08.10.2020 - 17:41 Uhr
Sulzbach-RosenbergSport

Handball in Corona-Zeiten: Hygienekonzepte, fehlende Einnahmen und Rückzugsgedanken

Die Corona-Pandemie trifft die Handballvereine besonders hart. Beim HC Sulzbach ist selbst der Ausstieg aus dem Spielbetrieb kein Tabu-Thema mehr. Der hätte weitreichende Folgen.

Die Sulzbacher Handballer präsentieren sich vor Spielbeginn ihren Zuschauer in der Krötenseehalle. So voll wird die Tribüne in Corona-Zeiten nicht sein (dürfen).
von Autor CWHProfil

Am Auftaktwochenende der Handball-Bezirksoberliga fand gerade einmal eine von sechs angesetzten Partien statt. Vor allem die Spiele der Männer litten unter der Absageflut, während Frauen- und Jugendteams nicht so sehr betroffen waren.

Um in den Sporthallen spielen zu dürfen, brauchen die Vereine in Corona-Zeiten meist ein Hygienekonzept, das von einer zertifizierten Stelle abgenommen wird. Hier wird dann entschieden, ob man ohne oder mit einer begrenzten Zahl an Zuschauern spielen darf. Hat man diese Hürden überwunden, stellt sich oft die Frage, wer eigentlich spielen soll. Für Ausländer, in der Oberpfalz meist Spieler aus Tschechien, ist es in diesen Tagen fast unmöglich einzureisen. Aber auch viele deutsche Akteure haben Probleme mit Arbeitgeber, Schulen oder Universitäten, die einen Coronatest nach "Handball-Abenteuern" verlangen. Dies war auch der Absagegrund des Spiels der Sulzbacher Herren in Forchheim.

Immense Kosten

Die Herzogstädter haben besonders große Schwierigkeiten, die kommenden Monate zu überstehen. "Der HCS hat vor einigen Jahren ein Jugendkonzept erarbeitet, das sich super entwickelt hat und seinesgleichen in der bayerischen Handballszene sucht. In der anstehenden Saison spielen die B- und C-Jugend in der Bayernliga und die A-Jugend in der Landesliga", erklärt Vorsitzender Christian Rohrbach. Was erst einmal wie ein Traum klingt, raubt dem Vorsitzenden den Schlaf, denn die Kosten für diese Ligen (Fahrten, Trainer und Schiedsrichter) sind immens, addieren sich mit dem Spielbetrieb der Erwachsenenteams auf rund 20 000 bis 30 000 Euro. Getragen wird dies normalerweise von den Zuschauereinnahmen und den Sponsoren.

"Sollten wir ohne, oder nur mit sehr begrenzter Zuschauerzahl spielen müssen, fehlen uns neben dem Eintrittsgeld auch die Einnahmen durch das Catering. Außerdem wissen wir nicht, wie unsere Sponsoren reagieren, wenn die Spiele vor leeren oder spärlich besuchten Rängen ausgetragen werden. Wo wir dieses Geld herbekommen sollen, ist noch ein Rätsel", so Rohrbach.

Darlehen der Stadt?

Zumindest ein paar Gedankenspiele gibt es schon. "Wahrscheinlich müssen wir dann an die Mitglieder herantreten und eine einmalige ,Coronaspende' erbeten, das würde den fehlenden Etat vielleicht etwas entlasten. Den Rest müssten wir wohl oder übel mit einem Kredit sichern. Vielleicht kommt uns hier ja die Stadt mit einem über mehrere Jahre zinsfreien Darlehen zu Hilfe." Nennenswertes erspartes Vermögen hat der HCS nicht, denn als gemeinnütziger Verein müssen alle erwirtschafteten Gelder wieder in den Spielbetrieb gesteckt werden.

Gleich ganz abmelden ...

Über den "Plan B" möchte der Vorsitzende gar nicht laut nachdenken. "Alternativ wäre ein Austritt aus dem Spielbetrieb für eine komplette Saison. Doch was passiert dann? Die Mannschaften verlieren ihren Platz in den Ligen. Die talentierten Jugendspieler würden sich wohl bei anderen Vereinen, oder auch anderen Sportarten versuchen und wären für den HC Sulzbach verloren. Da wäre es dann wohl noch besser, den Verein gleich ganz abzumelden", so ein frustrierter Christian Rohrbach.

Die talentierten Jugendspieler würden sich wohl bei anderen Vereinen, oder auch anderen Sportarten versuchen und wären für den HC Sulzbach verloren.

Christian Rohrbach, Vorsitzender des HC Sulzbach

Christian Rohrbach, Vorsitzender des HC Sulzbach

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