23.07.2021 - 13:17 Uhr
WackersdorfSport

Geheime Kommandosache: Die "Schumis" in der Oberpfalz

Sein Vater Michael ist eine Legende, er will eine werden. Mick Schumacher fährt seit diesem Jahr in der Formel 1. Ein bisschen was von seinen Fahrkünsten hat er auch auf der Kartbahn in Wackersdorf gelernt. Papa Michael war meist dabei. Bilder davon existieren kaum – es sollte keiner wissen.

Michael Schumacher (Mitte) mit Hans Glogger (hinten links), dem Ersten Vorsitzenden des SV Alten-/Neuenschwand, und seinem Stellvertreter Fridolin Hecht (hinten rechts) sowie Hechts Enkel Daniel (vorne rechts) und Nico (vorne links).
von Josef Maier Kontakt Profil

Die Kommandosache war total geheim: „Ich hab’ einen Anruf gekriegt, ich soll zum Fußballplatz kommen.“ Fridolin Hecht fuhr los und am Platz des SV Alten-/Neuenschwand warteten schon ein paar Fußballhungrige in kurzen Hosen. Hecht blickte sich kurz um. „Das ist doch ...?“ Genau. Der, den Hecht sofort erkannte, war besonders heiß auf ein Fußballmatch und er war vor allem in einer anderen Sportart schon längst eine Legende: Michael Schumacher konnte den Anpfiff kaum erwarten.

„O mei, wie lange ist das schon her?“ Hecht, der Zweite Vorsitzende des Kreisligisten aus dem Raum Schwandorf, grübelt. „Es dürfte so 2010, 2011 gewesen sein.“ Ganz genau erinnert sich Hecht daran, dass Schumi auch am Ball großes Talent hatte. „Schumacher ist ein wirklich guter Fußballer“, sagt er. Noch mehr war er aber vom Auftreten des siebenfachen Formel-1-Weltmeisters beeindruckt: „Er war total natürlich, keine Spur überheblich, hat mit allen geplaudert.“ Hecht hatte mit dem Ersten Vorsitzenden Hans Glogger und seinen Enkeln Daniel (damals 11) und Nico (8) die Netze auf die Torstangen gezogen, damit Schumi und die Leute aus aller Herren Länder loslegen konnten. „Die hatten sogar eigene Trikots dabei“, erinnert sich Daniel. Zum Dank gab es für die Altenschwander ein Erinnerungsfoto mit dem Formel-1-Star – eine absolute Rarität.

Unter einem Decknamen

Die fußballhungrige Schar war von Wackersdorf (Landkreis Schwandorf) heruntergekommen, von der dortigen Kartbahn. Michael Schumacher (52) war mit seinem Sohn Mick (heute 22) öfter bei Stephan Fritsch auf dessen Anlage zu Gast. „Michael hat sich auch oft kurzfristig angemeldet“, erzählt der Kartbahn-Besitzer. „Wir konnten das natürlich nicht groß rausposaunen, sonst wäre hier das Chaos ausgebrochen.“ Etliche Male sei der Formel-1-Star in der mittleren Oberpfalz gewesen, um seinen kleinen Sohn Mick bei den Anfängen im Motorsport zu begleiten. In Wackersdorf werden Rennen der deutschen Juniorenmeisterschaft gestartet und der kleine Schumi war da oft am Start. „Mick startete immer unter einem Decknamen.“ Fritsch erinnert sich genau, wie liebevoll der Papa den kleinen Mick anleitete, ihm Tipps gab, ihn anspornte. „Man hat schon gesehen, dass Mick Talent hat“, sagt Fritsch. Und man habe gesehen, dass er, wie der Vater, ein Kämpfer sei.

Nie mit Bodyguards da

Unter den Leuten auf der Kartbahn bewegte sich Michael Schumacher ganz normal, wie Fritsch erzählt: „Er hatte auch nie Bodyguards dabei.“ Die meisten Besuche sind neun bis zwölf Jahre her. Im Jahr 2010 war Schumacher nach einer Pause noch einmal für drei Jahre bei Mercedes ins Cockpit gestiegen und fuhr wieder Rennen. Das hielt ihn aber nicht ab, seinen Sohn immer bei dessen Hobby zu unterstützen. Bis zu seinem tragischen Skiunfall. Seit dem Drama vom Dezember 2013 in den französischen Alpen ist der Kerpener nie wieder in der Öffentlichkeit erschienen.

