18.12.2020 - 10:30 Uhr
PlößbergSport

Sponsor und Ideengeber: Stefan Ziegler will die Blue Devils in die DEL2 bringen

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Sport ohne Sponsoring? Für Stefan Ziegler undenkbar. Der Gesellschafter der Ziegler Group hilft Sportvereinen, wo es ihm möglich ist. Ein Hauptprofiteur sind die Blue Devils. Mit ihnen will er nach oben. Wie weit, verrät er im Interview.

Die Holzverarbeitung ist das Kerngeschäft der Ziegler Group. Geschäftsführender Gesellschafter Stefan Ziegler will den wirtschaftlichen Erfolg des breit aufgestellten Unternehmens nutzen, um den regionalen Sport zu unterstützen. Ein Hauptprofiteur sind die Blue Devils Weiden. Der Aufstieg in die DEL2 ist fest eingeplant.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

ONETZ: Herr Ziegler, angenommen Sie hätten die Wahl, sich entweder ein hochklassiges Fußballspiel oder ein Spiel der Blue Devils anzuschauen. Für was würden Sie sich entscheiden?

Stefan Ziegler: Immer für das Spiel der Blue Devils. Die Begeisterung für das Eishockey hat einen Hintergrund. Vor zwei Jahren habe ich gemerkt, dass dass ich mit meinem damals zehnjährigen Sohn bislang viel zu wenig unternommen habe. Da habe ich ihm gesagt: Wir fahren jetzt jeden Freitag oder Sonntag zum Eishockey nach Weiden und am Samstag zu Heimspielen des FC Bayern. Einfach, um regelmäßig vier, fünf Stunden mit ihm gemeinsam Zeit zu verbringen. Das blieb nicht ohne Wirkung. Mittlerweile habe ich so richtig mein Herzblut für die Blue Devils entdeckt.

ONETZ: Aber Sie haben auch schon früher Spiele der Blue Devils besucht?

Stefan Ziegler: Ja, seit 2016 habe ich ab und zu mal die Derbys verfolgt, zum Beispiel gegen Selb oder Regensburg. Aber zu der Zeit habe ich die Regeln überhaupt nicht verstanden und mir gedacht: Das ist doch kein Sport für mich. Aber, wie gesagt, das hat sich geändert. In der Saison 2016/17 habe ich das erste Mal etwas gegeben, dann das Sponsorenpaket jedes Jahr ausgebaut, bis ich dann letzte Spielzeit zum Hauptsponsor aufgestiegen bin. Mittlerweile bin ich ja Beiratsmitglied und Gesellschafter in der Spielbetriebs-GmbH.

ONETZ: Sie sind ein Plößberger, haben beim SV Plößberg als Kind Fußball gespielt. Was bedeutet der Sport grundsätzlich für Sie?

Stefan Ziegler: Sport hat seit jeher eine besondere Bedeutung für mich. Ich bin ein begeisterter Läufer, mache vier- bis fünfmal Sport in der Woche. Mir gefällt vor allem der Mannschaftssport, das Zusammengehörigkeitsgefühl dort. Auch weil alle gesellschaftlichen Schichten auf einem Level zusammentreffen, da lernt man soziales Verhalten.

ONETZ: Sie unterstützen den Sport in vielfältiger Weise. Nun bauen Sie dieses Engagement erheblich aus. Was sind die Gründe?

Stefan Ziegler: Das Problem ist, dass immer weniger der großen Firmen in der Region gemeinnützig dem Sport Unterstützung zukommen lassen. Ich habe deshalb vor zwei Jahren die Entscheidung für mich getroffen, dass ich alles in meiner Macht Stehende für den Sport machen will. Egal ob Fußball, Eishockey, Tennis, einfach für alle, die sich schwertun, an Hilfe zu kommen. Deswegen sind wir als Ziegler Group dazu übergegangen, uns hauptsächlich um den Sport zu kümmern.

ONETZ: Es geht Ihnen aber nicht nur um den Dorfverein, sondern, wie man bei den Blue Devils sieht, auch um Ankerpunkte des regionalen Sports ...

Stefan Ziegler: Ja, genau. Unternehmen unterstützen meist ja nur die Vereine in ihrer jeweiligen Gemeinde. Das Überregionale, die Gemeinschaft nördliche Oberpfalz, fehlt bei der Sportförderung durch unsere Wirtschaft komplett. Das hat natürlich auch Gründe. Wenn Firmen nicht mehr inhabergeführt sind, an Investoren verkauft werden, dann stirbt meist auch das soziale Engagement. Diese Entwicklung ist schade. Mir gibt der Sport jedenfalls mehr zurück als ich ihm gebe.

ONETZ: Ihr Schwerpunkt liegt bei den Blue Devils. Wie kam es dazu, dass Sie in die Spielbetriebs-GmbH mit eingestiegen sind?

