30.03.2020 - 16:52 Uhr
Poppenreuth bei WaldershofSport

Coronakrise: Einreisestopp für tschechische Amateurfußballer

Rund 35 Kilometer sind es von Poppenreuth im Kreis Tirschenreuth zur tschechischen Grenze. Der Sportverein aus der Bezirksliga Oberfranken Ost setzt fast nur auf Akteure aus dem Nachbarland. Die dürfen nun nicht mehr ein- und ausreisen.

Wann die fast ausnahmslos tschechischen Akteure des SV Poppenreuth wieder einreisen und ihre Tore bejubeln dürfen, ist, wie so vieles im Sport in diesen Tagen, äußerst ungewiss.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Seine Mutter arbeitet im tschechischen Verteidigungsministerium, von daher ist Vaclav Peroutka zumeist bestens informiert. Der Trainer des SV Poppenreuth aus der Bezirksliga Oberfranken Ost steht aufgrund der Coronakrise derzeit vor einer immensen Herausforderung. 13 Spieler aus dem Bezirksliga-Kader stammen aus dem Nachbarland. "Etwa 75 Prozent unserer Spieler arbeiten oder studieren in Deutschland. Aber 50 Prozent wohnen in Tschechien", rechnet der 32-Jährige, der selbst in Bayreuth lebt, vor. Aufgrund des Ein- und Ausreisestopps im Nachbarland ist es nur mehr Pendlern im Gesundheitswesen erlaubt, nach Deutschland einzureisen. Wer dennoch nach Deutschland muss, dem wird von der tschechischen Regierung empfohlen, sich dort für längere Zeit eine Unterkunft zu suchen. Rückkehrer nach Tschechien müssen zudem umgehend in eine zweiwöchige Quarantäne.

"Die Maßnahmen in Tschechien sind sehr streng und scharf. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Amateurfußballer in zwei oder drei Wochen wieder pendeln dürfen oder Ausnahmegenehmigungen erhalten. Vielmehr gehe ich davon aus, dass die strikten Maßnahmen in Tschechien bis Ende Mai verlängert werden." Das wäre keine gute Nachricht für alle bayerischen Amateurmannschaften von Selb bis Passau, die tschechische Spieler in ihren Reihen haben. Poppenreuths Spielleiter Reinhard Glatz malt ein gar düsteres Bild: "Wenn's so kommt, wird's kritisch. Wir stünden vor großen Problemen. Zwar könnten wir eine Mannschaft mit einheimischen Spielern aufbieten, die wäre in der Bezirksliga aber nicht konkurrenzfähig." Die zweite Garnitur des SVP kickt aktuell in der A-Klasse, während die "Erste" auf Platz sechs zwar zehn Zähler Rückstand auf den Zweitplatzierten SSV Kasendorf hat, aber noch zwei Nachholspiele in der Hinterhand hätte.

Auch der SV Etzenricht hat in der Coronakrise seine Probleme zu bewältigen

Etzenricht

Peroutka hat seinen Spielern "drei bis vier Läufe" pro Woche verordnet, die er mittels Brustgurt und App überwacht und auswertet. Da es "keine verlässlichen Informationen" gibt beziehungsweise geben kann, wann und wie es weitergeht, plädiert der Poppenreuther Trainer für einen harten Schnitt. "Ich kann mir praktisch nicht vorstellen, in drei oder vier Wochen wieder Fußball zu spielen. Im Juli soll aber bereits die neue Saison starten, das ist unmöglich. Von daher wäre ich dafür, die aktuelle Spielzeit zu annullieren." Der tschechische Spielertrainer weiß, dass diese Regulierung "vielleicht für manche unfair" erscheinen mag. "Für abgeschlagene Teams wäre es der Jackpot, Aufstiegskandidaten zählten eher zu den Verlieren", wägt Peroutka ab. Aber sein Schlusswort wiegt jede mögliche Unfairness in seiner Kalkulation wieder auf: "Wir sind Amateurfußballer. Klar ist Fairplay wichtig, aber die Gesundheit ist doch wichtiger."

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