Der Stresstest für Deutschlands Handballerinnen bei der Golden League kommt Bundestrainer Markus Gaugisch knapp sechs Wochen vor der Europameisterschaft sehr gelegen. Innerhalb von nicht einmal 24 Stunden wird der Vize-Weltmeister in den Duellen mit dem EM-Zweiten Dänemark am Samstag (16.00 Uhr) und gegen die Niederlande am Sonntag (13.30 Uhr) auf Herz und Nieren geprüft.
„Mit Dänemark und den Niederlanden warten die nächsten zwei Brocken auf uns, die uns eine unmittelbare und klare Rückmeldung zu unserem Leistungsstand geben werden“, sagte Gaugisch und nahm seine Schützlinge in die Pflicht: „Wir wissen, woran wir arbeiten müssen und dass wir Top-Leistungen brauchen, wenn wir gegen die Top-Nationen bestehen wollen.“
Seit Montag bereitet der Bundestrainer die DHB-Auswahl in Altenholz auf den hochkarätigen Länderspiel-Doppelpack vor, der nach dem durchwachsenen Start in die EM-Saison mit einem Sieg und einer Niederlage in Spanien weiteren Aufschluss über den Leistungsstand geben soll.
Lehrreiche Pleite
Das 30:35 im zweiten Duell mit den Spanierinnen Ende September war ein kleiner Stimmungsdämpfer, den Gaugisch als lehrreich auf dem Weg zur EURO vom 3. bis 20. Dezember bezeichnete. „Wir müssen einige Sachen neu machen und die richtigen Erkenntnisse ziehen, um gewisse Dinge bei der EM in unserem Werkzeugkasten zu haben“, forderte der 52-Jährige.
Bei den anstehenden Länderspielen kann der Bundestrainer wieder auf Spielmacherin Alina Grijseels bauen, die in Spanien kurzfristig ausgefallen war. Neu im 16-köpfigen Aufgebot sind im Vergleich zum Saisonstart mit Rückraumspielerin Marlene Tucholke und Rechtsaußen Farrelle Njinkeu zwei U20-Weltmeisterinnen.
Zweite Teilnahme an Golden League
Für das deutsche Team ist es nach 2024 erst die zweite Teilnahme an der Golden League, bei der als vierte Mannschaft Weltmeister Norwegen dabei ist. Bei der Premiere gab es eine empfindliche 19:34-Pleite gegen Dänemark, eine knappe 30:32-Niederlage gegen Norwegen und einen 27:23-Sieg gegen die Niederlande.
Zu einer Neuauflage des letztjährigen WM-Endspiels gegen Norwegen, das Deutschland mit 20:23 verlor, kommt es im dänischen Odense jedoch nicht, weil jede Nation nur zwei Partien absolviert. Doch auch so wartet auf die DHB-Auswahl eine knallharte Standortbestimmung.
„Duelle mit Top-Nationen wie Dänemark und der Niederlande sind lehrreich und ideal für die Entwicklung der Mannschaft. Daher haben wir uns auch bewusst für diesen Weg entschieden, dass wir in jedem Spiel vor der EURO maximal gefordert werden, um dann die Wettkampfhärte mit dem ersten Spiel bei der Europameisterschaft zu haben“, sagte DHB-Sportvorstand Ingo Meckes.
Abwehr muss stabiler werden
Aus dem aktuellen Aufgebot waren vor zwei Jahren bereits 13 Spielerinnen dabei, was für die Konstanz im Team spricht. Gaugisch hat im Laufe der Jahre ein Team-Gerüst etabliert, das nur in Nuancen ergänzt werden muss.
Der Schwerpunkt bei der Arbeit im Trainingslager und dann bei den Länderspielen wird auf der Abwehr liegen, in der mit Aimée von Perreira (Karriereende) und Xenia Smits (Babypause) zwei wichtige Stützen von der WM fehlen. In Spanien konnte das zuletzt noch nicht kompensiert werden.
„Wir müssen uns suchen und finden und die Abwehr neu etablieren. Ich bin aber guter Dinge, dass wir die Zeit bis zur EM gut nutzen werden“, sagte Rückraum-Ass Emily Vogel.
Davon ist auch Teammanagerin Anja Althaus überzeugt: „Schon beim vergangenen Lehrgang haben wir bei jeder Spielerin gespürt: Da sind unfassbar viel Power und Lust, wieder bei der Nationalmannschaft sein zu dürfen. Dieses Mindset und diese Begeisterung brauchen wir auch jetzt wieder, um die nächsten Entwicklungsschritte anzugehen.“
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