05.07.2019 - 19:52 Uhr
NürnbergSport

Kicker-Redakteur Harald Kaiser erzählt über Beckham, Lahm und Matthäus

Im Beruf erlebt man oft Situationen, die nicht alltäglich sind. Umso spannender sind sie, wenn die Protagonisten Beckham, Lahm und Maradona heißen. Kicker-Reporter Harald Kaiser hat seine Erlebnisse in „Ronaldo, Matthäus & ich“ festgehalten.

"Mit dem rechten Fuß schießt er etwas genauer." Das wusste Harald Kaiser vom Vater des Torschützen Andreas Brehme (links). Der Fußballer bewies es, als er im WM-Finale 1990 im Olympiastadion von Rom gegen Argentinien einen Handelfmeter verwandelte. Mit Teamkollege Jürgen Klinsmann (rechts) führte der Sportjournalist einige Monate zuvor ein eher kompliziertes Interview.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Bayerns Präsident Uli Hoeneß sitzt mit dem späteren Außenminister Joschka Fischer an einem Tisch und diskutiert über überzogene Spielergehälter. Der ehemalige FCN-Trainer Hans Meyer beordert den Kicker-Journalisten zur Videoanalyse und der damalige Trainer vom FC Aberdeen, ein gewisser Alex Ferguson, gibt ein Interview, über das nie eine Zeile erscheint. 36 Jahre stand der Sportjournalist Harald Kaiser im Dienste des kicker, des wichtigsten deutschen Sportmagazins. Da hat er natürlich viel erlebt, vor allem auch abseits des Rasens. 23 launige, teils überraschende und nachdenkliche, kurze Geschichten hat er nun in einem Buch zusammengetragen. „Ronaldo, Matthäus & ich – Mein Leben als kicker-Reporter“ gewährt einen kleinen Einblick hinter die Kulissen.

ONETZ: Herr Kaiser, Sie haben Cristiano Ronaldo und Lothar Matthäus in Ihrem Buchtitel verewigt. Haben sich die zwei bei Ihnen schon gemeldet?

Harald Kaiser: Die beiden haben noch nicht angerufen (lacht). Aber es ist schon so, dass ich einigen Hauptfiguren meines Buchs eine SMS geschrieben habe. Felix Magath hat sich zum Beispiel zurückgemeldet. Er will das Buch demnächst lesen.

ONETZ: 23 kleine Geschichten aus 36 Jahren beim Sportmagazin kicker. Was ist Ihre Lieblingsepisode?

Harald Kaiser: Es sind Geschichten wie die über Cristiano Ronaldo. Er hat mich positiv überrascht, weil er nicht so abgehoben ist, wie sein Image über ihn glauben lässt. Beim ehemaligen Bayernspieler Lucio, mit dem ich ein Interview auf Spanisch geführt habe, weil der Dolmetscher damals kurzfristig abgesagt hat, ist mir bewusst geworden, wie wichtig Sprachen sind. Wir sind uns seit diesem Gespräch wirklich näher gekommen, auch wenn seine Muttersprache Portugiesisch ist.

36 Jahre lang hat der Sportjournalist Harald Kaiser rund 1500 Fußballspiele für den Kicker gesehen, analysiert und darüber geschrieben. Seine Erinnerungen an eine spannende Zeit hat er nun im Buch "Ronaldo, Matthäus & ich - Mein Leben als kicker-Reporter" festgehalten.

ONETZ: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, aus Ihren vielen Erlebnissen als Sportreporter ein Buch zu schreiben?

Harald Kaiser: Die Idee ist schon über Jahre beim kicker gereift. Im Buch erzähle ich Anekdoten, die es so nie oder sehr selten in die normale Berichterstattung geschafft haben. Nach meinem Ausscheiden hatte ich endlich die Zeit, jene Erlebnisse abseits des Rasens aufzuschreiben. Hinzu kommt, dass der Fußball und sein Umfeld immer schnelllebiger werden. Vielleicht kennt man in fünf Jahren einen Michael Ballack schon kaum mehr. Bevor es zu spät ist, wollte ich genau die Geschichten, die mir am Herzen liegen, festhalten.

ONETZ: Sie haben etwa 1500 Spiele für den Kicker gesehen, analysiert und darüber geschrieben. Sie waren Berichterstatter bei zehn Europa- und Weltmeisterschaften. Wie haben sich der Fußball und das dazugehörige Geschäft in den vergangenen 15 bis 20 Jahren verändert?

Harald Kaiser: Es ist vor allem die Art und Weise im Umgang zwischen Journalisten und Vereinen beziehungsweise den Spielern. Heute versuchen Vereine, ihre Schützlinge vor den Medien regelrecht abzuschotten. Informationen sollen über die eigenen Kanäle ausgespielt und kontrolliert werden. FC Bayern.tv ist ein gutes Beispiel. Es ist schwieriger geworden, als Journalist einen echten Kontakt zu den Profis herzustellen. Früher war es möglich, einen halben Tag lang mit einem Bayernspieler zu verbringen und danach ein Interview zu schreiben. Heute liest und autorisiert der Spieler das Stück selten selbst, das macht ein Pressemann aus dem Verein.

ONETZ: Was ist der Grund?

Harald Kaiser: Es sind viel mehr Journalisten unterwegs. 1986 standen bei der Meisterschaft der Bayern etwa sechs oder sieben Berichterstatter im Kabinengang. Heute berichten 60, 70 schreibende Journalisten von den Bundesligaspielen in der Allianz Arena, die würden gar nicht mehr alle in den Kabinengang passen (lacht). Vor allem aber konnte man früher Interviews führen, die nicht wie heute vor der Veröffentlichung autorisiert oder besser zensiert wurden.

ONETZ: In Ihrem Buch geht es aber auch um ein kompliziertes Interview mit Jürgen Klinsmann im Jahr 1989. Da ist wohl auch schon fleißig in Texten gestrichen worden?

Harald Kaiser: Das war das erste Mal, dass ich so etwas erlebt habe. Es war die Zeit, in der in den Medien beinahe täglich spekuliert wurde, ob Klinsmann den VfB Stuttgart verlässt. Er war ein Vorreiter in dieser Hinsicht.

ONETZ: Nach Ihrem Ausscheiden beim Kicker und aus dem Buch liest man es heraus: Privat halten Sie es mit dem 1. FC Nürnberg. Wie glauben Sie, geht es nach dem Abstieg in die 2. Liga mit den Franken weiter?

Harald Kaiser: Es hat schon Club-Abstiege gegeben, nach denen es in sportlicher und finanzieller Hinsicht schlechter aussah. Der 1. FC Nürnberg wird vom neunten Abstieg nicht so sehr ins Mark getroffen. Ich denke, dass sich wichtige Teile der Mannschaft zusammenhalten lassen. Eine zentrale Figur ist Hanno Behrens – ein Kapitän, wie ihn der Club seit langem nicht mehr hatte.

ONETZ: Wie stehen die Chancen für die Franken gleich wieder aufzusteigen?

Harald Kaiser: Sie können es schaffen, gehören aber nicht zu den Top-Favoriten. Das sind für mich der HSV, Hannover 96 und zu allererst der VfB Stuttgart, sollte er in der Relegation unterliegen.

Info:

Harald Kaiser: Ronaldo, Matthäus & ich: Mein Leben als kicker-Reporter. Verlag Die Werkstatt, 160 Seiten, 19,90 Euro.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.