06.03.2020 - 23:28 Uhr
NürnbergSport

Vor Hannover-Spiel: Drohungen gegen Club-Spieler

Bis zur Pressekonferenz waren Spieler wie Zuschauer ratlos ob der desolaten Vorstellung des 1. FC Nürnberg beim 0:3 gegen Hannover 96. Ein erschütterter Trainer Jens Keller brachte letztlich Licht ins Dunkel.

Das darf doch nicht wahr sein: Hannovers Timo Hübers (Dritter von links) bejubelt seinen Treffer zum 1:0, den die Nürnberger Michael Frey (links) und Patrick Erras (Vierter von links) nicht verhindern konnten.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Bei der 0:3-Heimniederlage gegen Hannover 96 bot der 1. FC Nürnberg eine desolate Leistung. Lange Zeit waren Spieler und Fans ratlos, wie dieser plötzliche Leistungseinbruch – nach zuletzt durchaus ansehnlichen Darbietungen – zu erklären ist. Erst Trainer Jens Keller brachte auf der Pressekonferenz Licht ins Dunkel: "Es ist eine schwierige Situation für uns, wenn man bedenkt, was im Vorfeld dieses Spiels abgelaufen ist. Es ist Wahnsinn, in welcher Welt wir mittlerweile leben, und was man mitmachen muss, wenn man in der Öffentlichkeit steht", sagte Keller zunächst noch etwas kryptisch.

Erst Pressesprecher Christian Bönig klärte die Aussagen seines Trainers anschließend auf: "Es gab im Vorfeld dieser Partie am heutigen Tag im Umfeld des Stadions und des Trainingsgeländes Drohungen gegen Spieler aus unserem Kader." Am Freitagmorgen waren Aufkleber in DIN-A4-Größe vorgefunden worden, auf denen "relativ deutliche Drohungen" gegen zwei Spieler aus dem FCN-Kader formuliert waren. "So wie diese Drohungen formuliert waren, mussten wir die Polizei einschalten. Das war alternativlos", sagte Sportvorstand Robert Palikuca. Offenbar war die zuletzt gezeigte Leistung der beiden angegriffenen Spieler Ursache für die Drohungen. "Das kann ich aufgrund unserer zuletzt gezeigten Spiele überhaupt nicht nachvollziehen", sagte Keller. Die beiden betroffenen Spieler, die aus ermittlungstaktischen Gründen nicht genannt werden konnten, wussten über die Vorfälle bescheid, "wollten aber dennoch auflaufen", wie Bönig weiter ausführte. Der Rest der Mannschaft war zunächst nicht eingeweiht, allerdings wusste Trainer Keller nicht, "wie die Kommunikation da innerhalb der Mannschaft ist".

Mehr Informationen zu den Drohungen gegen Spieler des 1. FC Nürnberg

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Aktuell haben weder Verein noch Polizei Erkenntnisse, wer hinter diesen Droh-Plakaten stecken könnte. Während des Tages hatten unter anderem die Nürnberger Ultras geholfen, "die weit über 50 Plakate" zu entfernen, damit "der normale Fan auf dem Weg zum Stadion nichts davon mitbekommt" (Bönig). Nach Informationen der „Bild“ wurden auf den Droh-Plakaten auch die Privatadressen der beiden Spieler öffentlich gemacht. Laut „nordbayern.de“ will der Club mit sofortiger Wirkung auf öffentliche Trainingseinheiten verzichten.

Trainer Jens Keller musste die desolate Leistung Green die Niedersachsen dennoch sachlich beurteilen, wusste jedoch nicht einzuschätzen, "welchen Einfluss die Vorfälle hatten". Der Vollständigkeit halber: Hannover 96 gewann nach Toren von Timo Hübers (17.), Linton Maina (27.) und Hendrik Weydandt (90.) hochverdient, während der Club eine gnadenlos enttäuschende Leistung ablieferte, die nur schwer erklärbar war – bis zur Pressekonferenz.

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