13.10.2026 - 21:09 Uhr

Schattenkabinett steht: Sie wollen Große-Präsidium ablösen

Im deutschen Eisschnelllauf schwelt ein Machtkampf. Am Samstag steht eine richtungsweisende Entscheidung an. Nun steht fest, wer den Verband künftig führen möchte.

Sollen abgewählt werden: Präsident Matthias Große (M) und Schätzmeisterin Clarissa Forster (l). (Archivbild) Bild: Britta Pedersen/dpa
Sollen abgewählt werden: Präsident Matthias Große (M) und Schätzmeisterin Clarissa Forster (l). (Archivbild)

Vier Tage vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung stehen die Kandidaten für das neue Präsidium der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) fest. Wie der Thüringer Eis- und Rollsport-Verband (Terv) in einer Videokonferenz den Landesverbänden und Vereinen mitteilte, stellt sich der Thüringer Ministerialbeamte Andreas Minschke zur Wahl als Nachfolger des umstrittenen DESG-Präsidenten Matthias Große.

Der Terv hatte für den Verbandstag eine Abwahl des Führungsgremiums beantragt. Laut der Präsentation des Schattenkabinetts soll Terv-Vizepräsident Peter Rüberg in der DESG Stellvertreter für die Sparte Eisschnelllauf werden. Als Nachfolger für Schatzmeisterin Clarissa Forster wurde der Berliner Alexander Altendorf-Schöpke präsentiert. 

Eisschnellläufer als Berater

Christoph Zepernick aus Dresden soll wie bisher als Vizepräsident Shorttrack das Führungsgremium vervollständigen. In beratender Funktion sollen überdies der in Erfurt trainierende Eissprinter Hendrik Dombek (München) sowie Ex-Eisschnellläufer Christian Breuer als Leiter der Strukturkommission in die Verbandsarbeit integriert werden.

Der Terv hatte wegen Verbandsführung „nach Gutsherrenart“ die Ablösung des Präsidiums unter Leitung von Große gefordert und einen entsprechenden Antrag für den Verbandstag gestellt. Rücktrittsforderungen an das DESG-Präsidium hatte es bereits im Juni gegeben. „Der Präsident und das Präsidium der DESG werden der Rücktrittsforderung nicht nachkommen“, hatte Große auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur über eine Anwaltskanzlei mitgeteilt.

Hintergrund für Abwahlantrag

Begründet wurde der Abwahlantrag mit dem Misstrauen in das Präsidium. Unter anderem wirft der Terv dem DESG-Vorstand vor, Beschlüsse der Verbandsversammlung zu ignorieren, Sportler respektlos zu behandeln und Fragerechte der Mitglieder zu beschneiden. „Der Ton der Kommunikation ist für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Präsidium und Landesverband völlig ungeeignet“, hieß es in der Begründung des Antrags. 

Auslöser für den seit Monaten andauernden Machtkampf ist eine geplante Strukturreform im Eisschnelllauf. Diese sieht eine Konzentration der Bundeskader auf die Standorte Inzell für Mehrkampf und Langstrecke sowie Berlin für Sprint vor. Die beiden anderen Bundesstützpunkte in Erfurt und Chemnitz sollen nach Beschluss des DESG-Präsidiums „insbesondere im Nachwuchsbereich eine zentrale Rolle übernehmen“. 

Überraschende Personalien

Dies sollte mit der Unterschrift unter eine im deutschen Sport obligatorischen Athletenvereinbarung mit den nationalen Verbänden von den Sportlern besiegelt werden. Die Erfurter unterzeichneten die Vereinbarung zuletzt nur unter Protest. Die Unterzeichnung stelle „weder eine Zustimmung zum Vorgehen der DESG-Verantwortlichen in den vergangenen Monaten noch ein Fallenlassen der von uns vorgebrachten Einwände gegen Passagen in der Vereinbarung dar“, hieß von den Sportlern. Das Vertrauen in das von Matthias Große geführte DESG-Präsidium bleibe „erheblich beschädigt“.

Zudem war jüngst bekanntgeworden, dass inmitten der geplanten Strukturveränderungen die bisherige Sportdirektorin Nadine Seidenglanz zum 1. Dezember zum niederländischen Verband wechselt. Überdies war kürzlich auch überraschend Peter Adeberg als kommissarischer Vizepräsident Eisschnelllauf durch den früheren Kugelstoß-Weltmeister David Storl ersetzt worden.

© dpa-infocom, dpa:261013-930-835227/1

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