Es war ein Duell der Gegensätze: Mehr als die Bezeichnung als Domstadt sowie die geografische Nähe zu je einem der größten Flüsse Deutschlands haben die Fußball-Zweitligisten SSV Jahn Regensburg und 1. FC Köln nichts gemein. Mehr noch: Am Freitagabend prallten in der pickepackevollen Regensburger Continental-Arena Welten aufeinander. Der gesamte Kader des SSV Jahn weist - laut Transfermarkt.de - einen Marktwert von 12,15 Millionen Euro auf. Bei den Kölnern sind alleine Nationalspieler Jonas Hector (15 Millionen Euro) und China-Re-Import Anthony Modeste (16 Millionen Euro) mehr wert. Der Gesamtwert des Bundesliga-Absteigers und letztjährigen Europa-League-Starters wird auf 90,8 Millionen Euro taxiert.
Etwa ein Drittel der 15 210 Zuschauer in Regensburg hielt es mit den Rheinländern - so viel zur Strahlkraft des dreimaligen Deutschen Meisters. Der harte Kern der Kölner Ultras verlieh der Regensburger Arena mit einer beeindruckenden Choreographie vor dem Spiel sowie dem wiederholten Einsatz von Pyrotechnik zumindest einen Hauch von Erstliga-Flair. Wo der SV Sandhausen oder der 1. FC Heidenheim einen regionalen Journalisten mit in die Oberpfalz bringen, hatte der 1. FC Köln gleich 20 Berichterstatter im Schlepptau - samt Radio-Live-Übertragung und clubeigenem TV-Sender.
Der kühne Underdog aus der Oberpfalz darf es sich durchaus ans Revers heften, dass derlei Begleiterscheinungen und ein auf dem Papier noch so ungleiches Duell nicht mehr zählen, sobald der Schiedsrichter die Partie angepfiffen hat und die alte Ruhrpott-Weisheit zum Tragen kommt: "Was zählt, is' aufm Platz." Und da lieferte die Truppe von Chefcoach Achim Beierlorzer eine beeindruckende Performance ab, dominierte den haushohen Favoriten über weite Strecken der Partie und hätte aufgrund des betriebenen Aufwands durchaus einen Zähler verdient gehabt. Doch bei der 1:3-Niederlage - der ersten Pleite nach zehn ungeschlagenen Partien - bekam der SSV Jahn auch schonungslos vor Augen geführt, was ihn von den Topteams der Liga noch unterscheidet.
Eine kompromisslose Defensive, die auch unter Druck stets die spielerische Lösung sucht. Dazu eine technische Genauigkeit, die den eigenen Ball-Aktionen durch präzises Passspiel Tempo verleiht. Und das gravierendste Merkmal: Eine gnadenlose Effizienz vor dem gegnerischen Kasten. Drei Chancen, zwei Treffer lautete die Kölner Offensiv-Bilanz in Durchgang eins. Dem folgte ein weiterer Einschlag aus zwei Hochkarätern im zweiten Abschnitt. "Das ist einfach der Unterschied", befand auch Jahn-Kapitän Marco Grüttner. Wenn dann noch die Entscheidungen des Schiedsrichters in kniffligen Situationen stets gegen einen ausfallen, nützt auch ein noch so couragierter Auftritt nichts. "Uns hat schlicht das nötige Quäntchen Glück gefehlt, das unser Gegner heute hatte", analysierte Trainer Beierlorzer treffend. Noch so ein kleiner, aber entscheidender Unterschied zwischen dem Jahn und den "Geißböcken".



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