am Ende bei einem Punkt und 12:110 Toren nur der letzte Platz heraussprang.

Und es wurde noch bitterer: In dieser Saison belegte auch die erste Mannschaft den letzten Platz - in der A-Klasse Süd. Abstieg in die B-Klasse. Die Alarmglocken läuteten beim TuS Hohenburg. Man musste sich ganz schön strecken, aber man schickte 2014/15 wieder zwei Mannschaften in den Spielbetrieb. Zwei B-Klassen-Teams, eins spielte nun in den Norden des Landkreises, das andere Team in den Süden.

Ein Wermutstropfen

Aber auch diese Herausforderung wurde geschafft, die "Erste" stieg wieder in die A-Klasse auf und löste in der Saison 2016/17 das Ticket für die Kreisklasse. Dort möchte das aktuelle Trainerduo Bastian Michl und Christian Kramer die Mannschaft auch halten, die "Zweite" spielt in der laufenden Runde in der B-Klasse 2. "Von dieser legendären zweiten Mannschaft aus dem Spieljahr 2013/14 haben wir tatsächlich die Akteure halten können, die heute noch um Punkte spielen - und das deutlich erfolgreicher." Einziger Wermutstropfen: Eine A-Jugendmannschaft hat der TuS Hohenburg nun schon seit ein paar Jahren nicht mehr, aber die Bambinis, eine eigene E-Jugend und die JFG-Mannschaften tummeln sich auf dem Sportgelände des Vereins. Ein Mädchenteam trainiert ebenfalls, auch wenn die Spiele außer Konkurrenz sind.

Außerhalb des Spielbetriebs läuft beim TuS Hohenburg vieles in ehrenamtlicher Eigenregie: Jahrelang kümmerten sich die Spieler um die Plätze, als der vereinseigene Bulldog seinen Geist aufgab, unterstützte die Gemeinde den Verein, mittlerweile gibt es einen Platzwart. Die Bewirtung des Sportheims übernehmen die Vereinsmitglieder. Der Ehrenvorsitzende Helmut Matschiner hatte diese Idee wieder zum Leben erweckt, Fans und Spielerfrauen sowie Mitglieder des Vereins bilden 10 bis 15 Teams, die für das Angebot an Essen und Trinken zuständig sind. "Das läuft prima", freut sich Schindler.

Hintergrund:

Ein Schweizer mit falschem Pass

In der Anfangszeit des TuS Hohenburg waren Siege selten. Sehr selten. Von einem der ersten wird heute noch gerne erzählt. Die Legende besagt, dass beim einem Freundschaftsspiel gegen Michaelpoppenricht, es war wohl zur Hohenburger Kirwa, ein Schweizer Urlauber mit dem Pass eines Hohenburgers mitgespielt hatte. Der TuS gewann 4:3. Der legendäre Sieg wurde dann eine ganze Woche lang gefeiert. Der Schiedsrichter ahnte damals etwas und hielt mit seinem Verdacht nicht hinter dem Berg: "Das kann aber kein Spieler von euch sein, so stark wie der gespielt hat."

Wenn man die "Zweite" abmelden muss, dann stirbt irgendwann auch die "Erste" - und das wollten wir auf alle Fälle verhindern.

Klaus Schindler, Spartenleiter beim TuS Hohenburg

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