Deutschland und die Welt
25.11.2018 - 23:09 Uhr

Die primitivste Lösung

Bayern-Trainer Niko Kovac ist angezählt. Es scheint wieder der alte Mechanismus zu greifen: Der Trainer trägt die Hauptschuld. Beim FC Bayern ist es dieses Mal aber ganz anders, meint unser Sportreporter Josef Maier.

Bayern-Trainer Niko Kovac war nach dem Spiel gegen Düsseldorf stinksauer. Bild: Matthias Balk/dpa
Bayern-Trainer Niko Kovac war nach dem Spiel gegen Düsseldorf stinksauer.

Klar, der Trainer ist schuld. Mittlerweile verschließt sich auch Uli Hoeneß dem Reflex der Branche nicht mehr. Niko Kovac trägt die Hauptschuld an der Misere der Bayern.

Klar, der Trainer ist schuld. Er stellt Franck Ribéry auf, der sich ständig verdribbelt und kaum noch an den Gegenspielern vorbeikommt.

Klar, der Trainer ist schuld, wenn Niklas Süle vor dem ersten Düsseldorfer Tor nicht zum ersten Mal verträumt durch den Strafraum läuft.

Klar, der Trainer ist schuld, wenn Jérôme Boateng zum x-ten Male orientierungslos im luftleeren Raum steht und locker überspielt werden kann.

Klar, der Trainer ist schuld, wenn Robert Lewandowski, selbst ernannter europäischer Top-Stürmer, das leere Tor aus fünf Metern nicht trifft.

Geradezu absurd ist der Vorwurf, der Trainer verpasse dem Team keinen eigenen Spielstil. "Wenn wir das umgesetzt hätten, was der Trainer vorgegeben hat, hätten wir 5:0 gewonnen", sagte Manuel Neuer. Es geht nicht um irgendwelche Systeme, es geht um Grundsätzliches: Wille, geistige Frische, Verteidigen - das Fußball-ABC.

Mittlerweile erscheint auch die Entlassung Carlo Ancelottis vor gut einem Jahr in einem anderen Licht. Der hatte vorher mit Chelsea, Paris und Real Riesenerfolge. Jetzt macht der Italiener in Neapel wieder einen tollen Job. Der Verdacht liegt nahe, dass den Münchener Stars nicht jeder Trainer genehm ist.

Es wird sich zuletzt alles auf die Person Niko Kovac kanalisieren. Eines ist aber ganz klar: Den Bayern-Trainer trifft die geringste Schuld.

 
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