09.10.2018 - 16:55 Uhr
SchwarzenfeldSport

Ein Oberpfälzer gibt den Pfälzern Halt

"Teufel, Teufel": Als Nummer drei zum Kapitän. Der Schwarzenfelder Wolfgang Hesl erlebt derzeit "rasante Wochen" beim 1. FC Kaiserslautern

Wolfgang Hesl (rechts) und sein einstiger Förderer in der Jugendzeit, Günter Kohl. Der ehemalige Bayernliga-Torwart verfolgt den Werdegang seines Schützlings ganz genau.
von Josef Maier Kontakt Profil

Schwarzenfeld. Wolfgang Hesl hat zu Hause alles im Griff: "Ich baue Regale gerne selbst auf", sagt er schmunzelnd am Dienstag, nachdem er bei einem Möbelmarkt eingekauft hatte. Schrauben, Bretter, Hammer - da ist dem Torwart nichts zu viel. "Den Garten haben wir auch schon winterfest gemacht", erzählt er weiter. Hesl genießt die freien Tage in seinem Haus in Schwarzenfeld mit seiner Frau Stephanie und Töchterchen Fiona. Alle drei freuen sich jetzt schon auf Zuwachs. Im Januar kommt das zweite Kind. Ein bisschen Entspannung fand er auch beim Golfen auf der Anlage in Ödengrub. Am Dienstagabend ging es von der Oberpfalz aber schon wieder zurück in die Pfalz. Am Mittwoch steht beim Drittligisten 1. FC Kaiserslautern das erste Training in der Länderspielpause an.

Wolfgang Hesl hat auch beim 1. FC Kaiserslautern derzeit alles im Griff, er steht wieder im Tor: Vor der Saison war der 32-Jährige Bundesliga-erfahrene Keeper von Würzburger Kickers in die Pfalz zum Zweitliga-Absteiger gewechselt, er war als Nummer drei vorgesehen. Er solle seine Erfahrungen auch an die beiden jungen Torhüter Jan-Ole Sievers (23) und Lennart Grill (19) weitergeben, so waren die Planungen der FCK-Verantwortlichen. Und er solle die Jungs im Training puschen. "Das war so geplant", sagt "Oldie" Hesl, aber in den letzten Wochen kam alles anders.

Jammer für die Fans

Es lief ja zunächst nicht richtig beim Drittligisten, der gefühlt fast immer noch ein Erstligist ist. Hesl registriert das alles: "Das Stadion und das Drumherum ist natürlich noch erstklassig, aber die Realität ist nun mal die dritte Liga." Ein Jammer für viele Fans, die immer noch die Deutschen Meisterschaften von 1991 und 1998 in Erinnerung haben und die Zeit, als die Lauterer halb Europa unsicher machten. "Die Erwartungshaltung ist hier natürlich dementprechend riesig", erklärt der 1,86 Meter große Torwart. "Und der Druck auch." Nichts anderes als die schnelle Rückkehr zumindest in Liga zwei ist das Ziel.

Als die "Roten Teufel" in den ersten Wochen sogar in den Abstiegsregionen verschwanden, blieb das Präsidium überraschend ruhig, Trainer Michael Frontzeck durfte weitermachen. Es habe auch keine Torhüterdiskussion geben, sagt Hesl. Als aber Sievers und Grill leicht angeschlagen waren, schlug seine Stunde: "Natürlich ist bei mir der Ehrgeiz immer da, ich bin Sportsmann", brannte Hesl auf einen Einsatz. Ab dem 8. Spieltag, dem 3:3 in Jena, stand der Oberpfälzer im FCK-Kasten. Zwei wichtige Siege folgten, ehe am Samstag die Mini-Serie mit einem 0:2 beim Spitzenreiter VfL Osnabrück gestoppt wurde. Aber immerhin hat Lautern als Tabellenachter etwas Anschluss an die Spitzengruppe geschafft.

In Osnabrück trug Hesl auch die Spielführerbinde, und deswegen sagt er auch etwas ungläubig: "Das waren jetzt schon rasante Wochen für mich: Von der Nummer drei auf der Tribüne zum Kapitän." Frontzeck hat auch keinen Grund, den Oberpfälzer wieder aus dem Tor zu nehmen. Der Routinier zwischen den Pfosten verlieh der Abwehr mehr Stabilität. Nach der Länderspielpause steht in zehn Tagen erneut ein wichtiges Duell an, "um weiter den Anschluss nach oben herzustellen". Der FCK empfängt Bayer Uerdingen. Dort steht der Schwandorfer René Vollath im Tor, mit dem Hesl zusammen ab und an mit einem seiner Förderer, Ex-Bayernliga-Torwart Günter Kohl, in Katzdorf trainiert.

Trapp und Weidenfeller

Jetzt ist in Kaiserslautern auch Gerry Ehrmann Hesls Förderer. Der "Tarzan", wie der einstige Bundesliga-Keeper mit den langen Haaren genannt wird, hat den besten Ruf. Kevin Trapp, Roman Weidenfeller, Tim Wiese - sie alle lernten bei ihm das Torwart-Handwerk. Hesl saugt mit seinen 32 Jahren noch alle Tipps auf: "Gerry legt viel Wert auf Kraft und Dynamik, und das ist ja mein Torwartspiel." Beide reden viel miteinander: "Er gibt einem auch ungemein Selbstvertrauen." Ehrmann selbst hält sehr viel vom Neuzugang, wie er jüngst in der "Rheinpfalz" verriet: "Wolfgang ist ein guter Torwart, topfit und menschlich eine Granate."

Auch Ehrmann wird dafür sorgen, dass Hesl künftig beim 1. FC Kaiserslautern alles im Griff hat.

Über was Profis reden:

Hesl, Bugera und der FC Amberg

Schwarzenfeld. (mr) Ab und an geht es für die Profis auch in die Niederungen des Fußballs - und dort ist ja mittlerweile der FC Amberg angekommen: "Wir haben uns erst kürzlich über den FC Amberg unterhalten", erzählt Kaiserslauterns Keeper Wolfgang Hesl über ein Gespräch mit Alexander Bugera. Der gebürtige Amberger Bugera hat einen Großteil seiner Jugend beim FC verbracht, ehe er zum FC Bayern wechselte. Der Schwarzenfelder Hesl selbst spielt auch für den langjährigen Bayernligisten in der Jugend, ehe er beim Hamburger SV sportlich ausgebildet wurde. "Wir haben uns darüber unterhalten, dass der FC jetzt nicht einmal mehr eine A-Jugend hat. Einfach traurig." Das Schicksal des FC ist den Ehemaligen bei weitem nicht egal.

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