29.10.2019 - 00:05 Uhr
NürnbergSport

Collinas Liebeserklärung

Der Mann mit Glatze ist, obwohl längst im sportlichen Ruhestand, eine lebende Legende. Auf den Fußballfeldern der Welt hat er als Schiedsrichter Spuren hinterlassen. In Nürnberg ist Pierluigi Collina
(59) für sein Lebenswerk geehrt worden.

Ein Referee und der deutsche Lohn für seine bis heute unvergessenen Leistungen auf den Fußballfeldern der Welt: Der aus Bologna stammende Pierluigi Collina (59) schaut auf den Walter-Bensemann-Preis des Magazins "Kicker", der ihm in Nürnberg bei einer Galaveranstaltung überreicht wurde.
von Autor HOUProfil

Der Referee aus Bologna hat im Interview mit der Moderatorin Kathrin Müller-Hohenstein viel über Respekt und Anstand auf dem Rasen gesprochen. Doch im Gedächtnis wird ganz besonders bleiben, dass er seiner mit nach Nürnberg in die Tafelhalle gereisten Frau Gianna vor 500 Gästen eine Liebeserklärung machte. Nach Leuten wie Franz Beckenbauer, Uwe Seeler, Bert Trautmann, Günter Netzer, Alex Ferguson und Sir Bobby Charlton hat Schiedsrichter Pierluigi Collina den von der Deutschen Akademie für Fußballkultur jährlich vergebenen Walther-Bensemann-Preis erhalten. Bensemann hatte vor nahezu 100 Jahren das Magazin "Kicker"

gegründet.

Glatze, stechender Blick und nicht diskutable Weisungen sind bis heute unvergessen. Sie gerieten zu Collinas Markenzeichen. Keine Pfeife an der Pfeife. Vielmehr eine Respektsperon mit ständig präsenter Verantwortung auf dem Feld. "Kicker"-Herausgeber Rainer Holzschuh zählte auf: 240 Partien in der italienischen Serie A, 39 Champions-League-Einsätze, WM-Finale 2002, Uefa-Pokalendspiel 2004. Heute Chef der Fifa-Schiedsrichterkommission.

"Wenn er kam, wurde Autorität verströmt" sagte Holzschuh und stellte

fest: "Collina hat Maßstäbe gesetzt". Auch dann, als er Unterlegene wie Oliver Kahn "väterlich nach dem Abpfiff bei erlittener Niederlage tröstete". Ein Unbeirrbarer, ein Unantastbarer. "Keine Scheu vor Entscheidungen auf dem Rasen."

Der Italiener ging bereits als 17-Jähriger auf einen Schiedsrichterlehrgang. Seine unverwechselbare Art, Spiele zu leiten, hob ihn auf die Karriereleiter. Immer weiter nach oben führte der Weg.

Über viele Jahre und bis 2005 durch alle Stadien der Welt. "Du giltst als Vorbild", lobte Rainer Holzschuh. So viel Ehre war Collina fast peinlich. Doch dann erzählte er. Von den großen und den kleineren Partien. Und auch davon, wie er in Italien einmal zur Halbzeit nicht die Seiten wechseln ließ, "weil die Fanblöcke einander anfeindeten und ich die Torhüter gefahrlos spielen lassen wollte."

Was gab es heuer sonst noch bei der Nürnberger Fußball-Gala? Das Lokal "Stadion" in München wurde als Kultkneipe für Fans ebenso mit einem Preis bedacht wie der Spruch des Jahres. Die Trainerin Imke Wübbenhorst (TV Cloppenburg) hatte in einem Interview zum Reporter genervt gesagt:

"Ich bin Profi. Ich stelle nach Schwanzlänge auf". Eine frivole Feststellung, die sich wohl mehr auf die zu Pferdeschwänzen gebundenen Haare ihrer Spielerinnen bezog. Nationaltorhüterin Almuth Schult überreichte die Trophäe. Anerkennung und Preisgeld bekam der FC Aleviten Paderborn für sein Jugendprojekt "Fußballbrücke Europa".

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.