06.05.2020 - 19:23 Uhr
Deutschland und die WeltSport

Kommentar: Der Profifußball hat Demut und Vernunft bitter nötig

Es geht weiter. Auf dem Platz, ohne Zuschauer. Aber wie geht es in den Klubs weiter? In der Coronakrise haben viele Fans nachgedacht. Der Fußball hat nur noch eine Chance: Er muss sich ändern, meint unser Sportredakteur Josef Maier

Der Ball ist wieder im Spiel. Mitte Mai dürften die beiden Fußball-Profiligen wieder loslegen.
von Josef Maier Kontakt Profil
Kommentar

Dieses Ja der Politik am Mittwoch war der größte Sieg für den Profifußball seit langem. Die Branche scheint gerettet. Mit den Geisterspielen fließt das Geld von den TV-Sendern. Gut ist deshalb noch lange nichts.

Der Profifußball hat nicht erst in der Coronakrise verloren. Viele machen sich jetzt Gedanken, wie das Leben nach der Pandemie aussehen soll. Der Profifußball wird jetzt gerne für all das hergenommen, was in der Vorkrisenzeit falsch gelaufen ist. Fair ist das nur bedingt, denn es gibt in unserer Welt noch ganz andere üble Auswüchse. Aber es steht außer Frage, dass die Branche der Balltreter eine Riesenportion Demut vertragen kann. Es war zuletzt alles aufgebläht, überdreht, weltfremd. Klasse-Kicker sollen weiter blendend verdienen, aber es wird für Durchschnitt viel zu viel gezahlt. Die Branche hat viele angezogen, die das schnelle Geld wittern. Es gibt Berater fürs Juristische, fürs Finanzielle, für soziale Medien, für sonst noch was. Alle wollen etwas vom großen Kuchen abhaben. Die Profis stellen ihren Reichtum protzig zur Schau. Das Beispiel Kalou zeigt, dass einige glauben, sich alles erlauben zu können. Beim Gehaltsverzicht in Coronazeiten eiern einige rum. Ihnen ist der Bezug zum normalen Leben völlig abhanden gekommen.

Karl-Heinz Rummenigge fordert mehr Vernunft, DFL-Chef Christian Seifert Demut. Die Bosse sind gefragt. Sie dürfen sich nicht mehr von Spielern und Beratern vorführen lassen. Die Vereine dürfen sich nur auf dem Spielfeld ausspielen. Wenn einer Unverschämtes fordert, dann kommt er bei keinem Klub unter. Und die Vereine müssen vor allem eines tun: nachhaltig wirtschaften. Es darf nie wieder vorkommen, dass Profiklubs, die Millionengehälter bezahlen, in Krisenzeiten staatliche Gelder für Kurzarbeit beantragen. Diese Chefs sollten sich was schämen.

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