10.11.2019 - 14:27 Uhr
RegensburgSport

2:2 in Darmstadt: Jahn-Dusel wird geflügeltes Wort

Die erste Hälfte mau mit glücklicher Führung. Die zweite ein Regensburger Offenbarungseid: Erst das Spiel an Darmstadt abgeschenkt, trotz verschossenem Elfer 1:2 hinten, stolpert Dusel-Albers die Kugel zum 2:2 über die Linie (93.).

Darmstadts Keeper Marcel Schuhen nach seinem Griff ins Leere am Boden: Jubel nach dem Ausgleich für Jahn Regensburg durch Andreas Albers (rechts).
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Man darf sich von der Ergebnissen nicht täuschen lassen. Klar, der siebte Platz nach dem 13. Spieltag ist mehr als respektabel. Aber: Der Abstand zum Relegationsplatz beträgt gerade mal 4 Pünktchen. Und anders als in den vergangenen beiden Jahren wird die Mannschaft aus Regensburg auch nicht mehr mit Lob für sein aggressives Spiel gegen den Ball überhäuft. Stattdessen wundert man sich, wie die ehemaligen Mentalitätsmonster eine Halbzeit in den Seilen hängen wie ein halb ohnmächtiger Boxer – und sich dennoch mit einem blauen Auge aus der Affäre ziehen.

Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic muss sich gerade auch nach den zwei letzten Spielen fragen lassen: Ist das Programm, nach Halbzeitführungen das Spiel nach vorne komplett einzustellen? Es war weder gegen Osnabrück und schon gar nicht in Darmstadt so, dass die Regensburger den Gegner nur gelockt hätten, um mit Kontern den Deckel draufzumachen. Im Gegenteil: In der gesamten zweiten Hälfte flogen den Oberpfälzern bis zum verschossenen Elfer der Darmstädter die Bälle nur so um die Ohren – Dank Correia und Keeper Meyer hielt die Führung bis zur 88. Minute.

Schmeichelhafte Zufallstreffer

Innerhalb von zwei Minuten drehte dann ausgerechnet Serdar Dursun, der nicht nur beim Elfer eine unglückliche Figur machte, mit zwei Mentalitätsmonster-Toren das Spiel (88./90.). Aber nur scheinbar. Denn wie anfällig die Lilien in der Abwehr selbst sind, zeigt der überaus schmeichelhafte Zufallstreffer von Albers: Eine Flanke, bei der Keeper Schuhen sich vergreift, und der Däne müsste sich schon in Luft auflösen, um nicht mit der Kugel über die Linie zu stolpern (93.).

2:2, einmal durch Eigentor, einmal mit Hilfe von Schuhen. Welche Spielidee verfolgt der Trainer? Was ermutigt ihn, das Pressing einzustellen, das den Gegner vom eigenen Tor weghält – oder setzt die Mannschaft den Marschbefehl nur nicht um? So oder so: Auf das neue Jahn-Dusel sollte man sich nicht zu sehr verlassen.

Beim SV Darmstadt folgten auf zwei Siege zuletzt zwei Niederlagen. Der Jahn ist derweil seit fünf Spielen ungeschlagen, holte in diesem Zeitraum drei Unentschieden und zwei Siege.

Vergangene Saison trennten sich die beiden Teams zweimal 1:1-Unentschieden. In der Spielzeit davor gab es jeweils Auswärtssiege für beide Teams und im DFB-Pokal setzte sich zudem der Jahn im eigenen Stadion durch.

Eigentor passt zum Gestocher

Die ersten zehn Minuten egalisieren sich beide Mannschaften. Darmstadt etwas zielstrebiger Richtung Strafraum, ohne dass es bislang ernsthaft gefährlich wurde. Besuschkow versucht den Steckpass auf Grüttner, geblockt (9.). So geht‘s auch: Flanke Marc Lais, keiner kommt mehr hin, Dario Dumic fälscht noch leicht ab, 0:1 (15.).

Okoroji mogelt sich links durch, der Pass auf den frei im Abseits stehenden Grüttner abgepfiffen (18.). Nach unsäglichem Pass von Albers in den 16er der Darmstädter Konter, Correia muss die Notbremse an der Mittellinie ziehen, eng ausgelegt, kann das auch Rot sein (27.). Dann fühlt sich auch noch Nachreiner zum Judo berufen, Freistoß und erste Ecke für die Lilien: kurz ausgeführt und ins Abseits gelaufen (29.).

