15.04.2019 - 21:22 Uhr
Neustadt an der WaldnaabSport

Basketballer müssen kreativer werden

Die letzten Saisonspiele laufen noch, dennoch trafen sich die Oberpfälzer Basketballer zum turnusmäßigen Bezirkstag. In Neumarkt ging es um Perspektiven für den Basketball in der Region. Hier ist Bezirkschef Willi Merkl nicht optimistisch.

BBV-Bezirksvorsitzender Willi Merkl.
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

Im Gespräch mit der Sportredaktion erklärt der Bezirksvorsitzende des Bayerischen Basketball-Verbands (BBV), woran es bei Themen rund um die Saison, Schiedsrichterbezüge oder Jugendarbeit derzeit hakt.

ONETZ: Wie sehen Sie die Lage im Bezirk?

Willi Merkl: Problematisch. Wir haben 22 Vereine, aber nur 16 im Spielbetrieb. Wir haben Vereine, die keine Jugendarbeit machen, und Nachwuchsligen mit Teams auf total unterschiedlichem Niveau, aber zu wenige Teams im Spielbetrieb, um das auszugleichen. Und wir haben zwar einige Vereine in höheren Ligen, aber keinen Spitzenverein etwa in der ProB.

ONETZ: Woran machen Sie das fest – außer an den strukturellen Gegebenheiten des kleinsten Basketballbezirks Bayerns?

Es müssten noch mehr Vereine in die Breite investieren und mehr Teams melden. Auch ist es wichtig, dass sie den Leistungsgedanken verinnerlichen. Alle sollten dahinter sein, möglichst gut qualifizierte Trainer zu bekommen und auch selbst auszubilden. Die meisten zahlen ihren Trainern nichts. Nicht einmal die Übungsleiterpauschale. Da muss ein Umdenken passieren.

ONETZ: Die Trainerausbildung ist teuer und aufwendig. Auch kommen auf die Vereine nun ohnehin höhere Kosten durch den DBB für Mannschaftsmeldungen, Spielerpässe etc. zu ...

Das ist der Punkt. Daher ist es nicht so nötig, Schiedsrichter noch besser zu bezahlen, wie es die Vereine am Bezirkstag teilweise beschlossen haben. Über den Antrag war ich nicht glücklich. Die Schiedsrichter bekommen nun mehr als etwa in Mittelfranken. Es ist wichtiger, in die Qualifizierung der Trainer zu investieren. Die müssen zuverlässig sein, präsent, mit den Kindern umgehen können und auch mit den Eltern. Ich bin froh, dass wir mit Jakob Burger das Trainerressort wieder besetzen konnten. In ihn setze ich in der Ausbildung hohe Erwartungen.

ONETZ: Woher soll das Geld für die Trainer kommen?

Die Vereine müssen kreativer werden. Ob das ein Essensverkauf auch bei Jugendspielen ist oder durch eigene Fördervereine und Sponsoren. Da haben fast alle Nachholbedarf. Auch ist es wichtig, Vereine, die eine neue Mannschaft melden, zu belohnen und nicht durch höhere Kosten und Aufwand, etwa bei den Schiedsrichtereinsätzen, zu bestrafen. Unter meinem Vorgänger wurden Zielvorgaben mit jedem Verein einzeln bis 2020 vereinbart. Sie zu erreichen wird honoriert. Das ist ein guter Ansatz. Aber auch sonst sind wir vom Bezirksvorstand gefragt.

ONETZ: Inwiefern?

Es geht darum, die Zahl der Spieler zu erhöhen. Der BLSV schüttet 40 000 Euro an die 25 Fachverbände gestaffelt je nach Mitgliederstand aus. Die Turner etwa haben 76 985 Aktive und bekommen 4317 Euro, der Basketball hat angeblich nur 2066 und erhält gerade mal 707 Euro. Das war sehr überraschend. Hier werden wir bei unseren Hauptvereinen nachhaken, ob auch alle Spieler als Basketballer gemeldet sind.

