07.09.2018 - 19:26 Uhr
Sport

Langsam kehrt das Lachen zurück

Eine Nullnummer macht Mut. Doch so euphorisch wie viele Fans sind die deutschen Nationalspieler nach dem Spiel gegen Frankreich nicht. Einer kämpft noch immer mit sich - nicht nur auf dem Platz.

Toni Kroos (links) und Mats Hummels bedanken sich bei den Fans nach der Nullnummer gegen Frankreich. Sie können schon wieder lächeln.
von Josef Maier Kontakt Profil

München.Thomas Müller ist leise geworden. Sein normalerweise lautes Lachen hört man nicht mehr heraus aus der Menge. Er lacht auch viel weniger. Der "Lausbub der Nation", immer für einen Spaß zu haben, hat noch ordentlich zu knabbern am WM-Desaster. Auch am Donnerstagabend nach dem durchaus ansprechenden 0:0 gegen Weltmeister Frankreich. "Es ging auch heute ein bisschen darum, den Kredit zurückzuholen, den wir im Sommer verspielt haben", sagte er nachdenklich.

Etwas an Kredit haben sie in München im ersten Länderspiel nach der Südkorea-Pleite bei der WM Ende Juni zurückbekommen. "Aber das alles, ist ja nur ein erster Schritt", gab auch Matthias Ginter, der überraschenderweise auf der rechten Außenbahn verteidigen und auf und ab laufen durfte, zu bedenken. Es wird noch viele Schritte brauchen.

Die Aufarbeitung des Scheiterns in Russland ist ja nicht nur ein fußballspezifisches Ding, da geht es nicht nur um Doppelpässe, Viererketten oder defensive Absicherung. Die ganze Geschichte ist von nationalem Interesse. Kanzlerin, Bundespräsident, "Kaiser" - jeder mischte mit. Das Erscheinungsbild der "Mannschaft" ist arg ramponiert: "Es wäre naiv zu glauben, mit so einem Spiel die WM vergessen zu lassen", sagt dann auch der Bundestrainer. Joachim Löw weiß nur zu gut, was da in Russland alles verbockt wurde.

Die Angst vor den Kontern

Umso überraschender war, dass die Nationalelf in der Arena von den deutschen Fans unter den knapp 68 000 Besuchern von Anfang an bejubelt wurde. Auch in der noch zähen ersten Hälfte. "Wir haben da einen größeren Fokus auf Stabilität gelegt", entschuldigte Mats Hummels die vorsichtige Herangehensweise. Absicherung sei gegen die schnellen Franzosen, die an diesem Abend selten schnell waren, die erste Pflicht gewesen, betonten alle Nationalspieler. Ihr Chef meinte: "Wir wollten die Räume dicht machen, damit wir nicht ausgekontert werden." Das sah auch Offensivgeist Müller so. Für den Bayern-Star standen diese 90 Minuten des Aufbruchs irgendwie sinnbildlich: Müller mühte sich anfangs vergeblich, kaum etwas gelang, der Ball versprang, das Zuspiel passte nicht. Doch er arbeitete sich in die Partie: "Für uns war wichtig, dass wir viel Einsatz zeigen." Fast hätte er sich mit einem Treffer belohnt, doch der starke französische Torwart Alphonse Areola wischte den Ball nach Müllers Schlenzer noch aus dem Winkel. Der Bayern-Angreifer sprach auch an, was viele im Zuge der ordentlichen Nullnummer übersahen: "Nach vorne waren wir nicht so befreit wie in besten Zeiten."

Müller - WM-Held 2014, WM-Versager 2018: Auch an ihm rieben sich in letzter Zeit die Fans. Nicht wenige erwarteten, dass der bald 29-Jährige beim geforderten Neuaufbau nicht mehr dabei ist. "Ja, von Umbruch war viel die Rede", sinnierte der Oberbayer. Er wusste aber, dass Löw seine etablierten Spieler nicht fallen lässt. Sieben Kicker von der Schmach gegen Südkorea standen in der Anfangsformation. Für Müller logisch: "Der Bundestrainer wollte vor allem uns die Chance zur Wiedergutmachung geben." Den hochgelobten Kai Harvertz oder Thilo Kehrer ließ Löw auf der Bank. Gut möglich, dass beide am Sonntag (20.45 Uhr/RTL)im Testspiel gegen Peru in Sinsheim ihr Debüt geben. Leroy Sané bekam gegen Frankreich ebenso wie Ilkay Gündogan, der mit einer Mischung aus Pfiffen und Applaus empfangen wurde, ein paar Minuten Spielzeit.

"Es ist schon ärgerlich"

Es wäre naiv zu glauben, mit so einem Spiel die WM vergessen zu lassen.

Bundestrainer Joachim Löw

Sané kam in einer Phase, in der Deutschland nah am Siegtreffer war. "Es ist schon ärgerlich, dass wir aus unseren guten Möglichkeiten kein Tor gemacht haben", kritisierte Toni Kroos die Torausbeute. Thomas Müller hakte den Chancenwucher schnell ab. Für den in den letzten Wochen so arg Gebeutelten war nur eines wichtig: "Es geht auch darum, den Leuten zu zeigen, dass wir nicht aus Jux und Dollerei herkommen." Müller lachte. Ziemlich laut.

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