Sechs Tage. Zwischen Cristiano Ronaldos schwachem erstem Auftritt bei dieser Fußball-WM und seinem zweiten lagen genau sechs Tage. Und die Zeit reichte, um den Kapitän der portugiesischen Nationalmannschaft praktisch schon in Rente zu bitten - ehe er jetzt, nach dem 5:0 gegen Usbekistan, wieder in höchste Sphären gelobt wird. Wie gut ist der 41-Jährige denn jetzt (noch)?
„Das war schon immer so“, sagte Ronaldo nach seinen rekordbringenden zwei Toren gegen den hilflosen Außenseiter. „Wenn es gut läuft, ist Cristiano großartig. Wenn es schlecht läuft, heißt es, er ist schon alt. So wird es auch immer sein.“ Daran, immer wieder zu polarisieren, ist der mehrfache Weltfußballer allerdings auch nicht schuldlos.
Nach dem 1:1 gegen die Demokratische Republik Kongo, als es schlecht lief, hatte Ronaldo auf dem Weg aus dem Stadion in Houston kein Wort gesagt und damit viel Interpretationsspielraum geschaffen. Nach dem Sieg am Dienstag, als es gut lief, stellte er sich mit einer gewissen Selbstzufriedenheit den üblichen Interviews. Unmittelbar nach dem Abpfiff hatte er noch auf dem Rasen der Fußballwelt zugerufen: „I'm back“ - „Ich bin zurück“.
Tagelange Zweifel an der Harmonie im Team
Den Ausruf erklärte der Stürmer später damit, dass das niemand vergessen solle. „Wir sind zurück, ich bin zurück“, sagte er. Die fünf Tore seien eine gute Antwort auf die tagelange Kritik gewesen - von ihm und seinen Teamkollegen. Nach dem Auftaktspiel waren insbesondere auch Zweifel an der Harmonie in der Auswahl des Europameisters von 2016 laut geworden. Der euphorisch-gemeinsame Jubel nach Ronaldos erstem Tor bestätigte diesen Eindruck nicht unbedingt.
„Es war eine schwierige Woche“, sagte Portugals spanischer Trainer Roberto Martínez, er sprach von einer ungerechtfertigten Unruhe und böswilligen Darstellung der Lage von außen. „Wir waren wütend und tief getroffen, aber am Ende sind wir als Team daran gewachsen“, sagte Martínez, der etliche Fragen zu Ronaldo beantworten musste. Der 41-Jährige sei „ein vorbildlicher Kapitän“, sagte Martínez. Vor dem zwischenzeitlichen 2:0 hatte Ronaldo seinem Teamkollegen Nuno Mendes die Ausführung des torbringenden Freistoßes überlassen.
Mit seinen eigenen WM-Treffern neun und zehn überholte Ronaldo Portugals Legende Eusébio in der ewigen Torschützenliste. Zudem ist der 41-Jährige der erste Spieler, der bei sechs Weltmeisterschaften getroffen hat, und das wird er bis mindestens zur nächsten Endrunde auch bleiben. Ein Rekord also, dem ihn nicht einmal Dauerrivale Lionel Messi streitig machen kann. Von den seit knapp zwei Jahrzehnten angestellten Vergleichen mit dem Argentinier scheint Ronaldo ohnehin zunehmend genervt.
WM-Spiel gegen Messi ist möglich
Auf die Frage, was er zu einem möglichen Aufeinandertreffen der Superstars bei dieser WM denke, antwortete der Portugiese maximal ausweichend. Ja, das wäre toll, sagte er, aber eigentlich wisse er nicht, wie er die Frage beantworten solle. „Das Wichtigste war, zu gewinnen“, sagte er. Weitere Messi-Fragen blockte Ronaldo ab. Die Konzentration müsse auf dem abschließenden Gruppenspiel gegen Kolumbien in der Nacht auf Sonntag liegen. Als Gruppensieger könnte Portugal im Viertelfinale auf Argentinien treffen.
Mit bislang vier Punkten stehen die Portugiesen immerhin praktisch schon sicher in der K.-o.-Runde. „Wir haben uns verbessert“, sagte Ronaldo. Es gebe immer wieder Rückschläge während der Spiele, während des Lebens. „Und das wichtigste Ziel ist immer, sich zu verbessern.“ Wenn es aber so laufe, wie über weite Strecken gegen Usbekistan, sei Portugal nur schwer zu stoppen. „Es ist kein Zufall, dass wir fünf Tore erzielt haben“, sagte Ronaldo.
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