03.08.2026 - 08:12 Uhr

Rettig über Infantino: „Irreparabler Vertrauensverlust“

Gianni Infantino hat mit seinen Investorenplänen viel Vertrauen verspielt. Dem FIFA-Boss ist aus Sicht von Andreas Rettig vor allem am Erhalt seines Machtapparates gelegen.

Das Verhältnis zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und FIFA-Präsident Gianni Infantino ist aus Sicht von DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig nicht mehr zu kitten. „Das ist aus meiner Sicht ein irreparabler Vertrauensverlust – und nicht nur zum DFB“, meinte Rettig in einem Interview des Magazins „Stern“ nach den gescheiterten Investorenplänen Infantinos.

Der 63-Jährige hat dafür zwei Gründe. „Zum einen wegen der Art und Weise, wie diese Entscheidung herbeigeführt werden sollte – Stichwort stilles Kämmerlein – und die unlauteren Köder, die ausgeworfen worden sind. Zum anderen wegen des Inhalts. Daran sieht man auch, dass Herr Infantino sich mittlerweile mit Menschen umgeben hat, die außerhalb des Fußballs kommen – aus der Finanzwirtschaft oder der Realwirtschaft“, erklärte Rettig. „Sie können aber Prinzipien der Finanz- oder Realwirtschaft nicht eins zu eins auf den Fußball übertragen. Das versteht niemand, der den Fußball liebt.“

„Deutliches Signal“ in Richtung FIFA

Infantino hatte in der vergangenen Woche auf einmal milliardenschwere Pläne präsentiert, WM-Rechte an private Investoren verkaufen zu wollen. Nach einer Empörungswelle zog der FIFA-Boss das Vorhaben zurück. Infantino, seit 2016 Verbandschef, ist dadurch massiv in die Kritik geraten.

„Als er FIFA-Präsident wurde und Sepp Blatter ablöste, war zunächst eine große Erleichterung spürbar. Nach dem Motto: Jetzt kann es eigentlich nur besser werden. Wir sind leider eines Besseren belehrt worden“, meinte Rettig. „Ich glaube, es hat eine Entwicklung gegeben. Aus meiner Sicht hat Herr Infantino sehr viel Zeit, Geld und Energie in den Erhalt seines Machtapparates investiert. Offenkundig dienten viele Entscheidungen in erster Linie dazu, die eigene Position zu festigen.“

Für Rettig ist Infantino im Grunde nicht mehr tragbar. „Ich kann nur auf die Erklärung der UEFA verweisen. Dort ist von einem Vertrauensverlust die Rede. Damit ist eigentlich alles gesagt. Wenn Mitglieder öffentlich erklären, dass sie kein Vertrauen mehr in die Führung haben, ist das ein sehr deutliches Signal“, sagte Rettig. Die UEFA war Infantino scharf angegangen. „Es muss die Reset-Taste gedrückt werden. Es braucht eine andere Kultur. Denn Vertrauen ist die härteste Währung“, sagte Rettig.

© dpa-infocom, dpa:260803-930-476289/1

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