Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat beim 27. Ordentlichen Verbandstag in Bad Gögging weitreichende Änderungen für den Amateurfußball beschlossen – mit direkten Auswirkungen auf den Spielbetrieb im Freistaat. Während eine neue Spielordnung den Rahmen modernisiert, sorgen mehrere konkrete Regelanpassungen für deutliche Veränderungen auf dem Platz.
Im Mittelpunkt steht dabei die Abschaffung der Zehn-Minuten-Zeitstrafe. Die erst 2022 im Erwachsenenbereich eingeführte Regel gehört künftig wieder der Vergangenheit an. Ausschlaggebend waren geänderte Vorgaben des International Football Association Board (IFAB), die den Einsatz der Zeitstrafe stark eingeschränkt hätten. Künftig wäre sie nur noch bei Unsportlichkeiten möglich gewesen – dem folgten die Delegierten nicht. Auf Vorschlag des BFV-Vorstands beschlossen sie einstimmig, die Zeitstrafe komplett – also auch im Jugendbereich – zu streichen.
Neben dieser zentralen Entscheidung nimmt der Verband auch strukturelle Anpassungen im Spielbetrieb vor. Eine Schlüsselfrage betraf die Einsatzregelung für Spielerinnen und Spieler in mehreren Mannschaften eines Vereins. Der vielfach kritisierte Paragraf 34 wurde umfassend überarbeitet und deutlich vereinfacht. Künftig gilt ein einheitliches Prinzip von der C‑Klasse bis zur Bayernliga: Wer in einer höherklassigen Mannschaft spielt, darf im nächsten Meisterschaftsspiel der unterklassigen Mannschaft grundsätzlich nicht mehr eingesetzt werden – unabhängig von Einsatzdauer oder Zeitpunkt.
Gleichzeitig schafft der BFV neue Ausnahmen, um die Praxis in den Amateurklubs zu erleichtern. So bleiben unter anderem U23-Spieler sowie Akteure, die erst in der zweiten Halbzeit zum Einsatz kamen, weiterhin spielberechtigt. Für Vereine in der Kreisklasse und tiefer, die häufig mit besonders kleinen Kadern arbeiten, werden zusätzliche Spielräume eröffnet. Je nach Liga können weitere Spieler eingesetzt werden, um Personalengpässe abzufedern.
Auch die Digitalisierung hält stärker Einzug in den Spielbetrieb: Künftig ist der Einsatz des BFV-Livetickers bereits ab der Kreisliga verpflichtend – bislang galt dies erst ab Bezirksebene. Damit reagiert der Verband auf gestiegene Erwartungen an transparente und zeitnahe Spielinformationen.
Darüber hinaus beschlossen die Delegierten, bestehende Sperrregeln auszuweiten. Die automatische Spielsperre nach Gelb-Roter Karte sowie nach fünf Gelben Karten, bislang nur in der Regionalliga Bayern angewendet, wird künftig auch auf die Bayern- und Landesligen übertragen. Auf Bezirks- und Kreisebene bleibt alles beim Alten.
Insgesamt markieren die Beschlüsse einen deutlichen Kurswechsel im bayerischen Amateurfußball: weniger komplexe Regelwerke, mehr Flexibilität für Vereine – und mit der Abschaffung der Zeitstrafe auch eine Rückkehr zu klassischen Sanktionsformen auf dem Platz.













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