Titelverteidiger Casper Stornes riss es vom Rad - die Folgen: Schlüsselbeinbruch und Fraktur eines Lendenwirbels. Ex-Hawaii-Siegerin Lucy Charles-Barclay blieb lieber noch ein paar Tage in Los Angeles zum Trainieren. Mitten in der finalen Vorbereitung auf die Ironman-WM in Hawaii, wo am 10. Oktober erstmals seit 2019 wieder die Entscheidungen bei den Frauen und den Männern an einem Tag in einem Rennen fallen, verursachte Hurrikan „Nolo“ für einige Sorgen.
„Ein Sturm ist auf dem Weg zur Insel“, hatte der bandagierte Stornes betont. Eine Windböe hatte ihn erfasst, der Norweger stürzte mit seinem Rad und musste seinen Traum vom erneuten Triumph nur zwei Tage nach der Ankunft auf Big Island begraben.
Der große Kampf gegen sich und die Natur auf Big Island
Zwei Wochen vor dem Rennen über die 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen hatte „Nolo“ 235 Kilometer südlich der Insel Hawaii Windgeschwindigkeiten von 165 Kilometern pro Stunde erreicht. Für das nördlichste Eiland Hawaiis wurde bis Donnerstagmorgen Ortszeit eine Sturzflut-Warnung ausgegeben. Für präventive Schutzmaßnahmen bekam Hawaii von der US-Regierung sogar Bundeshilfen genehmigt.
Doch die Einwohner und die mehreren Tausend Athletinnen und Athletinnen, die Big Island - die südlichste und östlichste der Inseln - wieder zum Triathlon-Mittelpunkt der Welt machen werden, können aufatmen. „Nolo“ entferne sich weiter von den Hawaii-Inseln, teilte die zuständige Katastrophenschutzbehörde bereits mit. Entsprechend fielen schon die ersten sportlichen Grüße aus Hawaii in den sozialen Netzwerken aus: Blauer Himmel, Palmen, Idylle pur.
Ohnehin waren eher die nördlichen Hawaii-Inseln betroffen. Big Island kam mehr oder weniger glimpflich davon. Gleichwohl warnen die Behörden: Die von „Nolo“ ausgelösten Wellen würden in den nächsten Tagen die Südküsten der Inseln erreichen und könnten lebensgefährliche Brandungs- und Strömungsverhältnisse verursachen.
Lucy Charles-Barclay, die vor einem Jahr entkräftet aussteigen musste in einem Drama-Finale, wie es wohl nur Hawaii mit seinen maximal herausfordernden Bedingungen schreiben kann, zog jedenfalls auf dem Weg nach Kailua-Kona erst noch bei einem Zwischenstopp in LA ihre Bahnen. Sie gehört wie auch die ebenfalls ehemalige Ironman-Weltmeisterin Laura Philipp zu den Titelkandidatinnen - auch wenn beide in diesem Jahr mit Problemen zu kämpfen hatten.
Was El Niño mit der Ironman-WM zu tun hat
Was sie, ihre weiteren Rivalinnen und die Männer-Konkurrenz um den dreimaligen Hawaii-Gewinner Patrick Lange bei seiner letzten WM diesmal erwartet, kann man zumindest erahnen. Dass El Niño in diesem Jahr für eine ungewöhnliche Hurrikansaison sorgt, ist das eine. Das besonders starke Klimaphänomen könnte aber auch Auswirkungen auf die weiteren Bedingungen am Renntag haben. Es könnte noch wärmer, noch schwüler werden als sonst.
Immerhin: Laut dem Fachportal „tri-mag.de“ könnten die bekannten und auch gefürchteten Mumuku-Winde deutlich moderater ausfallen, was zumindest weniger Gegenwind auf langen Passagen der Radstrecke bedeuten würde. Dafür fehlt aber weitere Abkühlung, auch schon beim Schwimmen, bei dem wegen der ohnehin hohen Wassertemperaturen Neoprenanzüge verboten sind und damit der für manche auch unterstützende Auftrieb fehlt.
Besonders hart könnte es beim abschließenden Marathon werden, der unter anderem durch das menschenleere sogenannte Energy Lab führt. Zuschauer sind dort nicht erlaubt, die Hitze wird durch die Lavafelder für die Athletinnen und Athleten noch mal verstärkt. „Es ist, als würde man in einem kochenden Topf laufen“, schrieb Titelmitanwärter Kristian Blummenfelt zu Fotos, auf denen dem Norweger die Hitzestrapazen beim Training anzusehen sind.
WM 2019 war ein besonderer Tag für Triathlon-Deutschland
Der Titel in Hawaii fehlt ihm noch. Er hatte 2022 in St. George die WM gewonnen. Es war ein Nachholrennen während der Corona-Pandemie, das eigentlich vorher in Hawaii hätte stattfinden sollen. Im selben Jahr wurden beide Titel außerdem auch noch einmal in Hawaii vergeben.
Danach verteilte Ironman die nun getrennten Felder auf zwei Orte: Hawaii und Nizza, wobei sich Männer und Frauen abwechselten. Das ist nun Geschichte, der Mythos ist wieder Gegenwart und Zukunft. Das letzte Mal war das 2019 so - und an dem historischen Tag für den deutschen Triathlon krönten sich Jan Frodeno und Anne Haug - beide haben ihre Karrieren beendet - zu den Champions.
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