29.03.2019 - 16:25 Uhr
Theuern bei KümmersbruckSport

Ein Kaiser war Elfmeterkönig

Fast 50 Jahre ist es her: Elfmeterpfiff beim Spiel SV Hahnbach gegen TSV Theuern: Keeper Manfred Kaiser pariert den ersten. Der Referee lässt wiederholen: Ein zweites Mal, ein drittes und ein viertes Mal hält Kaiser das Leder.

Die Mannschaft des TSV Theuern 1974 mit dem legendären Torwart Manfred Kaiser (Dritter von links).
von Autor WFOProfil

Darauf der Schiri trocken: "Jetzt spuil'n ma weiter, ihr bringt's den eh' ned eine!"

Vor 55 Jahren wurde der TSV Theuern aus der Taufe gehoben: Zunächst tummelte er sich im Mittelfeld der C-Klasse (heutige A-Klasse), ehe nach einer starken Saison Anfang der 70er Jahre im Spieljahr 1972/73 als Zweiter hinter dem SV Inter Bergsteig Amberg der Aufstieg in die damalige B-Klasse (heute Kreisklasse) gelang. Der Turn- und Sportverein mutierte in die Rolle einer Fahrstuhlmannschaft und pendelte zwischen C- und B-Klasse oder später zwischen A-Klasse und Kreisklasse.

Fahrstuhl fährt wieder

Nur in den späten 90er Jahren spielten die Vilstaler in der Kreisklasse vorne mit und für kurze Zeit sogar in der Kreisliga. Mittlerweile ist der Fahrstuhl wieder in Betrieb: Der TSV Theuern schaffte den Aufstieg in die Kreisklasse (bisher sieben Mal), kämpft dort um den Ligaverbleib, rutscht wieder in die A-Klasse, um dann wieder einmal aufzusteigen.

Außergewöhnliche Spieler hat der TSV Theuern aber immer wieder in seinen Reihen und einer sorgte in den 70er Jahren am Elfmeterpunkt für Furore: Manfred Kaiser, der im Sommer 1970 zusammen mit dem damals neuen Trainer Karl-Heinz Funke von der SGS Amberg kam. Kaiser hatte aber seine Fußballlaufbahn beim FC Amberg als Schülerspieler begonnen. Und dort stellte man ihn irgendwann ins Tor: "Wahrscheinlich, weil ich der Faulste war", argwöhnt Manfred Kaiser, der im Mai seinen 75. Geburtstag feiern wird.

Im Archiv des TSV Theuern finden sich Bonmots wie beim 3:2-Sieg im Juni 1971 im DFB-Pokal gegen den eine Klasse höher spielenden TSV Kümmersbruck: "Torwart Kaiser zeigte bei den zwei Strafstößen keine Nerven, ist Elfmeterschütze Nummer eins".

"Habe mich erbarmt"

In der Aufstiegssaison 1972/73 unter Trainer Rupert Fischer schoss Torwächter Kaiser fünf zum Teil entscheidenden Tore, jeweils per Elfmeter: "Da war kein anderer Schütze zu finden und da hab ich mich dann erbarmt." In der darauf folgenden ersten Saison in der B-Klasse war Manfred Kaiser bis zur Winterpause sogar Torschützenkönig bei seinem Verein, wie in der AZ vom November 1973 zu lesen war: "Bezeichnend für die Schwäche der (Theuerner) Stürmer ist die Tatsache, dass ihr Torwart Kaiser (...) eine echte Konkurrenz ist."

Die Erfolgsquote von Kaiser war sehr hoch, aber, so erinnert er sich, "im Spiel gegen Seugast habe ich einen Elfmeter versemmelt, der ist voll verhungert und war eher eine Rückgabe." In jenem Jahr ist der TSV auch abgestiegen, aber dieser Fehlschuss war vermutlich nicht entscheidend...

Im Freundschaftsspiel gegen Ebermannsdorf im Februar 1974 versenkte der Torwart wieder einen Elfer, verletzte sich aber in diesem Match so schwer, dass er fast ein Jahr nicht mehr spielen konnte. Theuern rettete sich trotzdem noch auf den drittletzten Platz, musste aber im Folgejahr die bittere Abstiegspille schlucken.

Klein und ein Acker

"Früher musstest du als Torwart eingreifen, wenn der Mittelläufer ausgespielt war, jetzt bist du viel mehr in das Spiel eingebunden", erinnert sich Kaiser, der nach seiner Karriere als Jugendtrainer beim TSV aktiv war und in der ersten Mannschaft und bei den Alten Herren als Aushilfe im Einsatz war. "Früher war aber noch Vieles anders", erinnert sich der Elfmeterkönig schmunzelnd. "Denn die Plätze waren teilweise sehr klein und ähnelten mitunter einem Acker." Trotzdem möchte er irgendwie diese auch "sagenhafte Zeit" nicht missen.

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