Olympiasieger Noah Lyles am DJ-Pult, ein Rekordpreisgeld und viel Glitzer sowie Neonlicht. Die Premiere der Ultimate Championship in Budapest hat für TV-Hingucker, Lob der Teilnehmer, aber auch Kritik der Ausgeschlossenen gesorgt. Die erstmalige Leichtathletik-Show mit noch mehr Fokus auf die Stars und ohne lange Vorkämpfe soll der Traditionssportart auf dem Weg in die Zukunft einen neuen Schub geben.
Lehren über die Leichtathletik hinaus?
„Wir sind von Natur aus eine konservative Sportart, und ich glaube einfach, dass wir uns ein wenig vom risikoscheuen Ende dieses Spektrums entfernt haben. Wahrscheinlich nicht sehr weit, aber es ist ein Anfang“, sagte Weltverbandspräsident Sebastian Coe am Donauufer. Der 69-Jährige berichtete vom Besuch von weit über 20 Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees, etwa Präsidenten von Rudern, Tischtennis und Volleyball, die in Ungarns Hauptstadt gekommen waren. Denen habe es „sehr gut“ gefallen, sagte der frühere Weltklasse-Leichtathlet.
Interessant ist der erfrischende Modernisierungsschritt von Coe & Co. allemal. Denn es geht letztlich auch in anderen Sportarten um die Frage, wie man außerhalb von Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften ein großes Publikum erreicht. Und vor allem, wie man junge Leute begeistert. Denn die wollen im Social-Media-Zeitalter alles im Schnelldurchgang. Coe verwies auf Untersuchungen, dass nicht jeder, der sich den 100-Meter-Lauf ansieht, auch den gesamten 100-Meter-Lauf sehen wolle - und das sind nur rund zehn Sekunden. Lyles konnte diesmal verletzt ebenfalls nur zuschauen.
Porsche mit riesigem Auspuff
Doch wie neu war das alles wirklich? Das Programm war geballter, es gab neue Show-Elemente, andere Einblendungen und das Stadion mit seinem schwarzen Innenraum präsentierte sich im neuen Look - um einige Beispiele zu nennen. Der mit seiner Disziplin fehlende australische Diskuswerfer Matthew Denny verglich das Event letztlich mit einem Porsche 911, an den man zwar Neonlichter und einen riesigen Auspuff montiert habe, aber den Motor gleich gelassen habe.
Der deutsche Hammerwerfer Merlin Hummel, der 150.000 US-Dollar Preisgeld (rund 129.000 Euro) auf sein Konto bekommt, sah das nach seinem Erfolg anders. „Generell finde ich das schon cool, dass man versucht, den Sport wieder für die Leute attraktiv zu machen“, sagte der 24-Jährige. Die Leichtathletik sei eine „sehr alte“ Sportart und Neuerungen könnten Schwung geben. Der deutsche Hürdensprinter Emil Agyekum verspürte im Nationalen Leichtathletikzentrum schon „den Charakter von einer WM“.
„In der Leichtathletik ist Kohle zu holen“
Speerwurf-Europameister Julian Weber sieht in dem Gesamtpreisgeld von zehn Millionen US-Dollar einen „Riesenanreiz“. Es sei gut für Nachwuchssportler „zu sehen, in der Leichtathletik ist Kohle zu holen“.
Hummel machte auch einen Vorschlag, wie man die nicht berücksichtigten Sportarten aufnehmen könne: Etwas weniger Geld in den einzelnen Disziplinen ausschütten, dafür die Sportlerinnen und Sportler aller Disziplinen starten lassen. In zwei Jahren soll die nächste Auflage des neuen Events stattfinden. Dann vielleicht ja mit dem deutschen Rekordhalter Frederik Ruppert über 3.000 Meter Hindernis oder den Diskuswerfern? Unter anderem von ihnen gab es Kritik an ihrer Rolle als Zwangszuschauer.
Alle Disziplinen bei zweiter Auflage? Eher nicht
„Es gab unvermeidliche Diskussionen darüber, dass einige Disziplinen nicht dabei sind“, sagte Coe. „Aber ich habe darauf hingewiesen, dass das nicht in Stein gemeißelt ist.“ Man verfüge aber nicht über „unbegrenzte Ressourcen“.
Das lässt die Prognose zu, dass auch zukünftige - die Orte sind offen - nicht alle Disziplinen dabei sein werden. Eine WM umfasst dagegen in der Regel neun Wettkampftage mit 13 oder 14 Sessions, bei der Ultimate Championship geht es kompakt an drei Abenden zur Sache. Dafür musste das Programm auf 26 Einzel- und zwei Mixed-Staffel-Wettbewerbe reduziert werden. Entscheidend sei nun, „genau zu schauen, was funktioniert hat und was verbessert werden sollte, was nachhaltig trägt und welche Impulse wir daraus mitnehmen können“, sagte DLV-Vorständin Kristin Behrens.
© dpa-infocom, dpa:260913-930-678563/1























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