12.07.2019 - 20:25 Uhr
Deutschland und die WeltSport

Keine, kleine und große Baustellen des FC Bayern - eine Analyse

Sieben Mal in Folge wurde der FC Bayern Deutscher Meister. Doch der Anspruch der Münchener ist ein anderer - sie denken europäisch. Doch denken allein reicht nicht.

Definitiv keine Bayern-Baustelle: Manuel Neuer wird auch kommende Saison der Münchener Rückhalt sein.
von Josef Maier Kontakt Profil

Seit Freitag sind die Bayern komplett. Komplett im Sinne von: Es sind alle da, die noch Verträge haben. Auch die Nationalspieler sind nun ins Training eingestiegen.

Komplett im Sinne von total konkurrenzfähig, sind die Münchener aber weiterhin nicht. Nicht nur Trainer Niko Kovac fordert weitere Verstärkungen. Wo hakt es noch beim Deutschen Rekordmeister? Wo ist er bereits bestens aufgestellt? Eine Baustellen-Analyse ...

Torhüter

Manuel Neuer ist immer noch der beste deutsche Torhüter. Natürlich war er vergangene Saison nicht fehlerfrei. Auch seinetwegen wackelten die Bayern. Zudem war er wieder lange verletzt. Doch die Diskussion um ihn ist eine Phantomdiskussion. Dass sich die Bayern wohl um Schalkes Alexander Nübel, ist Zukunftsmusik. Neuer ist ehrgeizig wie nie: Die achte Meisterschaft in Folge ist sicherlich nicht sein oberstes Ziel.

Fazit: keine Baustelle

Innenverteidigung

"Mats ist der Beste", sagt Dortmunds Michael Zorc. "Niklas ist der Beste", erwidert Karl-Heinz-Rummenigge. Wer ist Deutschlands bester Verteidiger? "Abgänger" Mats Hummels ist unschlagbar im Spielaufbau, Niklas Süle schnell und hart am Mann. 80-Millionen-Einkauf Lucas Hernández wird für noch mehr Undurchlässigkeit sorgen. "Königstransfer" taufte ihn Rummenigge. Wer bei Diego Simeone von Atlético Madrid geschult wurde, der hat die nötige Giftigkeit. Frankreich-Kollege Benjamin Pavard und Routinier Javi Martínez sind verlässliche Alternativen.

Fazit: keine Baustelle

Außenverteidigung

Wie lange ist jetzt eigentlich David Alaba schon da? Gefühlt schon immer. Der Österreicher hat es sich hinten links bequem gemacht - im wahrsten Sinn des Wortes. Nicht viel ist mehr von der Impulsivität früherer Jahre übrig. Eine ernsthafte Alternative gibt es nicht. Der junge Stürmer Alphonso Davies soll umfunktioniert werden - eine Notlösung. Rechts hinten verteidigt Joshua Kimmich souverän wie einst Philipp Lahm. Der Nationalspieler drängt aber auch ins Mittelfeld. Pavard hätte als Rechtsverteidiger genug Erfahrung - er ist dort Weltmeister.

Fazit: kleine Baustelle

Defensives Mittelfeld

Hier sind alle Variationen möglich: Alles dicht machen (Martínez), dicht machen und aufbauen (Tolisso) oder schon in der Defensive kreativ sein (Thiago). In der Zentrale gibt es die meisten Variationsmöglichkeiten - und wohl auch die meisten Enttäuschten, wenn sie mal nicht spielen. Zumal auch Kimmich in diesen Bereich drängt. Und auch der eigentlich offensiv orientierte Leon Goretzka wäre für diesen Part geeignet.

Fazit: keine Baustelle

Außenbahnen

Obwohl sich dort nach dem Abschied von "Robbery" der Personalstand halbiert hat, lassen die Bayern die Flügel noch lange nicht hängen. Serge Gnabry war nicht nur für Uli Hoeneß "die Entdeckung der Saison". Der bei Arsenal ausgebildete Spieler hat den internationalen Durchbruch geschafft. Kingsley Coman ist eine Granate. Aber zu schnell für seine Gegenspieler, deshalb kann man auf seine nächste Verletzungspause warten. Zwei für zwei Positionen sind mindestens einer zu wenig: Leroy Sané wäre ein Traum für die Bayern. Ousmane Dembélé zu holen, wäre ein Alptraum. Der Franzosen-Flegel wird sich nie ändern.

Fazit: große Baustelle

Offensives Mittelfeld

Der Mann hinter Robert Lewandowski - es wird wohl wieder Thomas Müller werden. Dass er immer noch unberechenbar ist, hat der Schleicher in der Rückrunde bewiesen. Doch mittlerweile fehlt etwas auf der ganz großen, internationalen Bühne. Leon Goretzka wäre bestens geeignet, seine Flexibilät ist aber sein Schaden. Er kann sich dort nicht festspielen. Der Platz hinter den Spitzen wäre auch etwas für Timo Werner. Der Leipziger hat einen Speed und eine Spielweise, die anders sind als die von Coman oder Gnabry.

Fazit: kleine Baustelle

Sturm

Timo Werner könnte auch echte Spitze spielen. Die Bayern gehen jedes Jahr ein Wahnsinnsrisiko ein, mit nur einem zentralen Stürmer zu planen. Es ist nicht nur die Frage, was bei einer Verletzung von Robert Lewandowski ist. Er steht auch nicht unter Konkurrenzdruck. Dabei ist er nicht mehr unantastbar. Der Vergleich mag hinken, aber Jürgen Klopp hat in Liverpool mit Mo Salah, Roberto Firmino und Sadio Mané mehrere Jungs, die zentral stürmen können. Und der vierte, Divock Origi, hat die "Reds" zum Champions-League-Titel geschossen. Da muss doch in München ein zweiter Klasse-Mann her.

Fazit: große Baustelle

Der Trainer

Trotz Gnabry - Trainer Niko Kovac war die Entdeckung der Saison. Selbst im stürmischen Herbst blieb der Ex-Frankfurter ruhig, besonnen, souverän. Die Zweifel Rummenigges an ihm waren sicher nicht so groß, wie oft kolportiert wurde. Wenn es überhaupt welche gab. Kovac weiß, dass man in München immer (mehr) liefern muss. Seine Art tut dem Verein gut. Dass er angeblich zu einigen Spielern keinen so guten Draht hat - wohl auch Gerüchte.

Fazit: keine Baustelle

Die Bosse

Uli Hoeneß ist nach seiner vollmundigen Transferankündigung von Februar ganz ruhig. Rummenigge wartet auf den Dominoeffekt (der Griezmann-Wechsel könnte einer sein). Und Hasan Salihamidzic? Auffällig oft lobte Rummenigge zuletzt den Sportdirektor, was so viel heißt wie: Er werkelt halt. Den Bayern fehlt aber immer noch einer wie Matthias Sammer: eine Nervensäge, ein Nörgler, ein Erfolgsmensch, einer, der nie zufrieden ist. Oliver Kahn könnte der neue Sammer werden.

Fazit: kleine Baustelle

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.