12.10.2026 - 16:40 Uhr

Studie: Fast jede zweite Fußballerin erwägt Karriereende

Mehr als die Hälfte nennt Geld als Grund, fast jede zweite Spielerin denkt ans Aufhören: Trotz wachsender Einnahmen bleibt der Frauenfußball für viele ein unsicherer Beruf. Wie groß ist die Lücke?

Trotz der Förderung des Frauenfußballs denkt fast jede zweite Spielerin über ein vorzeitiges Karriereende nach. Finanzielle Probleme und psychische Belastungen sind laut einer Umfrage der Spielergewerkschaft Fifpro in 40 Ländern die wichtigsten Gründe. Demnach erwägen 49 Prozent der 791 befragten Spielerinnen, früher als vielleicht nötig mit dem Fußball aufzuhören. 59 Prozent nannten dafür finanzielle Gründe, 46 Prozent gaben psychischen Stress an. 

Das durchschnittliche, inflationsbereinigte Monatsgehalt in den Vereinen hat sich laut Studie dank des Umsatzwachstums in Ligen wie der National Women's Soccer League in den USA auf 2.601 US-Dollar verdreifacht. Das mittlere Monatsgehalt liegt mit 1.669 Dollar (rund 1.440 Euro) allerdings deutlich darunter. 

Die Professionalisierung des Frauenfußballs schreite in einigen Teilen der Welt immer schneller voran und die Einnahmen würden steigen, hieß es. „Allerdings sind die Fortschritte und Vorteile nicht gleichmäßig auf die Spielerinnen weltweit verteilt“, sagte Alex Culvin, Direktorin für Frauenfußball bei der Fifpro.  

Viele Spielerinnen verdienen nicht mal den Mindestlohn

Im kommenden Jahr steuere der Frauenfußball auf globale Einnahmen von mehr als einer Milliarde US-Dollar zu. Aber außerhalb der finanziell stärksten Vereine seien prekäre Beschäftigungsbedingungen weiterhin verbreitet, sagte Culvin. 

So verdienen in zehn osteuropäischen Ländern Fußballerinnen demnach im Durchschnitt weniger als den jeweiligen nationalen Mindestlohn. Zudem haben weltweit lediglich 56 Prozent der Spielerinnen einen Arbeitsvertrag. In nur acht von 30 im Bericht analysierten nationalen Ligen gebe es einen Tarifvertrag, der die Arbeitsbedingungen regelt. Deswegen fordert die Fifpro weltweit verbindliche Mindeststandards zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. 

Psychische Gesundheit ein weiteres Problem

Insgesamt 57 Prozent der befragten Spielerinnen berichteten von psychischen Problemen. Die Hälfte von ihnen erhielt nach eigenen Angaben keine Unterstützung durch ihre Vereine. Deshalb fordert die Fifpro unter anderem eine verpflichtende psychologische Betreuung.

Derweil gab es laut der Studie Verbesserungen unter anderem im Bereich des Mutterschutzes. Der Weltverband FIFA hatte 2021 die von der Fifpro ausgehandelten Regeln eingeführt. Hatten bei der letzten großen Umfrage 2017 noch 47 Prozent der Spielerinnen erwogen, wegen der Gründung einer Familie aufzuhören, waren es jetzt nur noch 19 Prozent.

© dpa-infocom, dpa:261012-930-829100/1

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