Nabburg
10.09.2026 - 14:44 Uhr
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Nach EM-Höhepunkt: Erik Hille kämpft sich beim Jungfrau-Marathon erneut aufs Podium

Wenige Tage nach dem Karrierehöhepunkt bei der EM in Birmingham läuft Erik Hille beim Jungfrau-Marathon auf Platz zwei. Der Erfolg am Eigergletscher ist vor allem eine außergewöhnliche mentale Leistung.

Erik Hille war nach dem Jungfrau-Marathon in der Schweiz völlig ausgepumpt. Bild: Diego Schläppi
Erik Hille war nach dem Jungfrau-Marathon in der Schweiz völlig ausgepumpt.

Der Körper war müde, der Kopf eigentlich auch. Doch Erik Hille bewies beim Jungfrau-Marathon in der Schweiz einmal mehr, dass Spitzenleistungen im Ausdauersport nicht nur in den Beinen entstehen. Nur kurze Zeit nach seinem Start bei der EM in Birmingham kämpfte sich der Nabburger beim prestigeträchtigen Bergmarathon rund um Interlaken auf Rang zwei und lieferte damit vor allem eine bemerkenswerte mentale Leistung ab.

Der Jungfrau-Marathon zählt zu den härtesten Läufen Europas. Nach 25 Kilometern auf einer welligen Strecke mit rund 500 Höhenmetern müssen die Athleten weitere 17 Kilometer bergauf bewältigen. Bis zum Ziel am Eigergletscher summieren sich die zusätzlichen Anstiege auf rund 1500 Höhenmeter. Im Vorjahr hatte Hille das Rennen noch in beeindruckenden 3:03:54,7 Stunden gewonnen und war als Titelverteidiger zurückgekehrt.

Absage keine Option

Die Wochen zuvor hatten dem 37-Jährigen jedoch alles abverlangt. Der Marathon bei der EM in Birmingham markierte einen Höhepunkt seiner Laufbahn. „Der EM-Marathon war das größte, was man im Leben erreichen kann“, sagt Hille. Die emotionale Anspannung nach diesem Ereignis war enorm. Trotzdem dachte der Ausdauersportler nicht daran, seinen Start in der Schweiz abzusagen. Die Zusage stand bereits lange fest, zudem wollte er als Titelverteidiger Verantwortung übernehmen.

Statt nach Birmingham erst einmal nach Hause zurückzukehren und die Eindrücke wirken zu lassen, ging es für Hille direkt weiter nach St. Moritz. Dort stand Training statt Erholung auf dem Programm. Eine echte Pause gönnte er sich nicht. Lediglich am Reisetag nach der EM blieb er ohne Laufeinheit, anschließend absolvierte er wieder regenerative Dauerläufe. Rückblickend sagt der Nabburger: „Mental wäre es besser gewesen, erstmal nach Hause zu fahren, eins zu trinken, das Erlebte zu reflektieren.“

Dennoch fand er die Motivation für einen weiteren Kraftakt. „Mich trieb der pure Wille, als Titelverteidiger wollte ich auch nicht hinterrennen“, erklärt Hille. Genau dieser Wille sollte sich im Rennverlauf auszahlen.

Unbekannter Sieger

An der Spitze bestimmte zunächst der 50-jährige Kenianer Mark Kiptoo mit hohem Tempo das Geschehen. Zeitweise lag Hille lediglich auf Rang vier, drei Kenianer befanden sich vor ihm. „Da habe ich schon kurz geflucht“, erzählt er. Doch der Deutsche biss sich zurück ins Rennen und kämpfte sich erneut auf Podestkurs.

Den Sieg sicherte sich schließlich überraschend der weitgehend unbekannte Brite Jack White in 3:08:27 Stunden. Ab Wengen übernahm er die Kontrolle und setzte sich auf den letzten Kilometern entscheidend ab. Hille erkannte die Leistung seines Konkurrenten neidlos an: „Dem war kein Kraut gewachsen.“

Für den Nabburger war der zweite Platz dennoch weit mehr als nur ein gutes Resultat. Angesichts der Vorbelastung durch die EM und der fehlenden Regeneration bewertet er das Rennen vor allem als Triumph des Kopfes über den Körper: „Es war keine richtig gute Leistung physisch, mental dafür umso mehr."

Nächstes Ziel Valencia

Wie groß die Anstrengung tatsächlich war, bemerkte Hille erst nach dem Zieleinlauf. „Ich war in meinem Leben noch nie so kaputt, körperlich und mental. Mein Körper lag in den Tagen danach brach“, sagt er. Nach Monaten voller Wettkämpfe steht nun deshalb Regeneration auf dem Programm. Für zwei Wochen will er die Belastung deutlich reduzieren und nur jeden zweiten Tag zehn Kilometer laufen. „Mache ich eigentlich nie“, sagt Hille schmunzelnd.

Lange ausruhen wird er sich dennoch nicht. Nach der kurzen Erholungsphase richtet sich der Blick bereits auf das nächste große Ziel: den Valencia-Marathon. Dort möchte Erik Hille zum Jahresende die Marke von 2:12 Stunden unterbieten. Der zweite Platz am Eigergletscher hat dabei vor allem eines gezeigt: Wenn der Kopf mitspielt, ist mit dem Nabburger selbst nach den größten Strapazen zu rechnen.

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Nabburg18.08.2026
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