06.09.2020 - 23:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

BFV-Umfrage: So denken die Vereine in der Region

Bis Montag um 10 Uhr läuft die Befragung des Bayerischen Fußballverbandes noch: Der BFV will von den 4500 Vereinen wissen, wie er im Streit um die Wiederaufnahme des Spielbetriebs weiter vorgehen soll. Wir haben uns in der Region umgehört.

Wie geht es weiter im Amateurfußball? Am Montagvormittag gibt der Bayerische Fußball-Verband das Ergebnis einer Umfrage unter allen 4500 Vereinen bekannt.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Erneut lässt Rainer Koch abstimmen: Der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) bittet die Vereine, bis Montag, 7. September, 10 Uhr, an die virtuelle Urne. Der Dachverband will von seinen knapp 4500 Vereinen wissen, ob sie das Wettkampfverbot der Politik für richtig halten, ob der Spielbetrieb baldmöglichst wieder aufgenommen werden soll und ob der BFV, falls nötig, rechtliche Schritte zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs ergreifen soll. Am Montag will der BFV das Abstimmungsergebnis veröffentlichen sowie die weiteren Schritte besprechen. Die Eile hat einen Grund: Am Dienstag, 8. September, tagt der Ministerrat der bayerischen Staatsregierung das nächste Mal, und erneut blicken dann die Amateursportler nach München, ob es diesmal Aussagen zum Sport geben wird. Die Ansichten der fünf befragten Vereinsvertreter gehen dabei durchaus auseinander.

Thomas Milde (DJK Gebenbach)

Thomas Milde (DJK Gebenbach)

„Wir haben abgestimmt, dass rechtliche Mittel eingeleitet werden, weil es für den Amateursport sehr existenzgefährdend ist. Wir hatten viel Verständnis, aber mittlerweile fehlt das. Wir haben Einnahmenverluste zwischen 30 000 und 50 000 Euro“, erklärt Thomas Milde, der 2. Fußballabteilungsleiter des Bayernligisten DJK Gebenbach. Deswegen müsse nun auf gerichtlichem Wege „schnellstens etwas gemacht werden“. Sonst könne man auch die Jugendlichen nicht mehr beim Fußball halten. Wenn man nach Sachsen blickt, wo 1500 Zuschauer bei einem Spiel waren, fehle ihm jegliches Verständnis: „Da muss ein Dr. Markus Söder mal über seinen Schatten springen. 4500 Fußballvereine sind schon mehr als nur 5.“

Thomas Schramm (FC Tirschenreuth)

Thomas Schramm (FC Tirschenreuth)

Der Spielleiter des FC Tirschenreuth aus der Bezirksliga Oberfranken Ost sagte, dass sein Verein für eine mögliche Klage des Fußball-Verbands gegen die Staatsregierung gestimmt hat. „Wir sind klar für eine möglichst rasche Rückkehr zum Spielbetrieb mit Zuschauern. Alles andere ergibt für unseren Verein aus wirtschaftlicher Sicht keinen Sinn“, sagte Schramm. Damit seien aber nicht nur die Eintrittsgelder gemeint, sondern vor allem auch die Einnahmen aus Getränke- und Essensverkauf. „Ich bin weder Vorsitzender noch Kassier des FC, und die Zahlen gehen mich normalerweise auch nichts an, aber auf Dauer sind die weiterlaufenden Ausgaben ohne Spielbetrieb oder auch nur mit einem Geister-Spielbetrieb nicht mehr zu stemmen.“

Matthias Tafelmeier (SV Freudenberg)

Matthias Tafelmeier (SV Freudenberg)

Der Fußballabteilungsleiter des SV Freudenberg (Kreisliga) erklärt, dass sein Verein gegen eine Klage gestimmt hat. „Es ist ja nicht so, dass man am Montag eine Klage abgibt, und am Dienstag wird verhandelt“, sagt Tafelmeier. „Wir sind der Meinung, dass es besser ist, jetzt in die Winterpause zu gehen und im März die Rückrunde fortzuführen. Vielleicht ist die Lage dann, was Corona betrifft, deutlich besser.“ Was den Freudenberger Fußball-Chef noch stört: „Die Herren vom BFV sagen immer, dass sie die kleinen Vereine schützen wollen. Aber es macht keinen Sinn, es ständig um zwei Wochen rauszuzögern. Man muss die Trainer zahlen und hat keine Einnahmen. Da macht man die kleinen Vereine noch mehr kaputt.“

Jürgen Hartwich (DJK Irchenrieth)

Jürgen Hartwich (DJK Irchenrieth)

Der Abteilungsleiter des Kreisklassisten DJK Irchenrieth hat umgehend abgestimmt, nachdem die Befragung des Bayerischen Fußball-Verbands im Postfach war. „Ich habe für die Option einer Klage gegen die bayerische Staatsregierung gestimmt. Ich bin der Meinung, wir müssen nun alle Mittel ziehen, damit endlich etwas weitergeht.“ Auch die DJK fühle sich im Vergleich zu kulturellen Events und Veranstaltungen allgemein im Außenbereich „etwas benachteiligt“. Hartwich ergänzt: „Andere Brachen sind wieder aktiv, zwar nach wie vor eingeschränkt, aber immerhin. Diese Ungleichbehandlung verstehe ich nicht.“ Hartwich hofft, dass „die Politik noch einlenkt“, und es erst gar nicht zu einer Klage kommen muss.

Jürgen Grundler (FC Freihung)

Jürgen Grundler (FC Freihung)

Der A-Klassist FC Freihung wird nicht abstimmen – und da wird Vorsitzender Jürgen Grundler deutlich: „Wir haben einen Präsidenten namens Rainer Koch, und der soll die Sache gefälligst selbst in die Hand nehmen und sich nicht ständig hinter den Vereinen verstecken. Dafür ist er gewählt, dafür haben wir einen Präsidenten. Er soll sich darum kümmern, dass in Bayern wieder Fußball gespielt werden kann, und nicht dauernd irgendwelche Abstimmungen machen.“ Jetzt wolle Koch klagen, vor Gericht ziehen. „Der Verband übernimmt die Kosten dafür, aber wer ist der Verband? Das sind wir, die Vereine. Das müssen wir bezahlen.“

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Martin Greger

Interessante Umfragen die zeigen, die Antworten fallen dementsprechend aus, welche Informationen (über welche Kanäle) die jeweiligen Mitmenschen erhalten. Deshalb gibt es auch eine sehr unterschiedliche Sicht zu diesem Thema.

07.09.2020