Augsburgs Sportdirektor Benjamin Weber mauerte in der Trainerfrage um Manuel Baum. Wohl auch, weil die Katerstimmung unmittelbar nach Abpfiff jegliche Zukunftsgedanken in den Hintergrund rückte. „Sie können mich nach zehn Bier fragen, aber so nicht. Gerade 4:0 verloren. Da trinke ich kein Bier“, sagte der Sportdirektor des FC Augsburg mit einem Augenzwinkern.
Wenige Minuten nach der deftigen Klatsche zum Saisonabschluss bei Union Berlin und den geplatzten Europapokal-Träumen war die Ernüchterung zu groß, um intensiv über Personalentscheidung an der Seitenlinie nachzudenken. „Es fällt mir schwer zu lächeln. Das haben wir überhaupt nicht kommen sehen“, gab Weber zu. Die FCA-Profis wollte er nach der besten Bundesliga-Rückrunde der Vereinshistorie trotzdem nicht vom Feiern abhalten.
„Wenn man Neunter wird bei uns, dann gibt es viele, viele Gründe zu feiern. Ich gönne es jedem, dass er so lange feiert, wie er kann. Solange die Bar voll ist, soll jeder so lange feiern“, erklärte Weber. Er selber braucht in den kommenden Tagen aber einen klaren Kopf. Gespräche mit Baum stehen an. Bleibt der 46-Jährige Coach beim FCA oder übernimmt er wieder die Stelle als Leiter für Entwicklung und Fußball-Innovation?
Baum, Weber und die Gefühle
Baum wollte sich am Sonntag Gedanken über seine Zukunft machen und kündigte zeitnah ein Ergebnis an. „Für mich gibt es eine Frage, die man immer als Erstes beantworten muss: Was ist am besten für den Verein? Mit der müssen wir uns beschäftigen. Ein Gefühl habe ich schon“, sagte Baum und ließ Raum für Spekulationen.
Auch die sportliche Führung verwies zunächst lieber auf ein Gefühl als auf ein klares Bekenntnis. „Wir haben alle ein Gefühl. Wir haben ja schon bestätigt, dass wir sehr, sehr zufrieden sind mit der Arbeit aktuell. Das sehen die Spieler so, das sehen wir so, aber trotzdem liegt es ja nicht nur daran, wie gut es aktuell ist, sondern wie man es auch in der Zukunft gestalten könnte“, erklärte Weber.
Feststeht, dass Baum nach seiner Übernahme im Dezember ein wackliges Gebilde stabilisieren konnte. An zwei Siege gegen Bayer Leverkusen und sogar einen Erfolg gegen den großen FC Bayern war nach einem schwachen Saisonstart unter dem damaligen Trainer Sandro Wagner nicht zu denken.
Was macht Gregoritsch?
Die Mannschaft schwärmt vor allem von Baums Charakter. „Manuel Baum ist in erster Linie ein ganz, ganz feiner Mensch, in zweiter Linie ein sehr guter Trainer. Der hat mit uns eine Rückrunde gespielt, die richtig Spaß gemacht hat. Der hat mit uns Trainingseinheiten auf den Platz gebracht, die richtig Spaß gemacht haben. Er hat uns immer wieder belohnt mit dem ein oder anderen freien Moment“, berichtete Stürmer Michael Gregoritsch.
Auch die Zukunft des Leihspielers von Bröndby IF ist übrigens noch offen. Augsburg besitzt eine Kaufoption. Der Österreicher will Klarheit bis zur WM-Vorbereitung. Vieles deutet auf eine weitere Zusammenarbeit hin. „Ich habe mich super wohlgefühlt dieses halbe Jahr. Ich fand, der Verein hat eine Wahnsinnsentwicklung gemacht. Der Verein weiß, was ich gerne hätte. Ich weiß, was der Verein gerne hätte. Eigentlich wird es nicht lange dauern“, sagte Gregoritsch, der in der Rückrunde sechsmal getroffen hatte.
Ausschlaggebend für eine Entscheidung des Offensivspielers könnte auch sein, wie der FCA die Trainerfrage löst.
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