31.08.2018 - 20:49 Uhr
Sport

Die kleinen Stars der Promi-Insel

Partys, Promis, Pressschlag: Die Insel Sylt hat viele Facetten. Eine davon ist der Fußball. Und dabei nehmen die Kicker im hohen Norden einiges in Kauf. Ein Nachmittag mit Insel-Fußball ...

Das Team Sylt hat in dieser Saison viel vor.
von Josef Maier Kontakt Profil

Hier ist der große Fußball zu Hause - zumindest für ein paar Wochen im Jahr. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge tankte im Juli hier Kraft und machte dann, gut erholt, den Deutschen Fußballbund nach dem WM-Desaster zur Schnecke: "Alles Amateure", ätzte der Bayern-Boss braungebrannt. Und gefragt nach seiner neuen Angriffslust, antwortete er: "Ich hatte einen wunderbaren Urlaub." Auf Sylt.

Nicht nur Rummenigge ist auf Deutschlands prominentester Insel öfter zu Gast. Jürgen Klopp soll im Edelörtchen Kampen ein Reetdachhäuschen haben. Auch Bundestrainer Jogi Löw liebt die Urlaubstage auf der Insel in der Nordsee. Viele Bundesligaspieler tummeln sich hier in der Sommerpause, Fußballmanager machen mit Blick auf See oder Watt dicke Geschäfte.

Die unterste Klasse

Auf der knapp 18 000 Einwohner (ohne Touristen) zählenden Insel in Nordfriesland gibt es aber auch den kleinen Fußball, den ganz kleinen: Kreisklasse B, unterste Liga, hier kickt Team Sylt, eine 2002 entstandene Spielgemeinschaft aus vier Vereinen - TSV Westerland, Sportfreunde List, TSV Tinnum und TSV Morsum.

Um 14 Uhr soll an diesem Samstag Anstoß des ersten Saisonspiels sein. Vom Gegner ist noch nichts zu sehen. "Das ist schwierig bei den Bedingungen heute." Uwe Glindmeier schaut etwas besorgt. Er hat Kleinbusse zum Bahnhof geschickt, die die Gäste abholen sollen. Erwartet werden die Kicker von der Insel Föhr, vom TSV Wyk II. Aber Ausläufer eines Sturms fegen immer noch über Nordfriesland. Die Wyker fahren mit der Fähre aufs Festland nach Dagebüll. Dann geht es mit dem Zug nach Niebüll und von dort über den Hindenburgdamm, der auch die Tausenden von Touristen mit dem Autozug nach Sylt bringt, zum Bahnhof in Tinnum. "Um 14.30 Uhr geht's los", verspricht Glindmeier. Der 53-Jährige coacht seit dieser Saison das Team Sylt. "Ich bin bei uns so etwas wie das Mädchen für alles", sagt er lächelnd. "Ich schaue, dass die Gegner ankommen, dass der Platz gekreidet ist und dass auch die Trikots da sind." Die Shirts sind da, und jetzt auch der Gegner. "Ein geiler Rasen", meint ein Wyker Spieler anerkennend, als er zum schnellen Aufwärmen den Rasen betritt.

Ja, es ist hier alles nahezu perfekt im Sportzentrum Sylt-Ost. Ein schmuckes Gelände haben sie sich geschaffen, zwischen den Dörfern Tinnum und Keitum, zwischen der Bahntrasse mit den Autozügen im Süden und dem Flughafen im Norden. Immer wieder steuern Flugzeuge die Landebahn an.

"Leute, das ist heute ein Insel-Derby", macht Glindmeier seine Jungs nochmals heiß. Und die legen auch im Sturmtempo los. Niels Dassler ist Kapitän und vor allem Top-Stürmer. Er macht nach zwei Minuten bereits das 1:0. Den Ausgleich der Wyker kontert der bärtige Stürmer, der normalerweise in einer Autowerkstatt arbeitet, mit dem 2:1. Da sind gerade einmal acht Minuten gespielt.

Dassler legt noch nach

Dassler hat heute Zeit, auf Torejagd zu gehen. Am Samstagnachmittag hat die Werkstatt geschlossen. "Ansonsten ist es aber schwierig, eine Mannschaft zusammenzukriegen", erzählt Matthias Schill. Er hat auch am Wochenende Zeit, der zweite Vorsitzende des Teams Sylt arbeitet als Architekt auf der Insel. "Aber viele Leute arbeiten in der Gastronomie", erklärt Schill, "und die kennt kein Wochenende." Auch Studenten sind im Team, Vertriebsmitarbeiter, Handwerker. "Ich habe einen Kader mit etwa 30 Leuten", berichtet Glindmeier. "Heute sind wir ganz gut bestückt." Das sieht man noch vor der Pause. Dassler - wer sonst? - legt noch das 3:1 nach.