ONETZ: Eine Geldfrage ist auch der Antrag Schwandorfs an den Bezirk, die Anschaffung der neuen Minikörbe zu fördern …

... was wir leider nicht leisten können. Hier stehen die Sachaufwandsträger in der Pflicht, zumal die Körbe mit niedriger Höhe auch im Schulsport verpflichtend werden. Das wird so auch vom Bayerischen Basketball-Verband an die Landkreise kommuniziert. Außerdem geben wir den Verantwortlichen dazu ein Schreiben an die Hand. Damit können Vereine wie Schwandorf, die bislang abgeblockt wurden, arbeiten.

ONETZ: Wie fördert der Bezirk sonst die Jugendarbeit?

Einige sind sehen es kritisch, dass das Bezirksauswahltraining (BAT) ein so großer Posten im Haushalt ist. Auch weil wir das BAT jetzt auch für Mädchen anbieten. Aber es bringt den Vereinen etwas. Auch weil die Vereinstrainer den Auswahlcoaches über die Schultern schauen können. Außerdem fördern wir den U18-Bezirkspokal und haben einen Jugendförderpreis, für den sich die Vereine mit Projekten bewerben können.

ONETZ: Bei all den Herausforderungen: Welche positive Entwicklungen beobachten Sie?

Natürlich gibt es auch viel Erfreuliches. Tirschenreuth etwa macht wieder Jugendarbeit. Auch in Burglengenfeld wird es zwei neue Jugendteams zur kommenden Saison geben, entstanden aus Aktionstagen des BBV. Initiativen mit hohem Anspruchsniveau wie die "kinder+Sport Basketball Academy" tragen nachhaltig Früchte. Und auch das olympisch gewordene "3on3" wird im Schul- und Vereinssport einen Aufschwung bringen.

ONETZ: Was hat der Bezirkstag in Neumarkt sonst für Erkenntnisse gebracht?

Vor allem, dass Neumarkt sehr gut dasteht (lächelt). Mit dem stellvertretenden Landrat Helmut Himmler und Kreisrat Günther Stagat, die sich sehr engagiert präsentiert haben, haben sie zwei Basketball-affine Politiker. Gerade wird eine neue Dreifach-Turnhalle gebaut, obwohl sie bereits zwei regionalligataugliche Hallen haben. Von solchen Verhältnissen können die meisten Standorte nur träumen.

Basketball-Bezirksvorsitzender Willi Merkl (rechts) gratuliert Jakob Burger, der das Trainerressort übernimmt.
Info:

Bezirkstags-Splitter

Anträge:

Der umstrittenste Punkt am Bezirkstag war die Anhebung der Schiedsrichterbezüge (Antrag TV Burglengenfeld). Die Delegierten votierten mit großer Mehrheit dafür, die Spielgebühren anzupassen – in der BOL von 28 auf 30 Euro pro Spiel, im Bezirkspokal von 20 bis 28 Euro auf konstant 28 Euro und für die übrigen Klassen von 20 auf 25 Euro. Die Erhöhung der Kilometerpauschalen bei der Anreise wurde dagegen einstimmig abgelehnt.

Der Antrag des TSV Schwandorf, dass Mini-Einhänge-Korbanlagen bezuschusst werden sollen, wurde nach kurzer Diskussion zurückgezogen. Der Bezirksvorstand versteht es aber als Arbeitsauftrag, die Vereine beim Ausloten von Finanzierungsmöglichkeiten zu unterstützen.

Neuer Trainerreferent:

Mit der Nachwahl von Jakob Burger zum Trainerreferenten schließt der BBB- Bezirk Oberpfalz seine Reihen. Der 22-Jährige übernimmt das vakante Ressort von Christian Scharf, der vergangenes Jahr ausschied. Der aus Landsberg am Lech stammende Sportökonomiestudent ist bereits Oberpfälzer Bezirksauswahltrainer und war zuletzt drei Jahre lang Nachwuchstrainer beim Bundesligisten medi Bayreuth.

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