Viel Gestocher, wenig Spielfluss, die zweite Darmstädter Ecke, Kempe diesmal auf einen Lilienkopf, aber die Verlängerung misslingt (40.). Nach Flanke von links muss Correia mit Flugkopfball zur dritten Ecke klären: Und die nächste kommt sogleich – Druckphase vor der Pause, die fünfte Ecke, Meyer springt vorbei, Glück gehabt (43.).

Jubel über die glückliche Jahn-Führung: Marc Lais' Flanke landet leicht abgefälscht im Darmstädter Tor, 1:0 (15.).

Berliner Mauer mit Schweizer Löchern

Das riecht nach dem Spielverlauf gegen Osnabrück: Der Jahn wartet geduldig auf Darmstädter Angriffe, Tim Skarkes Distanzschuss um ein großes Lineal neben den rechten Pfosten (46.). Das ist Programm, jetzt versucht‘s auch Paik, sein Ball zischt einen guten halben Meter drüber (47.). Heister macht den Ball nochmal gefährlich, indem er nach innen geht zum Fünfer, danach verursacht er den Freistoß an der Grundlinie – quasi kurze Ecke: Grüttner per Kopf zur sechsten Ecke (50.). Paik mit Kopfball nach hinten, starke Reaktion von Meyer.

Schiri Sather entgleitet zunehmend das Spiel: Zwei Freistöße für Darmstadt, die man auch anders geben kann, stattdessen Ermahnung an Correia, dass Rot droht und Gelb für Lais – zu viel Diskussion, keine klaren Entscheidungen. Kempes Versuch aus 25 Metern zur siebten Ecke geklärt (57.): Sensationelle Parade von Meyer nach Fabian Hollands Schuss. Endlich mal Entlastung, gute Freistoßflanke von Okoroji, die freistehenden Grüttner und Schneider behindern sich gegenseitig, Schneiders Kopfball deutlich drüber (60.).

Jahn im Harakiri-Modus

Konter Darmstadt, Kempe versucht‘s von der Strafraumgrenze, Meyer taucht wieder stark ab, Ecke Nummer 9: Kopfball aus fünf Metern, Fallrückzieher drüber, der Jahn im Harakiri-Modus (62.). Correia darf nicht zu energisch eingreifen, Pass von rechts, drei Blaue verpassen am Fünfer (64.). Erster Wechsel bei beiden Teams, Jann George für Schneider beim Jahn, Marvin Mehlem für Honsak bei Darmstadt (66.). Albers läuft blind fünf Meter ins Abseits, vereitelt dadurch eine aussichtsreiche Spielsituation.

Einen lächerlichen Elfmeter nach Videobeweis – Meyer berührt Dursun beim Herauslaufen am Socken – hampelt Dursun über die Latte (73.). Jetzt sitzt Okoroji am Rasen, es geht nicht weiter, Alex Nandzik macht sich bereit, endlich Hoffnung auf Entlastung über die Flügel. Auch die Gastgeber wechseln, für Paik kommt Ognjen Ozegovic (78.). Und der letzte Wechsel der Hessen: Erich Berko für Herrmann (85.). Und dann ist es doch noch passiert: Die Jahn-Abwehr lässt Palsson bis an die Strafraumkante laufen, Meyer lässt den Schuss nach vorne abprallen, Dursun staubt ab, 1:1 (88.).

Mauern ohne Qualifikation

Das musste so kommen: Konter der Darmstädter, Nachreiner zu spät, Dursun stochert die Kugel zum 2:1 in die Maschen (90.). Jetzt (!) reagiert Selimbegovic mit einem Offensivwechsel, Wekesser für Correia (2.). Der darf dann auch gleich mal im 16er abziehen, war aber auch im Abseits. Mehr Glück geht nicht: Flanke von links, SV-Keeper Schuhen greift daneben, Albers stolpert das Ding mit Brust und Bauch über die Linie (94.).

Freuen darf man sich in der Oberpfalz über den einen Punkt: Stolz sein muss man nicht, denn das war nicht Glück und Können, mit dem die Regensburger gegen im Endeffekt harmlose, aber engagierte Hessen die Führung bis kurz vor Schluss verteidigten, sondern haarsträubendes Mauern ohne Qualifikation fürs dieses Gewerk: eine Berliner Mauer mit Löchern wie in Schweizer Käse.

Warmlaufen für Darmstadt: Der SSV Jahn beim SV Darmstadt 98.
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