Stefan Ziegler: Als ich am Anfang mit meinem Sohn die Spiele der Blue Devils besucht habe, gab es schon mal die eine oder andere Packung durch den Gegner. Da habe ich zu Moritz gesagt: So können wir nicht weitermachen, da müssen wir was verändern, einen Businessplan erstellen, ein Ziel formulieren. Deswegen habe ich den Verantwortlichen der Blue Devils den Vorschlag gemacht, dass ich in die Spielbetriebs-GmbH mit einsteige. Im Beirat war ich schon vorher. Damit hat die Sportliche Leitung auch direkt die Rückendeckung durch unsere Firmengruppe.

ONETZ: Und was wollen Sie in dem Gremium bewirken?

Stefan Ziegler: Die Blue Devils sind eine Eishockeymannschaft, die in einer attraktiven Liga in etwa im unteren Drittel angesiedelt ist. Da lautet die Frage: Wie bringen wir den Verein weiter nach vorne? Dazu muss man aber erst einmal den Eishockeysport kennenlernen. Wie sind die Strukturen? Wo sind die Hebel? In erster Linie geht es darum, hier die richtigen Antworten zu finden, ohne unbedingt jedes Mal sein finanzielles Engagement aufzustocken. Natürlich kann man in gewissem Maße Erfolg kaufen. Aber ich will den Erfolg bei den Blue Devils auf vernünftige Weise schaffen, ohne die Spardose unserer Firmengruppe aufzumachen.

ONETZ: Das Weidener Eishockey hat in den letzten Jahren stagniert. Das Erreichen der Play-offs war das Höchste der Gefühle. Was sind konkret die sportlichen Ziele?

Stefan Ziegler: Das Ziel ist der Aufstieg in die DEL2, der wird auch kommen. Definitiv. Da gibt es keinen Zweifel.

ONETZ: Es existiert ein Papier, das sich "Vision 2025" nennt. Ist diese Jahreszahl ein ungefährer Anhaltspunkt?

Stefan Ziegler: Das ist das grobe Ziel. Ob es zwei, vier oder sechs Jahre werden bis zum Aufstieg, das kann ich heute noch nicht sagen. Es ist wie bei allen Firmen, die ich bislang übernommen oder gegründet habe: Ich muss mich erst einarbeiten, mir einen genauen Überblick verschaffen, wo die Baustellen sind, welches Invest wir brauchen. Corona macht die Sache aktuell nicht unbedingt leicht. Was ich aber sagen kann: Es wird auf jeden Fall ein langfristig nachhaltiger Erfolg bei den Blue Devils eintreten.

ONETZ: Ist die Installation eines Sportlichen Leiters ein Thema? Aktuell hat ja Trainer Ken Latta auch diese Aufgabe zu bewältigen ...

Stefan Ziegler: Die Art und Weise, wie Ken Latta praktisch in Doppelfunktion die Aufgaben eines Trainers und eines sportlichen Leiters bewältigt, verdient allerhöchsten Respekt und ist im Moment genau richtig für den Verein. Wenn wir unseren sportlichen Zielen in Form eines Aufstiegs in die DEL2 nähergekommen sind, ist es sicherlich so, dass man die Position eines sportlichen Leiters diskutieren muss, um zum einen den Trainer zu entlasten und zum anderen den Verein den Anforderungen der Profiliga entsprechend aufzustellen. Aber der Mann muss dann auch zum gesamten Verein passen, ein absoluter Experte sein. Was dann möglich ist, sieht man in Straubing. Die haben mit Jason Dunham viel Kompetenz und das Ergebnis ist, dass sie in der DEL vorne mitspielen. Straubing ist auch nicht viel größer als Weiden.

ONETZ: Setzen Sie bei der Verwirklichung der sportlichen Ziele auch auf die Mithilfe weiterer Geldgeber?

Stefan Ziegler: Es gibt mehrere Säulen, auf denen das Ganze aufgebaut werden wird. Ich kann zu einigen Dingen noch nichts sagen, da sie vertraglich noch nicht fixiert sind. Es wird einen zusätzlichen Baustein geben, den ich mit einbringen werde. Natürlich hoffen wir, dass das eine oder andere Unternehmen in der Region mit dazu stößt. Es sind diese Saison ja schon einige dazugekommen.

ONETZ: Wird es im Umfeld der Blue Devils zusätzliche Investitionen geben, die nicht direkt die Mannschaft betreffen? Stichwort: Um- und Neubauten, Nachwuchsabteilung?

Stefan Ziegler: Es gibt schon etwas, das ich machen will. Das Problem ist aber, dass noch nichts unterschrieben ist. Deshalb kann ich zu manchen geplanten Maßnahmen noch nichts sagen. Wir sind auch dabei, eine Jugendförderung, eine Art Sportinternat zu entwickeln. Eine Idee ist, dass die berufliche Ausbildung bei der Ziegler Group und die sportliche bei den Blue Devils Hand in Hand gehen. Ich renne aktuell in viele Richtungen und hoffe, dass es bei einigen so funktioniert, wie ich mir das vorstelle.

ONETZ: Zurück zu den sportlichen Ambitionen: Wo sehen Sie die Blue Devils in der DEL2, wenn es mit dem Aufstieg klappt?