Dabei hatten sie auf Sylt vor einigen Jahren noch von einer ganz, ganz starken Truppe geträumt. Da wurden auf der Insel neben Ferienhäuschen auch große Luftschlösser gebaut. Die Regionalliga sollte es sein. Mindestens. Ein Großgastronom von der Insel hatte sich zum Ziel gesetzt, hier höherklassigen Fußball anzubieten. Mit dem SC Norddörfer, dem zweiten Klub auf der Insel, der unweit von Kampen sein Spielgelände hat, wollte der Restaurantbesitzer Großes entwickeln. Später entstand aus diesem Team der FC Sylt. Auch abgehalfterte Zweit- und Drittliga-Profis wurden so um das Jahr 2005 engagiert. "Wir waren da von Anfang an nicht dabei", will Glindmeier auch heute nichts von den Träumereien des Investors wissen. "Wir wollten hier schon immer reinen Amateurfußball anbieten", sagt er forsch. "Bei uns wird nichts bezahlt." Und man setzt auf die Jugend. Mehr als 300 Jugendliche jagen in den vielen Nachwuchsteams dem Ball hinterher.

Der Großgastronom ließ aber nicht locker, zog mit seinem Team aufs Festland. "Irgendwann krachte alles zusammen", blickt Schill relativ emotionslos zurück. Als Spielort für den höherklassigen Fußball war auch das Sylter Stadion im größten Ort der Insel, in Westerland, im Gespräch. "Aber auch da machte unser Vorstand nicht mit", erinnert sich Glindmeier. Das Stadion, keine 200 Meter vom Nordseestrand entfernt, gleich hinter den Dünen und dem Aquarium gelegen, ist die eigentliche Spielstätte der Herrenmannschaft des Teams Sylt. Es gibt eine Stehtribüne. Offiziell sollen dort 10 000 Leute Platz finden. Doch die Arena verfällt. Die Lokalzeitung hat ausgemacht, dass die vielen Kaninchen den Platz unterhöhlt haben. Möwenfedern überlagern zudem den ausgebrannten Platz. "Sportbetrieb ist hier bis auf weiteres nicht möglich", heißt es auf einem Schild, das die Ortsverwaltung am Eingangstor angebracht hat. "Das Stadion soll jetzt aber wieder belebt werden", hat Glindmeier gehört. Erst einmal sollen 30 000 Euro bewilligt worden sein. Damit soll das Nötigste instand gesetzt werden.

Der Wind macht die Tore

Sie sind beim Team Sylt aber derzeit sehr zufrieden mit ihrem Gelände im Osten der Insel. Dort läuft die zweite Halbzeit. Der Trainer ist guten Mutes, dass die drei Punkte eingefahren werden, doch die Sylter spielen gegen den Wind, und das wissen die Kicker von der Nachbarinsel Föhr zu nutzen. 3:3 heißt es plötzlich, nachdem der Wind den Ball nach zwei Freistößen quasi ins Tor geblasen hat. Doch da ist ja noch Nils Dassler. 87. Minute: Perfekter Flachschuss aus 16 Metern - 4:3. Der Wind lässt aber nicht locker. Eine Minute später gleicht Wyk zum 4:4-Endstand aus. Glindmeier schaut bedröppelt, meint aber auch: "Ich bin zufrieden, Wyk hat ne gute Truppe." Vom Saisonziel lässt er sich nicht abbringen. "Ich sehe uns unter den ersten drei."

Den halben Tag unterwegs

Um diese Platzierung zu erreichen, müssen die Sylter aber wohl im Rückspiel auf Föhr siegen. Dann steht ihnen wie so oft eine lange Anreise bevor. "Wir fahren dann um halb acht morgens mit dem Zug los, abends um 20 Uhr etwa sind wir nach dem Inselderby wieder zu Hause." Und augenzwinkernd fügt Glindmeier an: "Und das alles machen wir für 90 Minuten Fußball."

Altherren-Teams aufgepasst: Gegner gesucht:

Westerland. (mr) Es ist eines der größten Kleinfeld-Turniere Norddeutschlands für Alte Herren. Das Team Sylt veranstaltet alle Jahre im Juni auf der Insel den Altliga-Cup. In diesem Jahr waren 39 Teams aus Deutschland dabei.

„Sie kamen bis aus dem Allgäu“, erzählt Organisator Uwe Glindmeier. „Es wäre schön, wenn auch mal Teams aus der Oberpfalz teilnehmen wollen“, sagt er. Beim Turnier gibt es nicht nur Doppelpässe und Torschüsse, das Gesellige kommt natürlich auch nicht zu kurz.

Wenn Altherren-Teams aus der Region Interesse haben, teilzunehmen, können sie sich mit Uwe Glindmeier (0151/42 52 52 41 oder uwe.glindmeier[at]kruse.igefa[dot]de) in Verbindung setzen. Auf der Internetseite www.altliga-tinnum66.de kann man sich schon mal über die letzten Turniere informieren.

So kennt man Sylt: Der Strand von Kampen.

Ordnung muss sein. Der Sylter Torwart räumt die Eckfahne weg.

Uwe Glindmeier ist Trainer und Mädchen für alles.

Matthias Schill, der zweite Vorstand der Spielgemeinschaft, ist auch als Spieler unterwegs.

Freistoß für Sylt: Ob was daraus wird?

Im Stadion Sylt in Westerland ist derzeit kein Spielbetrieb möglich. Das Team Sylt kickt nun im Sportzentrum Ost auf der Insel. Dort hat sich die SG eine tolle Anlage geschaffen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.