15.02.2019 - 14:16 Uhr
Luhe-WildenauSport

Emil in Erics Fußstapfen

Ein Blick hinunter genügt, und wohl fast alle kriegen weiche Knie. Es gibt einen jungen Burschen aus Luhe-Wildenau, dem macht diese Aussicht von der Sprungschanze Spaß. So zu werden wie Eric Frenzel, ist das Ziel des Kombinierers.

Der junge Emil Paul vor einem Sprung auf der Schanze in Bischofsgrün.
von Josef Maier Kontakt Profil

Es passte alles perfekt. Es gab die Bestnote. Eine glatte Eins. "Ich habe übers Skispringen ein Referat gehalten", erzählt Emil Paul über eine seiner Deutschstunden in der letzten Zeit. Mit Skispringen kennt sich der Elfjährige mittlerweile ganz gut aus. Schließlich ist der Sechstklässler am Weidener Augustinus-Gymnasium einer der wenigen Skispringer in der Region. Und da der junge Bursche aus Luhe-Wildenau (Kreis Neustadt/WN) auch ein guter Langläufer ist, will er unbedingt Nordischer Kombinierer werden.

Papa am meisten nervös

Bis es bei ihm Bestnoten beim Springen gibt, dahin ist noch ein weiter Weg. Aber eine glatte Eins gibt es schon mal für seinen Mut. "Ich habe da eigentlich keine Angst, nur etwas Respekt", sagt der Blondschopf über seinen Sport. Mit sieben Jahren sprang er in Bischofsgrün erstmals von einer Fünfzehn-Meter-Schanze. Aber die Mama hatte da doch sicher Angst? "Ich bin da relativ locker", sagt Astrid Locke-Paul ganz entspannt "Ich sag' meinen Kindern immer: Probiert's die Sachen einfach aus." Emil und seine zwei Jahre ältere Schwester Ella schmunzeln, als Mama das erzählt. Und verraten dann: "Der Papa ist noch am ehesten angespannt."

Das war er im Oktober vergangenen Jahres wohl auch, als Sohnemann Emil in Bischofsgrün erstmals von der 70-Meter-Schanze sprang. "Ich weiß nicht mehr, ob ich jetzt 40 oder 45 Meter weit gesprungen bin", blickt der junge Sportler auf den aufregenden Tag zurück. Ist ja auch egal, es war so oder so eine Wahnsinnleistung. Auch, wenn er dann grinsend zugibt: "Naja, ein bisschen Schiss hatte ich schon."

Aber auch an diesem Tag war Emil in besten Händen. Er hat einen Trainer, dem er total vertraut. Günther Göllner ist zwar schon 77 Jahre alt, aber immer noch total drahtig und in Sachen Skisprung eine Institution. Mitte der 70er-Jahre war der gebürtige Österreicher ein paar Jahre deutscher Skisprung-Bundestrainer. Im Fichtelgebirge, an den Schanzen in Bischofsgrün und Warmensteinach, begleitet er junge Athleten auf ihren ersten Flügen. "Der Günther wollte schon aufhören", weiß Emil, "aber er hat gesagt, dass er das mit uns durchzieht." Göllner ist von Emils Talent und dessen Kumpel Timo, einem Forchheimer, total überzeugt. Der Skisprung-Oldie hat genügend Tipps für seine "jungen Adler" parat.

Auch ein guter Fußballer

Wenn möglich, fahren Emils Eltern einmal wöchentlich ihren Sprößling zum Sprungtraining ins Fichtelgebirge. Das sind von Luhe aus jedes Mal 150 Kilometer hin und zurück. Da muss schon viele Liebe zum Sport dabei sein. "Da haben es seine Konkurrenten schon einfacher", erklärt Mama Astrid. Die wohnen entweder in den Alpen, im Bayerischen Wald oder Fichtelgebirge. Aber dem "Flachländler" Emil ist das egal. Ihm ist nichts zu viel. Bis zu drei Mal die Woche trainiert er zudem am Hirschauer Rotbühlsender unter der Anleitung von Trainern des SC Monte Kaolino Hirschau. Er kickt in der D-Jugend der JFG Naabtal 06 ("Wir sind die Kreisliga aufgestiegen") und dann spielt er auch noch Saxophon. "Ja", sagt die Mama, " da ist schon Disziplin erforderlich." Ach ja, das Gymnasium macht sich nicht so nebenbei.

Emil motiviert sich selbst - und wird motiviert. Eric Frenzel hat ihm Autogramme auf die beiden Sprungschuhe geschrieben. Jetzt hebt Emil quasi jedes Mal mit Eric ab. "Ich finde den Eric total nett, der ist überhaupt nicht überheblich", schwärmt der junge Sportler vom dreifachen Olympiasieger. Er habe auch schon mal mit ihm gequatscht, erzählt Emil. Zudem kennt er Frenzels ältesten Sohn Philipp ganz gut von gemeinsamen Langlaufrennen. Bei den Frenzels war er auch schon mal zu Hause in St. Ötzen bei Flossenbürg.

Ski-Internat hat noch Zeit

Ja, so zu werden wie Eric, das wär's. "Oder wie Fabian Rießle", sagt er. "Freilich will ich Profisportler werden." Er weiß aber auch, dass er wohl in eine andere Region zur weiteren Ausbildung gehen muss. "Ich denke, das mit dem Ski-Internat hat noch Zeit", meint er. Findet die Mama auch: "Wir schieben da nicht an. Das muss er selbst entscheiden."

Vielleicht führt ja das alles, was auf dem heimischen Sofa begann, irgendwann einmal zu den ganz großen internationalen Wettbewerben. So richtig auf den Geschmack kam Emil im Winter 2014. Die Olympischen Spiele liefen in Sotschi und auf der Paul'schen Mattscheibe in Luhe. "Ich habe mir von der nordischen Kombination und dem Skispringen alles angeschaut", erzählt der Elfjährige. Er sah wie Frenzel siegte. Emils Traum wäre, wenn bei solch einem Wettbewerb auch mal bei ihm eine Eins aufleuchten würde.

Info:

Mal Hirschau, mal Warmensteinach

In diesem Jahr konnte Emil Paul erst an einem Bayern-Cup teilnehmen. Nach dem Sprung auf seiner Haus-Schanze in Bischofsgrün und dem anschließenden Inliner-Lauf belegte er dabei in der Nordischen Kombination in seiner Altersklasse Platz 2. Anfang März ist er nochmals bei einem Wettbewerb in Garmisch am Start. In der Kombination steht er für den WSV Warmensteinach in der Startliste. Mit seiner Schwester Ella und Miriam Reisnecker, die ebenfalls aus Luhe-Wildenau kommt, ist Emil Paul aber im Winter ständig auch bei Langlauf-Wettbewerben am Start. Und da tritt er für den SC Monte Kaolino Hirschau an.

Auf den Sprungschuhen von Emil Paul hat sich Eric Frenzel mit seinem Schriftzug verewigt.
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