Neubau bei Fichtelberg
16.03.2023 - 16:51 Uhr
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Biathletin Selina Kastl – das Gold-Mädel aus dem Fichtelgebirge

Auch die Biathlon-Saison geht dem Ende entgegen. Für Selina Kastl vom SC Neubau ist sie erfolgreich verlaufen. Vor allem die WM in Kasachstan. Dabei gab es vorher einige Zittermomente für die bald 22-Jährige.

Ihre größten Gegner waren nicht die Konkurrentinnen auf der Strecke. Es waren kleine fiese Viren. „Ich glaube, ich war in dieser Saison sechs Mal krank.“ Jetzt kann das Selina Kastl ganz entspannt erzählen und vor ihrem letzten Rennen in diesem Winter am Sonntag in Pokljuka kann die junge Biathletin auch bilanzieren „Das ist für mich ein Super-Abschluss einer noch gut gewordenen Saison.“ Einer noch ziemlich gut gewordenen Saison. Denn vor wenigen Tagen holte die bald 22-Jährige aus dem Fichtelberger Ortsteil Neubau (Landkreis Bayreuth) in Kasachstan WM-Gold mit der deutschen Juniorinnen-Staffel.

„Als Startläuferin hat sie das Fundament für Gold gelegt“, sagt Nachwuchs-Bundestrainer Zibi Szlufcik, der in Freudenberg (Landkreis Amberg-Sulzbach) wohnt. Der ehemalige Biathlet hält große Stücke auf Kastl, hat sie in den zwölf Tagen im kasachischen Schtschutschinsk genau beobachtet. „Schießtechnisch ist sie brutal gut“, meint Szlufcik, der beim Deutschen Skiverband (DSV) seit vier Jahren für den Nachwuchs verantwortlich ist.

Konditionell müsse sie natürlich noch an sich arbeiten. „ Aber insgesamt hat sie eine sehr gute Entwicklung genommen.“ Selina Kastl selbst war mit ihrem WM-Auftritt natürlich sehr zufrieden. „Ich konnte das umsetzen, was ich mir vorgenommen habe.“ Insgeheim hatten die Mädels mit einer Medaille gerechnet, da sie im IBU-Juniorcup oft auf dem Podest standen. „Gold hat dann aber doch alle Erwartungen übertroffen.“ Im Einzel war die junge Neubauerin auch noch Siebte geworden, wobei es da Diskussionen um den letzten Schuss gab. Er wurde weder als Treffer noch als Fehler angezeigt, schlussendlich doch als Fehler gewertet. Ansonsten hätte die angehende Polizistin sogar Silber geholt.

„Eine Mega-Erfahrung“

Kastl ärgerte sich aber nicht über den abgelehnten Protest. „Ich gehe nicht nur nach Ergebnissen, auch dieses Rennen war sehr gut.“ Nicht nur sportlich waren die Tage für sie ein Erlebnis: „Wann kommt man schon mal nach Kasachstan“, sagt sie lachend. „Das war eine Mega-Erfahrung.“ Um sich optimal vorzubereiten, haben die Deutschen sogar ihre Schlafgewohnheiten umgestellt, um auf die Fünf-Stunden-Zeitverschiebung eingestellt zu sein. Und es tat auch gut zu wissen, dass sich der ganze Aufwand lohnt: In der Sommervorbereitung trainiert Kastl auch schon mal bis zu 25 Stunden die Woche: Skirollern, Laufen, Radeln, Krafttraining, Schusstraining – das Leben eines Profis.

Kastl gehörte bei der WM in Kasachstan zu einem selten so erfolgreichen Team. Neun Goldmedaillen und sechs Silberne holten die Deutschen in den Junioren- und Jugendklassen, hängten sogar die Norweger klar ab. Szlufcik: „Das war eine Überraschung für alle.“ Man habe aber die letzten Jahre einiges verändert, angepasst und gezeigt, dass etwas vorwärts geht. „Mittlerweile gibt es auch ein herausragendes Team im Nachwuchsbereich.“ Dazu zählen auch Ex-Athleten als Trainer wie Andi Birnbacher, der Kastl betreut, oder Florian Graf.

Aber auch Szlufcik weiß, dass für einige jetzt der große Schritt kommt. Wie für Kastl, die in den Erwachsenenbereich wechselt. „Der Juniorinnenbereich ist nur ein Zwischenschritt, jetzt gilt es.“ Im April werden die neuen Förderkader zusammengestellt. Kastl wird weiter am Stützpunkt Ruhpolding bei Andi Birnbacher trainieren, aber auch immer wieder zu Hause auf der Rollerstrecke in Neubau oder am Ochsenkopf. „Es tut immer wieder gut, auch daheim trainieren zu können.“ Ihr Heimtrainer Wolfgang Rappl ist dann auch dabei. Sie trifft sich mit Freunden, kann etwas abschalten. „Ohne das Team im Hintergrund, die man nicht sieht, würde ich das eh nicht schaffen“, bedankt sie sich bei Eltern, Trainern, Physios und Technikern.

Grotian im Weltcup

In Pokljuka wird sie am Sonntag die Saison mit einem Rennen im Alpencup beenden. Dann geht der Blick bald Richtung neuer Saison. Ihre Staffelkollegin, die erst 18-jährige Selina Grotian, die vier Mal Gold in Kasachstan holte, darf schon an diesem Wochenende im Weltcup am Holmenkollen mit Denise Herrmann-Wick oder Vanessa Voigt ran. So hoch will Kastl (noch) nicht greifen, sie macht sich nicht verrückt. „Es wäre super, wenn ich es in den IBU-Cup schaffe und dort ständig dabei bin.“ Selina Kastl plant ihre Karriere Step by Step.

Info:

Selina Kastl

  • Geboren am 30. März 2001 in Marktredwitz.
  • Aufgewachsen in Neubau (Gemeinde Fichtelberg), die Eltern leben dort.
  • Besuch der Grundschule in Mehlmeisel.
  • Danach am Luisenburg-Gymnasium in Wunsiedel.
  • Seit 2019 Ausbildung zur Landespolizistin im oberbayerischen Ainring.
  • Seit 2019 Training am Stützpunkt in Ruhpolding.
  • Mitglied des SC Neubau.
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