12.05.2019 - 17:20 Uhr
RiedenSport

Wenn die Steigung kein Ende nimmt ...

Der Landkreislauf Amberg-Sulzbach kennt nach 35 Jahren viele Gesichter: "Es ist eine Ehre für uns, dass wir als Amerikaner teilnehmen dürfen", sagt Eugenia Ortiz von den "Racing Turtles".

Die Racing Turtles, auf Deutsch die „Rennschildkröten“ (vorne von links): Brad Schmid (Schlussläufer), Joan Nelson (aktuelle Teammanagerin), Dorothee Baer (Initiatorin), Eugenia Ortiz. Hinten von links: Stephen James, Paula Greer, Kristin Jacob-Schmid und Mel Dunn.
von Autor MZIProfil

Als Dorothee Baer 1990 ihres Mannes Berufs wegen aus der Lüneburger Heide nach Bayern zog, ließ sich noch nicht erahnen in was für konzentrischen Kreisen sich das auf den Landkreislauf auswirken würde. Als junge Familie suchten sie in Ammerthal sportliche Freizeitgestaltungsmöglichkeiten. So schlossen sie sich der Laufsparte des TST Ammerthal an und fanden schnell Anschluss. Durch ihre Arbeit als Deutschlehrerin und einzige Deutsche im Kollegium an der amerikanischen Grundschule in Vilseck lernte sie etliche laufbegeisterte Kollegen kennen. Sie ermunterte sie, doch auch am Landkreislauf als Team teilzunehmen: Die Racing Snails waren geboren. Quasi als zweites Kind kamen dann die Racing Turtles hinzu. Mindestens 15 Starts legten sie inzwischen bei den Landkreisläufen hin.

Ein Novum in der Geschichte des Landkreislaufes:

Das Zelt in Rieden proppevoll, der Außenbereich auch: Die Siegerehrung des diesjährigen Landkreislaufes wollten am Samstag Nachmittag rund 3500 Menschen nicht versäumen. Als Robert Graf, Leiter der Sportförderung am Landratsamt, den Gesamtsieger nannte, gab’s tosenden Applaus für die Läufer des SC Monte Kaolino Hirschau. Erstmals seit vielen Jahren durchbrach das SCMK-Team die Siegesserie der Skivereinigung Amberg. Das Sieger-Team, das vorwiegend aus die jungen Skilangläufern besteht, nahm aus der Hand von Richard Reisinger den Pokal für Gesamt- und gleichzeitig Landkreissieger entgegen. Der Landrat betonte, dass es ein Novum in der Geschichte des Landkreislaufes ein Novum sei, dass die ersten drei Plätze bei den Herren drei Landkreisteams belegten. „Das gab’s noch nie“, sagte Reisinger. Sonst wäre immer eine Mannschaft aus der Stadt Amberg mit vorne platziert gewesen.

Auch bei den Damen überraschte der SCMK Hirschau mit dem dritten Platz der Landkreiswertung – ebenfalls junge talentierte Skilangläuferinnen, die – noch nicht bei den Damen – allmählich den etablierten Mannschaften den Rang ablaufen. „Manche Teams sind schon seit langem dabei, und da werden einige Läufer auch langsam älter“, erklärt Graf.

In Rieden war die Organisation perfekt: Ein dickes Lob sprach Graf dafür aus, vom Zieleinlauf über die Bewirtung bis hin zu den Parkplätzen habe alles super geklappt: „Hut ab“, so Graf. Der 1. FC Rieden feierte am Wochenende sein 65-jähriges Bestehen, der Landkreislauf die 35. Auflage.

