Seinen allerersten Werbedeal als Trainer hat sich Jürgen Klopp quasi erbettelt - und noch nicht mal Geld dafür bekommen. „Als Trainer von Mainz wollte keiner einen Vertrag mit mir abschließen, das Interesse der Ausrüster war unter Null. Da hab ich gedacht, dann möchte ich wenigstens die Klamotten anziehen, die mir am besten gefallen“, erzählte Klopp einmal in einem „Tagesspiegel“-Interview: „Das war Nike, die Sachen fand ich cool. Also bin ich hin, sagte, Kohle will ich nicht. Alles gut. Genau so hat es angefangen.“
Wie es sich entwickelt hat, kann kaum jemand übersehen: Ob Getränke, Versicherungen, Dübel, Autos, Banken, Schokoriegel, Sportausrüster, Urlaubsportale, Gesichtspflege, Elektrofachhandel - der stets breit grinsende Klopp war und ist das Gesicht vieler Unternehmen und hat damit sehr viel Geld verdient. „Ein Trainer als menschgewordene Werbebande“, schrieb der „Spiegel“.
Konflikt-Potenzial bei Klopps Sponsorendeals
Wie passt eine solche Zuschreibung zu einem, der sich selbst mal als „The Normal One“ bezeichnet hat? Und vor allem: Wie passt sie zum Job als Bundestrainer? Die Rolle als Markenbotschafter von Red Bull passt nach Meinung vieler jedenfalls nicht dazu, schon gar nicht an der Seitenlinie.
Doch der medial verbreitete Lösungsansatz, Klopp könne auch als Bundestrainer RB-Markenbotschafter bleiben, ist nach „Kicker“-Informationen kein Verhandlungspunkt des Getränke-Unternehmens, bei dem Klopp noch als Head of Global Soccer unter Vertrag steht, mit dem DFB.
Auch ohne diese pikante Botschafterrolle sind Klopps Sponsorendeals als kommender Bundestrainer aber nicht ohne Brisanz. Einige Werbe-Partnerschaften des designierten Nachfolgers von Julian Nagelsmann bergen Konflikt-Potenzial, da die Firmen in Konkurrenz zu offiziellen Sponsoren des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) stehen.
Was ist, wenn der DFB demnächst dem Bier-Sponsor Bitburger einen Werbespot mit Klopp ermöglichen will, dieser dann aber wie zurzeit für den Brauerei-Konzern Anheuser‑Busch wirbt? Die Antwort darauf steht vermutlich im auszuhandelnden Vertrag zwischen Verband und Trainer. Mit Aussagen dazu halten sich alle Parteien aktuell zurück.
Ärger mit neuem DFB-Ausrüster Nike wird es nicht geben
„Im Zweifel werden sich aber Lösungen finden lassen“, sagte Paul Lambertz, Fachanwalt für Sportrecht, dem „Spiegel“. Er ist Experte für die Ausgestaltung von Sponsoringverträgen im Sport und meint: „Ein individueller Sponsor von Jürgen Klopp wird sich gut überlegen, ob er ihn auf Schadensersatz verklagen will, sollte er vertragsbrüchig werden.“
Ein potenziell riesiges Problem löst sich durch die Vertragslaufzeit von selbst auf: Klopps Zeit als Markenbotschafter von Adidas endet nach dieser WM. So muss der neue DFB-Ausrüster Nike, der ab 2027 pro Jahr kolportierte 100 Millionen Euro an den Verband zahlt, nicht intervenieren.
Darum ist Klopp als Werbefigur so beliebt
Aber warum wollen alle mit Klopp Werbung machen? „Er wirkt authentisch, kommunikativ und nahbar. Er schafft es, Menschen emotional zu erreichen, ohne dabei inszeniert zu wirken“, sagte Marketing-Experte Felix Murbach der Deutschen Presse-Agentur. „Nicht seine Bekanntheit macht ihn für Marken so wertvoll, sondern das Vertrauen, das er sich über viele Jahre erarbeitet hat.“ Davon kann natürlich auch der DFB profitieren - mit Klopp als Aushängeschild dürften sich die Sponsoren-Verhandlungen einfacher gestalten.
Dabei sei es anfangs nie das Ziel gewesen, „Jürgen Klopp als Marke aufzubauen“, hatte dessen Berater Marc Kosicke einmal der „Welt“ gesagt: „Es geht um geleistete Arbeit und die Persönlichkeit, die man hat. Sportlicher Erfolg ist die Grundlage für eine gute Vermarktung.“
Neben dem Erfolg punktet „Kloppo“ auch mit seinem Charisma. Viele Fans sehen in ihm einen witzigen Sympathieträger mit dem Herzen am rechten Fleck - und so ein Image wollen Unternehmen gerne für sich selbst nutzen. Dass der einstige Meistertrainer von Borussia Dortmund und des FC Liverpool aber nur wenig Markentreue beweist und so omnipräsent in der Werbung ist, kratzte auch schon ein wenig an dem Image.
Es gibt auch spöttische Kritik
„Nach möglicherweise ungenauer Kurzrecherche im Internet sieht es so aus, als sei Jürgen Klopp in seiner Karriere als Trainer insgesamt 25 Werbepartnerschaften eingegangen. Wir finden: Ein ganz normaler Typ“, schrieb das Magazin „11Freunde“ in Anspielung an Klopps legendäre Vorstellung 2015 in Liverpool, als er sich selbst als „The Normal One“ bezeichnete.
Auch die Satireseite „Der Postillon“ nahm die Dauer-Präsenz des Bald-Bundestrainers in der Werbung kürzlich aufs Korn: „Um dem Starcoach den Posten schmackhafter zu machen, soll die Nationalmannschaft der Herren in "Trivago-DVAG-Red-Bull Kickers" umbenannt werden.“
© dpa-infocom, dpa:260714-930-381141/1
















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