17.02.2019 - 19:03 Uhr
SchwarzenfeldSport

Schwarzenfeld viel, viel besser als die EM

Rollstuhl-Rugby führt hierzulande eher ein Schattendasein. Die Nationalspieler haben aber jetzt einen neuen Lieblingsort. Und der liegt mitten in der Oberpfalz.

Die Deutsche Rollstuhl-Rugby-Nationalmannschaft mit Thorsten Altmann (Mitte) in Schwarzenfeld.
von Josef Maier Kontakt Profil

"Shorty" musste schlucken. Einmal, zweimal. "Einfach überragend", sagte er mit leiser Stimme. "Das war so überhaupt nicht zu erwarten." Als der Schwarzenfelder Thorsten "Shorty" Altmann, der das Länderspiel in seiner Heimatgemeinde organisiert hatte, bei der Vorstellung der Nationalspieler auf die Tribüne im Schwarzenfelder Sportpark blickt, wird ihm allmählich klar, was da gerade passiert. Die Tribüne war proppevoll, jede Menge klatschende und jubelnde Zuschauer waren am Sonntagnachmittag beim Rollstuhl-Rugby-Länderspiel zwischen Deutschland und Österreich im Sportpark. Die Fans ließen sich von den Sonnenstrahlen draußen nicht abhalten, sie sorgten für sonnige Stimmung in der Halle. "So etwas hatten wir noch nie", sagte auch Schwarzenfelds Bürgermeister Manfred Rodde als Betrachter am Spielfeldrand. Seit etwa 20 Jahren gibt es die Sportparkhalle. "Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals so viele Leute hier waren."

500 bis 600 Zuschauer dürften es gewesen sein, die den Rollstuhl-Akrobaten bei ihrem harten Sport zujubelten. Ein Kommentator erklärte die Spielregeln, die Nationalhymnen ertönten, Altmanns befreunde Kumpel, die Red-Devils-Footballer aus Kümmersbruck, hatten für die Verpflegung der Zuschauer gesorgt.

Am Ende gewannen die deutschen Rollstuhl-Rugby-Rollis den EM-Test gegen die Österreicher noch mit 46:43, aber bis zu Beginn des dritten Viertels - die Spielzeit eines Viertel beträgt acht Minuten - hatten die Gäste aus der Alpenrepublik geführt. "Wir haben schon ein bisschen gebraucht, das alles zu verarbeiten", sagte Altmann. "Wir waren wegen der großen Kulisse ziemlich nervös." Doch dann machte Lokalmatador "Shorty" das 20:20 - die Fans flippten jetzt richtig aus, die Spieler sogen die Stimmung fortan auf.

Angetrieben von "Shorty" und den ganz starken Jens Sauerbier (Magdeburg) und Michael Volter (Frankfurt) gaben die Deutschen die Führung nicht mehr ab. Die Österreicher ließen aber nicht locker, mit vollem Karacho knallten die Rollstühle ineinander, ab und an kippte einer auch samt Spieler um. Der erfahrene Kommentator beruhigte die Zuschauer aber sogleich: "Keine Angst, das passiert schon mal." Betreuer stellten Rollstuhl samt Spieler wieder auf - und weiter ging's. Bundestrainer Christoph Werner war mit dem Auftritt am Ende doch ganz zufrieden: "Aber man sieht, dass wir für die EM schon noch ein bisschen Arbeit haben." Er hatte aber in Schwarzenfeld auch der zweiten Garde viel Spielzeit gegeben.

Auch Werner war von der Atmosphäre in Schwarzenfeld überwältigt. Und in einer Zeit, in der Superlativen häufig inflationär gebraucht werden, kann wohl nur einer, der Vergleiche hat, bestimmte Ereignisse richtig einordnen. So wie der Bundestrainer beim Rollstuhl-Rugby. "Also, wir hatten 2017 eine Europameisterschaft in Deutschland, in Koblenz", erzählte Werner nach dem Spiel in der Oberpfalz. "Da war schon relativ viel los. Aber solch ein Stimmung wie hier hatten wir damals nie." Die Nationalspieler haben Schwarzenfeld liebgewonnen. Werner: "Hierher kommen wir gerne wieder."

Thorsten Altmann bei der Spielervorstellung.
Topscorer Jens Sauerbier (rechts) greift an. Der Magdeburger machte die meisten Punkte für Deutschland. Auch er war von Schwarzenfeld begeistert.
Die Hütte war voll in Schwarzenfeld
Voller Einsatz: Die deutschen Rollstuhl-Rugby-Nationalspieler (dunkle Trikots) siegten gegen Österreich noch mit 46:43.
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