"Sehr ergreifend"

"Wir trafen uns nach dem Unterricht - die Schulleitung unterstützte diese Aktivitäten - gleich nachdem das Streckenprofil heraus war und besprachen die Etappeneinteilung. Wir liefen dann auch gemeinsam die Strecke ab, bereiteten uns zwei Monate darauf vor. Meist individuell. Das war auch toll für den Zusammenhalt." Als sie 2011 schwer erkrankte und selbst nicht mitlaufen konnte, trugen ihre Kollegen ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Dorothee's Divas" beziehungsweise "Dorothee's Dudes" und das, obwohl die Racing Snails sonst keine Teamshirts tragen. Zu häufig ist berufsbedingt der Personalwechsel. "Das war sehr ergreifend", erinnert sich Baer noch heute gerne daran. 2017 ging sie in den Ruhestand und im Jahr 2018 gab es dann erst mal keine Laufteilnahme, ehe 2019 Joan Nelson den (Lauf)Faden aufnahm und die Organisation managte.

Die in Seattle (Washington State) geborene Mutter von drei Söhnen lebt schon seit 19 Jahren in der Oberpfalz, schätzt auch Land und Leute sehr. Zuvor verbrachte sie schon mal vier Jahre in Japan, da ihr Mann zuerst in der Army diente und dann wie sie den Grundschullehrerberuf ausübte.

Auch Halbmarathon

Joan Nelson, die auch Halbmarathons läuft und einen Running Club ihrer Grundschüler auf die Beine stellte, findet die Oberpfälzer Berg- und Tallandschaft traumhaft. "Während des Laufes möchte man am liebsten nach einer Kamera greifen und knipsen, weil sich so ein herrlicher Anblick auftut." Für sie, die gerne die kräftezehrenden und langen Bergetappen läuft, wird aber gerade der druckfreie Just-for-fun-Faktor als wohltuend empfunden. "Egal ob man als Erster oder Letzter ins Ziel kommt, man wird immer angefeuert und beklatscht."

Aber am Startpunkt einen Parkplatz finden? "Das ist eine wirkliche Herausforderung!" Ihre Mitläufer und Mitläuferinnen stimmen ihr in punkto wunderschöne Landschaft voll zu. Und man entdeckt auch immer wieder Neues. Wie zum Beispiel Paula Greer, die seit 2009 mitläuft. "Dieses Mal war es ein veganes Restaurant in der Nähe Hohenburgs, das wir beim Erkunden der Abschnitte fanden. Das möchten wir unbedingt ausprobieren."

Als nicht zu unterschätzen galt heuer die Laufstrecke. Brad Schmid, der wie seine Frau Kristen Jacob-Schmid zu den Premieren-Läufern - wie ungefähr die Hälfte der Mannschaft - gehörte, erwartete nicht so viele Berge. "Nächstes Jahr müssen wir uns noch besser vorbereiten", meinte der Schlussläufer - der als Letzter des Landkreislaufes 2019 ins Ziel in Rieden erreichte, passend zum Namen "Rennschildkröten". Stephen James stimmt zu, dass Teile der Etappen in diesem Jahr knackig waren: "Ich dachte, dass die Steigung irgendwann schon aufhören wird. Aber sie nahm einfach kein Ende. Gut, dass es am Schluss ein Bier gibt." Eugenia Ortiz freut sich über die Einladung: "Es ist eine Ehre für uns, dass wir als Amerikaner teilnehmen dürfen." Mel Dunn, der neben seinem Lehrerberuf Kurse an der Volkshochschule in Englisch-Konversation hält, fürchtet sich dagegen vor fast nichts.

Einmal verlaufen

Weder die vielen Hügel noch vor dem letzten Platz. Auch nicht davor, sich zu verlaufen, was vor Jahren zwei Läufern des diesjährigen Teams mit der Startnummer 301 passierte. Ein Feuerwehrmann wies sie auf den richtigen Weg.

Aber eines ist ihm, der mit seiner zehnten Teilnahme zu den Routiniers gehört, nicht geheuer: "Immer, wenn ich durch ein Waldstück laufe, habe ich Angst, dass eine Horde Wildschweine auf mich zukommen könnte."

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.