München
06.03.2025 - 13:31 Uhr
OnetzPlus

Pleiten, Pech und Party: Manuel Neuer am Boden, die Bayern obenauf

Der FC Bayern hat im Achtelfinal-Hinspiel der Champions-League richtig vorgelegt. Die Münchener nutzen am Mittwoch jede Schwäche von Bayer Leverkusen, haben aber auch einen eigenen Sorgenfall.

Nach knapp einer Stunde musste Manuel Neuer ausgewechselt werden: Er hatte sich beim Torjubel zum 2:0 einen Faserriss in der Wade zugezogen. Bild: Tom Weller/dpa
Nach knapp einer Stunde musste Manuel Neuer ausgewechselt werden: Er hatte sich beim Torjubel zum 2:0 einen Faserriss in der Wade zugezogen.

Im Jubeln müsste er eigentlich geübt sein: Er ist Weltmeister, zweifacher Champions-League-Sieger, hat etliche Meisterschaften und DFB-Pokalsiege gefeiert, noch viele andere Trophäen gestemmt und dazu getanzt. Er ist zu zig Torschützen gesprintet, um mit ihnen zu feiern. Und dann das.

„Er wird halt alt“, meinte Joshua Kimmich nach dem 3:0 des FC Bayern gegen Bayer Leverkusen im Achtelfinal-Hinspiel der Champions-League schelmisch grinsend. Sein unterschwelliger Rat an Manuel Neuer: Mit 38 sollte man bei Feierlichkeiten etwas langsamer machen. Beim Spurt zum 2:0-Torschützen Jamal Musiala oder dem Sprung in die Jubeltraube hatte sich der Keeper einen Muskelfaserriss in der Wade zugezogen, wie die Bayern am Donnerstagvormittag mitteilten. Ein schmerzlicher Jubel, der Routinier wird wohl länger fehlen.

Xabi Alonso erstaunlich ruhig

Es war der einzige Wermutstropfen an diesem Abend aufseiten der Münchener, an dem eigentlich die Leverkusener das Motto „Pleiten, Pech und Pannen“ für sich alleine beanspruchten. „Es ist heute leider vieles gegen uns gelaufen“, meinte ein erstaunlich ruhiger Xabi Alonso. Wahrscheinlich war der Bayer-Coach immer noch perplex, als er analysierte: „Das zweite Gegentor, die Rote Karte, der Elfmeter. In der Champions-League entscheiden die Details.“ Natürlich erkannte er auch die Leistung der an diesem Abend sehr starken Münchener an: „Aber wir haben wirklich viel dafür getan, dass Bayern gewinnt.“

So ganz stimmt das natürlich nicht, denn die gierigen Gastgeber taten schon sehr viel, damit sie nun mit diesem 3:0-Polster am kommenden Dienstag zum Rückspiel antreten können. Die Bayern nervten die Bayer-Spieler extrem. Luft zum Atmen? Nicht hier, bedeuteten die Münchener ihren Gegenspielern, standen ihnen quasi immer auf den Socken, halfen sich gegenseitig, wie auch Dayot Upamecano lobend erwähnte: „In den Zweikämpfen waren wir besser als der Gegner.“ Das ist eigentlich eine Domäne der Leverkusener, auf ihren starken Zweikampfwerten basiert normalerweise spielerische Brillanz. „.Die Bayern waren viel wacher und galliger als wir“, beschrieb es Leverkusens Kapitän Jonathan Tah. Zudem machten die Münchener über ihre Außen aber so richtig Dampf.

Musiala nutzt Fehlgriff

Dass sich die Statik in diesem innerdeutschen Champions-League-Duell jetzt so verschoben hat, dürfen die Münchener auch ihrer Effizienz zuschreiben. Harry Kane nutzte beim Kopfball zum 1:0 Nordi Mukieles Stellungsfehler. Musiala nutzte beim 2:0 einen kapitalen Fehlgriff von Bayer-Keeper Matej Kovar. Und Harry Kane nutzte vorm 3:0 Edmond Tapsobas plumpen Körpereinsatz gegen ihn im Strafraum. Manche wollen beobachtet haben, dass schon vor dem Elfmeterpfiff auf der Anzeigetafel das Tor angezeigt wurde. Eigentlich kann sich niemand daran erinnern, wann der Engländer mal einen Elfmeter verschossen hat.

Nur in den letzten Minuten ließen die Gastgeber ihre Effizienz vermissen. „Wir hätten sogar das vierte Tor machen können“, meinte Kane. Die Bayern hätten es machen müssen. Der Grat zwischen Effizienz und Fahrlässigkeit ist ein schmaler: Leroy Sané und Joao Palinha hatten dickste Chancen.

Da sie das nicht getan haben, deswegen sagt Bayern-Coach Vincent Kompany auch: „Wir sind noch nicht fertig.“ Die Leverkusener haben das Viertelfinale noch nicht abgehakt, auch wenn Xabi Alonso sagt: „Jetzt brauchen wir schon noch ein kleines Wunder.“ Die Leverkusener werden sich ganz sicher nicht noch einmal so einen Auftritt leisten wie am Mittwochabend in der Arena.

Auch schon beim SSV Jahn

Bei den Bayern feierte nach Neuers Verletzung überraschend Jonas Urbig sein Debüt. Der 21-Jährige, der auch schon von Januar bis Juni 2023 ein halbes Jahr beim SSV Jahn Regensburg als Leihspieler war, war erst im Winter vom 1. FC Köln gekommen. „Es gibt leichtere Spiele zum Einstand“, sagte Kompany grinsend. Der junge Torwart, der als einer der möglichen Nachfolger von Neuer gilt, schien aber nicht groß nervös zu sein, was auch Sportvorstand Max Eberl danach so empfand: „Es hat so ausgesehen, als wenn ihm die Situation gar nicht so viel ausgemacht hat.“

Groß halten musste Urbig gegen die nach Mukieles Gelb-Roter Karte dezimierten Leverkusener nichts mehr. Bei jedem Rückpass, den der junge Mann weiterspielte, wurde er von den Fans gefeiert. In Leverkusen am Dienstag wird das anders sein. Da muss er richtig cool bleiben. Und eines werden die Bayern-Verantwortlichen ihm sicherlich mit auf den Weg geben: Bitte bei einem eigenen Torerfolg nicht zum Torschützen sprinten.

OnetzPlus
München06.03.2025
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.