16.10.2026 - 09:26 Uhr

„Legendäre Person“: Kommt Simone Biles für LA28 zurück?

Simone Biles ist der Weltstar des Turnens. Doch wieder finden Weltmeisterschaften ohne sie statt. Die 29-Jährige wird nicht nur aus sportlichen Gründen vermisst. Gibt es ein Comeback für Los Angeles?

Das Social-Media-Portal „Planet of Gymnastics“ jubelte euphorisch. „Sie ist zurück“, lautete am 2. September der Post. Gemeint war aber nicht Turn-Weltstar Simone Biles, sondern ihre US-Landsfrau Jordan Chiles. Mit der 25-Jährigen haben vier der fünf Team-Olympiasiegerinnen von 2024 in Paris angekündigt, sich auf die Heim-Spiele 2028 in Los Angeles vorzubereiten. In einer Bild-Kombination versah das Portal Fotos von Chiles, Jade Carey, Sunisa Lee und Hezly Rivera mit einem weißen Häkchen auf grünem Grund - nur bei Biles prangte ein rotes Fragezeichen.

Vor Beginn der Weltmeisterschaften an diesem Samstag im niederländischen Rotterdam fragen sich die Turnfans: Wo ist Simone Biles? Wie schon im Vorjahr im indonesischen Jakarta fehlt die 29-Jährige auch bei dieser WM - und damit nicht nur sportlicher Glanz, sondern auch Glamour. 

Deutsche Riege gegen USA

„Sie nennen sie GOAT, die Greatest of All Times. Die gibt es jetzt nicht, und das fehlt. Es gibt immer zwei, drei Namen, die das Turnen fürs Publikum attraktiv machen. Aber Simone Biles zieht auch Größen anderer Branchen an, das hat man bei den Olympischen Spielen in Paris gesehen. Lady Gaga oder so, die waren alle wegen ihr da“, sagt Bundestrainer Gerben Wiersma.

Seine Riege mit Stufenbarren-Europameisterin Helen Kevric, Karina Schönmaier, Lea Quaas, Madita Mayr und Rückkehrerin Emma Malewski turnt am Sonntag (16.00 Uhr) in der Qualifikation direkt gegen das US-Team. Das wird angeführt von Team-Olympiasiegerin Rivera und Ex-Weltmeisterin Skye Blakely, bringt aber mit einem Durchschnittsalter von 17,8 Jahren wenig Erfahrung mit. In Rotterdam geht es auch um die ersten Startplätze für die Olympischen Spiele 2028. 

Biles in der Öffentlichkeit

Kehrt Biles für das Mega-Event in Los Angeles auf die Turn-Bühne zurück? Von ihr selbst gibt es bislang kein Wort dazu. Dabei ist die siebenmalige Olympiasiegerin alles andere als öffentlichkeitsscheu. In Peru warb sie als Botschafterin für die Panamerika-Spiele 2027 in Lima. Bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung im Rahmen der New York Fashion Week präsentierte sie sich im schwarzen, schulterfreien Abendkleid. Und jüngst verzückte sie London, wo sie als Edelfan ihren Mann und American-Football-Profi Jonathan Owens beim Sieg von dessen Indianapolis Colts gegen die Washington Commanders anfeuerte.

Ihre 11,7 Millionen Follower auf Instagram hält Simone Biles mit Details aus ihrem Jetset-Leben auf dem Laufenden. Sportliche Aktivitäten hingegen sind weitgehend Fehlanzeige. Hoffnung auf eine Rückkehr macht ihren Fans allerdings ein Video von Anfang September: Dort turnt sie auf dem Trampoline Rückwärtselemente und landet danach in der Schaumgummigrube. „Altes Mädchen, dieselben Tricks“, schrieb sie dazu.

„Ich hoffe, sie kommt noch mal zurück, denn das wäre auch für das Turnen sehr gut, für die Zuschauer. Es wäre auch eine sehr positive Geschichte. Die Olympischen Spiele sind in Los Angeles. Aber sie darf nicht zu lange warten“, sagt Bundestrainer Wiersma. Emma Malewski, die seit dem vorigen Jahr für die Clemson Universität in den USA turnt, hat Zweifel. „Ich glaube es tatsächlich nicht, dass sie noch einmal zurückkommt, auch wenn ich kürzlich ein Interview gehört habe, dass sie es vielleicht doch noch mal versuchen will. Warum nicht, wenn sie es mit ihrem Körper hinbekommt und verletzungsfrei ist“, sagt die ehemalige Schwebebalken-Europameisterin.

Geschichte und Comeback-Qualitäten

Auch aufgrund ihrer Geschichte ist Simone Biles eine Ausnahmeerscheinung im Turnen. 2018 hatte sie öffentlich gemacht, dass sie vom früheren Teamarzt, dem zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilten Larry Nassar, sexuell missbraucht worden ist. 

Bei den Olympischen in Tokio musste sie wegen mentaler Probleme - sogenannte Twisties - den Team-Wettkampf abbrechen, holte anschließend aber noch Bronze am Schwebebalken. „Sie war auch durch die Spiele in Tokio ein Gesicht für den Sport und wird es immer bleiben, ob in der Turnhalle oder außerhalb. Jeder, der turnt, kennt Simone Biles. Sie ist eine Powerfrau“, sagt Malewski.

Anschließend legte Biles wie schon 2019 eine längere Wettkampfpause ein - und kehrte bei den WM 2023 fulminant zurück. In Antwerpen präsentierte sie mit dem nach ihr benannten „Biles II“ den bislang schwierigsten Sprung des Frauen-Turnens. Neben dem Jurtschenko mit folgendem Doppelsalto rückwärts gebückt hat die Ausnahmeathletin weitere Elemente am Schwebebalken, am Sprung und am Boden kreiert, die ihren Namen tragen.

Biles, die legendäre Person

Ob sie ihre Comeback-Qualitäten auch bei der nächsten WM im Herbst 2027 im chinesischen Chengdu und in Los Angeles unter Beweis stellt, ist offen. „Simone Biles ist eine legendäre Person. Jeder auf der Welt kennt sie, und sie ist einfach unglaublich. Es wäre cool, wenn sie in ihrem Heimatland noch mal auftreten würde. Sie hat, glaube ich, schon angekündigt, dass es keine Spiele in ihrem Land geben könne ohne sie. Wenn sie turnen sollte, wäre es krass, dass sie das alles so schafft und durchzieht“, sagt Ex-Europameisterin Schönmaier.

© dpa-infocom, dpa:261016-930-847964/2

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