Stefan Ziegler: Finales Ziel muss irgendwo das Mittelfeld in der DEL2 sein. Nur gegen den Abstieg zu spielen, kann's nicht sein. Da spielen wir lieber in der Oberliga und gewinnen. Aber eines steht auch fest: Selbst wenn wir vorne mitspielen würden, wird es keinen weitergehenden Aufstieg in die DEL geben können. Da fehlt einfach die Infrastruktur, das funktioniert nicht. Da bin ich Realist.

Ziegler Group investiert in Fertighausproduktion

Tirschenreuth

ONETZ: Der 1. EV Weiden hat ja schon einmal in der 2. Bundesliga gespielt. Das Abenteuer endete in einem finanziellen Fiasko und mit dem Rückzug in die Landesliga...

Stefan Ziegler: Diese Gefahr sehe ich überhaupt nicht. So etwas steht nicht zur Debatte. Wenn wir in die DEL2 hochgehen, dann muss das Budget komplett passen. Die Kunst besteht darin, aus den Einnahmen und Ausgaben den bestmöglichen Erfolg zu erzielen. So wie ich es bei meinen Firmen auch mache. Das schaffe ich, da bin ich mir sicher.

ONETZ: Sie schaffen offensichtlich vieles. So mancher reibt sich angesichts der Millioneninvestitionen der Ziegler Group in der Region die Augen. Verraten Sie uns doch bitte das Geheimnis ihres Erfolgs ...

Stefan Ziegler: Wichtig ist zu erkennen, wie sieht die Zukunft in zwei, drei Jahren aus. Ich überlege den ganzen Tag, wo können Probleme entstehen, was muss ich machen, damit das Problem nicht entsteht. Der Erfolg zählt, wobei ich gegenüber materiellen Gütern wie Geld keinerlei Emotionen habe. Mein Ziel ist es, dass die Firmen erfolgreich sind. Ein wichtiger Baustein dafür sind meine Mitarbeiter. Sie stehen zu 2000 Prozent hinter dem Unternehmen. Natürlich haben wir das Glück, dass wir mit dem wunderschönen Naturstoff Holz arbeiten. Wir schwimmen aktuell auf einer Welle des ökologischen Bauens, der Nachhaltigkeit und haben den höchsten Auftragsbestand der Firmengeschichte.

ONETZ: Die SpVgg SV Weiden hat vor einigen Monaten die Ziegler Group als Sponsor vorgestellt. Haben Sie auch für den Weidener Fußball große Pläne?

Stefan Ziegler: Der Einstieg bei der SpVgg SV Weiden ist da. Es gibt auch einen längerfristigen Plan. Das Konzept mit dem Nachwuchsleistungszentrum, den neuen Kunstrasenplätzen und Funktionsgebäude gefällt mir. Ich finde es super für die Jugend, die damit eine Anlaufstelle hat. Die SpVgg SV ist ein zweiter Baustein, den ich im Großraum Weiden unterstützen werde.

ONETZ: Sind die Fahrten in die Allianz-Arena damit kein Thema mehr?

Stefan Ziegler: Bevor ich zum FC Bayern München fahre, schaue ich künftig lieber Eishockey oder Fußball in Weiden. Das ist familiärer, man trifft Leute und unterhält sich. Außerdem gewinnt der FC Bayern in der Regel sowieso. In Weiden ist das anders. Da freust du dich riesig, wenn tatsächlich ein Sieg herausspringt.

ONETZ: Es gibt ja genügend Beispiele dafür, dass Vereine mit Hilfe potenter Sponsoren zu Höhenflügen ansetzen, die dann mit einer schmerzhaften Bauchlandung enden. Schließen Sie das für ihre Engagements aus?

Stefan Ziegler: Ja, das tue ich. Ein Chaos wird es nicht geben. Dazu hänge ich zu sehr am Sport, an den Vereinen und an der Jugend in der Region. Was ich anpacke, ist auf Langfristigkeit angelegt. Wegen ein, zwei Jahren würde ich das nicht machen. Es ist auch so geregelt, dass, wenn mir theoretisch etwas passieren würde, die Ziegler Group weiterhin bei den Sportvereinen tätig sein muss.

Hintergrund:

Die Ziegler Group im Überblick

Die Ziegler Group ist ein global agierendes Unternehmen mit Hauptsitz in Plößberg/Oberpfalz.

  • Zum Kerngeschäft zählt die Holzverarbeitung. In sechs Jahrzehnten hat sich das Sägewerk Ziegler zu einem der größten Betriebe seiner Art in Europa entwickelt.
  • Neben der Holzverarbeitung in Plößberg, Pressath und Hermsdorf gehören zur Firmengruppe auch die Unternehmenssparten Logistik, Maschinenbau, Forstwirtschaft, Dekoration und Fertighausbau mit mehreren Standorten.
  • Mit rund 1500 Mitarbeitern ist das Unternehmen einer der größten Arbeitgeber der Region.
  • Stefan Ziegler ist geschäftsführender Gesellschafter. Der 40-Jährige ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

 

 

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