01.12.2019 - 19:34 Uhr
NürnbergSport

Club am Tiefpunkt

Beim 1. FC Nürnberg brennt der Baum – und nicht etwa der Christbaum. Trotz weiß-goldenem Christkind-Sondertrikot ist nach dem peinlichen 0:2 gegen das Schlusslicht Wehen Wiesbaden von besinnlich-adventlicher Stimmung keine Spur mehr.

Der Wiesbadener Manuel Schäffler (rechts) chippt den Ball am Nürnberger Torwart Felix Dornebusch vorbei zum 1:0 für den bisherigen Tabellenletzten.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Grethlein sprach auf dem Weg in die Kabine das aus, was sich viele Fans des 1. FC Nürnberg nach der 0:2-Heimniederlage gegen das bisherige Schlusslicht SV Wehen Wiesbaden dachten: "So steigen wir ab." Nicht nur das Ergebnis, vor allem die 90-minütige Nicht-Leistung muss als neuer Tiefpunkt des Bundesliga-Absteigers gewertet werden. Das frühe 0:1 durch Manuel Schäffler (4.) wäre mit Wirkungstreffer nur unzureichend charakterisiert. Viel mehr war es ein kompletter Knockout für das ohnehin nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzende Nürnberger Team. Fehlpässe am laufenden Band, keine offensive Präsenz sowie sich aus der Verantwortung stehlende Führungsspieler wie Hanno Behrens, Johannes Geis oder Enrico Valentini brachten die Anhänger schon früh auf die Barrikaden. "Wir haben verdient verloren, da brauchen wir nichts schönzureden. Vielleicht ist der Kopf aktuell nicht frei, irgendetwas fehlt auf alle Fälle", sagte Geis nach der Partie. Der Neuzugang bildete mit Kapitän Behrens auf der Doppel-Sechs die Nürnberger Schaltzentrale, die so gut wie keinen Zweikampf für sich entschied. "Nach dem 0:1 hatten wir noch 85 Minuten Zeit, das Spiel zu drehen. Wir haben den Gegner schon dominiert und beherrscht, waren allerdings nicht zwingend genug und unsere zahlreichen Flanken hatten nicht die Qualität, damit sie hätten verwertet werden können", konstatierte Trainer Jens Keller nach seiner Heimpremiere.

Zu allem Überfluss patzte kurz nach dem Beginn der zweiten Hälfte auch noch die Not-Nummer-eins im Nürnberger Kasten. Felix Dornebusch eilte völlig unnötig aus seinem Kasten und wurde prompt von Daniel Kofi Kyereh aus gut 30 Metern per Heber überwunden (47.). "Da brauchen wir nicht drüber reden, das weiß unser Torwart selbst, dass das sein Fehler war", sagte Keller. Da der Club zwar etwas besser kombinierte, aber im Abschluss völlig wirkungslos und allgemein viel zu fehlerbehaftet auftrat, entlud sich nach Spielschluss der ganze Frust der Nürnberger Ultras. Als Keller seine Mannschaft nach dem Abpfiff in die Kurve führte, ergoss sich ein zehnminütiger Schwall an wüsten Beschimpfungen und Unmutsäußerungen über Mannschaft und Trainer. Die ließen dieses – bei aller sportlichen Brisanz – unwürdige Schauspiel regungslos über sich ergehen. "Man kann sich in der Kurve nicht nur nach Siegen feiern lassen. Wir müssen akzeptieren, dass bei den Fans in der derzeitigen Situation eine Missstimmung vorherrscht", sagte Keller. Er wollte den Fans mit dem Gang in die Kurve beweisen, "dass wir uns stellen und uns nicht einfach verpissen".

Nach dem Absturz auf den Abstiegs-Relegationsplatz will der Neu-Trainer von Druck für seine Akteure noch gar nichts wissen. "Ein Arzt, der am offenen Herzen operiert, oder ein Arbeiter, der am 25. eines Monats nichts mehr zum essen hat, diese Leute haben Druck. Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht und stehen auf der Sonnenseite des Lebens. Wer da der Situation nach Niederlagen nicht standhält, sollte seinen Vertrag kündigen und in einen anderen Berufsstand wechseln." Kellers Team muss nun zum VfB Stuttgart, ehe Holstein Kiel nach Nürnberg kommt und das Jahresfinale bei Dynamo Dresden wartet. In dieser Verfassung und personellen Besetzung geht es für den FCN nur mehr um Punkte gegen das "Worst-Case-Szenario", das bereits den FC Ingolstadt oder Eintracht Braunschweig ereilte: den "Durchmarsch" in die dritte Liga. Da hatte Aufsichtsrat-Boss Grethlein durchaus recht.

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