Die Antwort auf die Meisterfrage fällt leicht: Der FC Bayern ist (wieder mal) der große Titelfavorit in der Bundesliga der Fußballerinnen. Alles andere ist weit weniger klar. Mit dem Eröffnungsspiel der Münchnerinnen bei Geheimfavorit Union Berlin am Freitag (18.20 Uhr, ZDF/MagentaSport) geht die Saison nun los. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Ligastart:
Wer kann die Titelserie des FC Bayern stoppen?
Kaderstärke, individuelle Klasse und Budget sprechen klar dafür, dass die Münchnerinnen die fünfte Schale in Serie holen. Davon gehen auch alle 14 Coaches laut einer DFB-Umfrage aus. „Wir wollen die Menschen mit unserem Fußball begeistern“, kündigte Bayerns Flügelflitzerin Klara Bühl an. Rivalen? Nur bedingt in Sicht.
Spannend scheint nach dem 3:0 im Supercup gegen Vizemeister VfL Wolfsburg nur, ob die Elf von José Barcala wie in der Vorsaison ungeschlagen zum Titel marschiert. „Der FC Bayern ist das Maß aller Dinge“, bekannte jedenfalls VfL-Coach Stephan Lerch bei MagentaSport. Sein Team dürfte mit Frankfurt und Leverkusen um die internationalen Plätze zwei und drei konkurrieren.
Wer hat das Zeug zum Überraschungsteam?
„Union hat wahnsinnig in die Tasche gegriffen. Da bin ich am meisten gespannt, ob das alles so aufgeht, wie man sich das jetzt vorstellt. Das ist für mich eigentlich die Überraschungsmannschaft“, sagte die frühere DFB-Kapitänin Alexandra Popp bei Sky über den Berliner Club, der mit dem Stadion An der Alten Försterei über den Stimmungstempel der Liga verfügt.
Die ehrgeizige Neu-Trainerin Marie-Louise Eta kann zudem auf Neuzugänge wie die Nationalspielerinnen Jella Veit und Lisanne Gräwe (beide Eintracht Frankfurt) bauen. Aus Freiburg kam das Schweizer Toptalent Leela Egli. „Wir wollen auch nach oben schauen und die eine oder andere etablierte Bundesliga-Mannschaft ärgern“, sagte Eta im Interview des „Tagesspiegel“.
Wo gibt es schon vor dem Saisonstart Stress?
Bei den Mainzerinnen herrscht dicke Luft. Der Verein hatte vergessen, etliche Ex-Spielerinnen, die in der vergangenen Saison mit für den Aufstieg gesorgt hatten, ins Rathaus einzuladen. Dort bat die Stadt um den Eintrag ins Goldene Buch. Einen „Skandal“, beklagte Ex-Kapitänin Heidrun Sigurdardottir in den sozialen Medien.
Die Sportliche Leiterin Nadine Kress bat um Verzeihung und bot einen Nachholtermin an. „Hier ist in der internen Organisation einiges schiefgelaufen“, teilte sie über die Internetseite der 05er mit.
Wer muss noch nach unten schauen?
Wie den Mainzerinnen droht auch den Vorjahresaufsteigern Hamburger SV und 1. FC Nürnberg eine knackige Runde. Leipzig steht nach einer enttäuschenden Saison vor einem Umbruch.
Neuling Stuttgart wird mehr zugetraut. Beim VfB, der drei Aufstiege in Serie feierte, kicken einige gestandene Profis wie Ex-Bayern-Verteidigerin Maximiliane Rall oder Stürmerin Nicole Billa, die 2020/21 im Hoffenheimer Trikot Liga-Torschützenkönigin wurde.
Wer ist noch neu oder wieder dabei?
Ein paar klangvolle Namen bereichern die Liga, etwa die vorherigen US-Legionärinnen Lara Prasnikar (VfL Wolfsburg) und Kathrin Hendrich (1. FC Köln). Zwei spannende Offensivkräfte holte die TSG Hoffenheim in Laia Martret (20) und Martine Fenger (19) aus der Talentschmiede des FC Barcelona.
Auch innerhalb der Liga gab es ein paar prominente Veränderungen: Nationalstürmerin Giovanna Hoffmann ging von Leipzig nach Wolfsburg, muss aber erst noch ihren Kreuzbandriss auskurieren.
Wer spielt nicht mehr in der Bundesliga?
Eine der populärsten deutschen Spielerinnen wird vor allem dem VfL Wolfsburg fehlen: Die langjährige DFB-Kapitänin Alexandra Popp schießt nun für Regionalligist Borussia Dortmund Tore, wo auch der langjährige VfL-Macher Ralf Kellermann hin ist.
Ins Ausland zog es etliche Nationalspielerinnen: Elisa Senß (von Frankfurt zu Real Madrid), Nicole Anyomi (Frankfurt/London City Lionesses), Selina Cerci (Hoffenheim/FC Arsenal), Vivien Endemann (Wolfsburg/Liverpool).
Vor welchen Herausforderungen steht die Liga?
Einerseits will die Liga wachsen, um ihre Topspielerinnen und Fanlieblinge zu halten, andererseits soll das Ganze nicht zu schnell gehen. Nahbar soll der Fußball der Frauen bleiben, authentisch, gebunden an Werte. Im Herbst geht es erst mal ums Geld, ein neuer TV-Vertrag muss vom neuen Ligaverband FBL ausgehandelt werden. Der bisherige bringt jährlich 5,17 Millionen Euro.
„Wenn wir es schaffen, eine eigene Identität für diese Liga zu entwickeln, bin ich mir sehr sicher, dass sich Stars bewusst dafür entscheiden, in der Frauen-Bundesliga zu spielen“, sagte Katharina Kiel, Präsidentin des neu gegründeten Ligaverbands FBL, der Deutschen Presse-Agentur. Gesucht wird neben neuen Stars auch eine FBL-Geschäftsführung.
An der Ligagröße von derzeit 14 Teams will Kiel vorerst nicht rütteln. Und Meister-Playoffs für mehr Spannung? Lehnten Bayern-Direktorin Bianca Rech („Abwertung der Liga“) und Wolfsburgs Sportboss Dieter Hecking („kontraproduktiver Eingriff in den Wettbewerb“) in der „Sport Bild“ gerade erst ab. Größere Reformen dürfte es ohnehin erst im Zuge der Heim-EM 2029 geben.
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