Unten auf dem Rasen hatte Thomas Müller gerade das 1:0 erzielt. Nach acht Minuten konnten sich die Bayern-Fans in der Allianz-Arena wieder den wichtigen Dingen des Abends widmen – ihrem Smartphone. Stabiles W-Lan und ordentlich „Saft“ auf dem Handy waren sehr wichtig an diesem kalten Mittwochabend im Münchener Norden. Die meisten Fans warfen ab und an einen Blick aufs Spielfeld, um dann wieder auf dem Handy rauf- und runter zu scrollen. Wer spielt wie am letzten Mega-Spieltag der Vorrunde in der Champions-League? Wer schafft es direkt ins Achtelfinale? Wer muss in die Play-offs?
Der FC Bayern München muss dorthin, und quasi Überstunden in der Königsklasse schieben. Der 3:1-Sieg gegen Slovan Bratislava war am Ende zu wenig. In der Mega-Tabelle mit 36 Teams landeten die Bayern auf Rang 12. Es sei schon komisch, „wenn sich Siege nicht wie Siege anfühlen“, sinnierte Thomas Müller nachher. Der 35-Jährige gab aber auch zu, dass der Glaube an die direkte Achtelfinal-Qualifikation vorm Spiel nicht mehr groß da war, „bei einer zehnprozentigen Restchance“.
Slovan mit meisten Gegentoren
Die Spieler auf dem Platz rechneten anscheinend nicht, die Fans auf den Tribünen machten das ohne Ende: Zur Pause hätten die möglichen Gegner noch FC Zagreb oder Sporting Lissabon geheißen, am Ende werden es Manchester City oder Celtic Glasgow sein. Drei Tore fehlten am Ende, um noch Borussia Dortmund einzuholen, um einem möglichen Duell mit dem nach einer Krise wieder erstarktem Weltklasseteam von ManCity ganz sicher aus dem Weg zu gehen.
„Man kann jetzt nicht davon ausgehen, dass wir so ein Spiel immer 4:0, 5:0 oder 6:0 gewinnen“, wehrte Manuel Neuer derartige Fragen nach einem verpassten Kantersieg ab. Thomas Müller ergänzte, dass da immer noch ein Gegner auf dem Platz stehe. Dabei galt der Gegner aus der Slowakei aber nur bedingt als europatauglich. Die Vorrunden-Bilanz von Slovan: Acht Spiele, acht Niederlagen. Mit 27 Gegentoren die meisten der 36 Teams kassiert.
„Nicht unser bestes Spiel“
Deswegen widersprach Josip Stanisic, der nach langer Verletzungspause sein Startelf-Debüt feierte, seinen Teamkollegen: „Wir hatten uns natürlich mehr erhofft.“ Aber das ganze Spiel war zäh: Die Tore von Müller, Harry Kane und Kingsley Coman waren irgendwie erzwungen, einige klare Chancen wurden vergeben, wobei die Gäste immer wieder frech konterten und zum Schluss auch belohnt wurden. „Es war nicht unser bestes Spiel“, meinte Keeper Manuel Neuer.
Der eine oder andere war sicherlich auch noch in Gedanken beim Spiel eine Woche vorher: „Vielleicht trauern wir noch ein wenig der eigenen Leistung in Rotterdam nach“, sagte Müller. Das überraschende 0:3 vor einer Woche hat die Bayern-Planungen komplett über den Haufen geworfen. Das war der Nackenschlag, der die direkte Qualifikation kostete. Müller versuchte am Mittwochabend sofort den Psychologen zu spielen: „Wenn du ein Etappenziel nicht erreichst, musst du versuchen, das in der Ehrenrunde geradezubiegen.“
Gegner mit Euphorie
Trainer Vincent Kompany weiß aber schon, wie schwierig diese Aufgabe sein wird: „Beide kommen mit einem guten Gefühl in die Runde“, sagte er. Beide möglichen Gegner in der Quali: Celtic Glasgow, weil das Erreichen des Sechzehntelfinals nicht unbedingt zu erwarten war, und City, weil die Star-Truppe von Pep Guardiola zur Pause im Spiel gegen Brügge eigentlich schon draußen war und noch 3:1 siegte.
Die Bayern-Fans im Stadion verbrachten somit den Abend viel auf anderen Plätzen, zitterten, rechneten und drückten auch Teams, die sie nun wirklich nicht leiden können, die Daumen.
Eigentlich wollen die Münchener ins Finale „dahoam“, das am 31. Mai in der Allianz-Arena ausgetragen wird. Jetzt haben die Münchener Bayern womöglich schon Mitte Februar an gleicher Stätte ihr „Endspiel“. Für Manuel Neuer eine logische Konsequenz: „Wir haben es nicht anders verdient.“













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