Dennoch sind auch bei Fritsch die Erinnerungen frisch: „Manchmal war er mit einem großen Camper da.“ Dann nächtigten und lebten die Schumachers – Michaels Vater Rolf war auch mal dabei – auf dem Gelände. Sie genossen Trips an den unweit der Kartbahn gelegenen Murner See, oder es ging zum Essen nach Schwandorf. „Einmal waren sie sogar 14 Tage durchgehend da“, weiß Fritsch noch. Oft wurde im Fahrerlager zusammen gegessen. Der siebenfache Weltmeister, das kleine Karttalent, Mechaniker, Papas andere Fahrer – alle saßen kunterbunt durcheinander. Schumi war für alle der Michael. Das Wichtigste war für die Schumachers aber der Rennsport: Mick sollte lernen. Die Daten wertete der Weltmeister oft höchstpersönlich aus.

Zu Gast auf dem "Birkenhof"

Manchmal nächtigten die Schumachers nicht in ihrem Bus auf dem Kartgelände, sondern buchten sich ein paar Kilometer weiter im „Birkenhof“ in Hofenstetten ein. „Sie waren etliche Mal da“, sagt Hubert Obendorfer, der Chef des bekannten Landhotels. Nicht nur Mick und Michael, sondern auch andere Familienmitglieder seien immer wieder nach Hofenstetten unweit von Neunburg vorm Wald gekommen. „Auch Michaels Bruder Ralf war öfter mit der Familie da“, erinnert sich der Sternekoch.

Alle Schumachers gaben sich völlig bescheiden. „Michael ist spätnachts mal angekommen und hat unter einem anderen Namen eingecheckt“, erzählt Obendorfer. „Meine Mutter hatte ihn gar nicht erkannt.“ Am nächsten Morgen saß Schumi in aller Früh ganz normal zwischen allen Gästen – ohne irgendwelche Sonderwünsche. „Er ist ein wirklich netter, bescheidener Mensch“, charakterisiert der Hotelchef den berühmten Gast. „Wir sind wirklich stolz, dass sie zu uns gekommen sind.“

Allerdings verewigt hat sich der Formel-1-Weltmeister nirgendwo. Kein Bild, kein Autogramm gibt es im Hotel. „Das machen wir nicht“, sagt Obendorfer. „Das haben wir auch nicht gemacht, als zuletzt Til Schweiger oder Senta Berger da waren.“

Mick mit dem Manager in Wackersdorf

Der Schumacher-Clan hat die Oberpfalz nicht vergessen. Vor eineinhalb Jahren war Mick Schumacher mit seinem Manager Peter Kaiser, einem ganz engen Freund seines Vaters, in Bayern unterwegs. Ein kurzer Anruf bei Stephan Fritsch „und die beiden sind dann auf einen Kaffee zu uns gekommen“, erzählt der Kartbahnbetreiber. Mick erzählte von seinen Fortschritten als damaliger Formel-2-Pilot und erinnerte sich auch noch an so manche Geschichte von damals, als er im Kart über die Wackersdorfer Rennbahn bretterte.

Die Schumachers haben ihre Spuren in der Oberpfalz. Und die Kicker von damals haben auch die eine oder andere Spur nach einer Grätsche auf dem Altenschwander Fußballplatz hinterlassen. Hoch ging’s her, als die Papas der künftigen Rennfahrer sowie Monteure und Mechaniker auf dem Platz kickten. Wie genau das Spiel ausgegangen ist, weiß Fridolin Hecht nicht mehr. Aber an einen Spruch eines Spielers, der mal kurz vor dem Sportheim eine rauchte, erinnert er sich schmunzelnd: „Der sagte: Da stehen jetzt etliche Millionäre auf dem Platz.“ Aber auch die wollten einfach nur spielen.

Mick Schumachers Weg nach oben

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Michael Schumacher - bisher unerreicht

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Info:

Das ist Mick Schumacher

  • Geboren am 22. März 1999 in Vufflens-le-Château(Schweiz)
  • 2008–2014: Kartsport
  • 2015: Deutsche Formel 4
    (Platz 10)
  • 2016: MRF Challenge Formel 2000 (Platz 10)
  • 2016: Deutsche Formel 4 (Platz 2)
  • 2016: Italienische Formel 4
    (Platz 2)
  • 2017: MRF Challenge Formel 2000 (Platz 3)
  • 2017: Europäische Formel 3
    (Platz 12)
  • 2018: Europäische Formel 3 (Meister)
  • 2019: Formel 2 (Platz 12)
  • 2020: Formel 2 (Meister)

"Er war total natürlich, keine Spur überheblich, hat mit allen geplaudert."

Fridolin Hecht, Zweiter Vorsitzender des SV Alten-/Neuenschwand, über Michael Schumacher

„Auch Michaels Bruder Ralf war öfter mit der Familie da."

Hubert Obendorfer, Chef des Landhotels "Birkenhof" in Hofenstetten

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