26.09.2018 - 20:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Blue Devils vor dem Saisonstart: Zusammenhalt als Erfolgsfaktor

Stark, stärker, Oberliga Süd: Am Freitag startet die dritthöchste Eishockey-Spielklasse in die Saison. Die Favoriten sind mit den üblichen Verdächtigen wie Rosenheim oder Landshut schnell benannt. Aber wo sind die Blue Devils einzuordnen?

Bereit für den Saisonstart: EV-Vorsitzender Thomas Siller, Trainer Ken Latta und Kapitän Ralf Herbst freuen sich auf die neue Spielzeit in der Eishockey-Oberliga Süd.

von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Weiden. (af) Bäume ausgerissen haben die Weidener in den vergangenen Oberliga-Zeiten nicht. Die Saison 2017/18 etwa verlief mit Platz acht in der Meisterrunde und dem Playoff-Erstrunden-Aus unterm Strich enttäuschend. Finanzielle Potenz der Konkurrenz, mangelnde Motivation mancher Spieler - das mäßige Abschneiden hatte Gründe. Vor allem Letzteres soll kein Thema mehr sein. Die Blue Devils setzen, wie Vorsitzender Thomas Siller, Trainer Ken Latta und Co-Trainer Florian Zellner im Redaktionsinterview verrieten, mehr denn je auf Teamgeist. Und auf die treuen Fans, die durch den Erfolg bei der Crowdfunding-Aktion die weitere Oberliga-Teilnahme erst ermöglichten.

ONETZ: Herr Latta, Sie sind Mitte Januar in einer schwierigen Phase zu den Blue Devils gekommen und haben einiges noch zum Positiven gewendet. Wie schätzen Sie die heutige Situation im Vergleich zu der vor acht Monaten ein?

Ken Latta: Eishockey ist ein Mannschaftssport. Der Zusammenhalt ist eine Voraussetzung, um Erfolg zu haben. In der vergangenen Saison gab es im Kader vier, fünf Gruppen, da war zu viel Negatives in der Kabine. Jetzt haben wir das so nicht mehr. Der Zusammenhalt ist viel besser, wir sind schon eine Mannschaft heuer. Florian Zellner: Unsere teambildenden Maßnahmen greifen. Wir haben zum Beispiel einen Zoiglabend veranstaltet oder auch gemeinsam das Weidener Volksfest besucht. Es motiviert und macht einfach mehr Spaß für jeden Spieler.

ONETZ: Als Spieler und Trainer sind Sie weit herumgekommen, Herr Latta. Wie bewerten Sie den Eishockey-Standort Weiden?

Latta: Von den Strukturen her hat Weiden alles, was es braucht. Das Stadion ist super und fast noch genauso neu wie vor 20 Jahren, als ich mit Peiting hier erstmals gespielt habe. Und der 1. EV Weiden hat viele Leute und Helfer, die sich um die Dinge kümmern. Das sind beste Voraussetzungen. Ich muss aber zugeben: Von Weiden selbst habe ich noch gar nicht so viel gesehen.

ONETZ: Die sechswöchige Vorbereitungszeit mit einem Trainingslager und neun Testspielen ist vorbei. Ihr Fazit?

Latta: Die Vorbereitung war sehr lange, aber auch intensiv und erfolgreich. Die Spieler sind eisfit und gut vorbereitet für den Saisonauftakt.

ONETZ: Der Kader ist im Vergleich zum Vorjahr dünner besetzt. In der Verteidigung sind Petr Heider und Peter Hendrikson weg, Barry Noe spielt künftig im Sturm, nur Maximilian Deichstetter ist neu. Im Angriff wurde Josef Straka durch Christian Ouellet ersetzt. Tom Pauker und Vitalij Stähle sind Abgänge, nur Marco Habermann kam dazu ...

Thomas Siller: Ganz klar: Wir haben zwei Profi-Stellen, die von Stähle und Heider, nicht mehr besetzt.Von den Finanzen her war einfach der Druck da, diese beiden Positionen einzusparen. Auf dem Papier haben wir vielleicht nicht ganz so die Qualität. Wenn aber nun Spieler, die alles geben, ihre Chance bekommen, muss das nicht unbedingt schlecht sein. Wir hoffen, dass wir über den Teamgeist einiges ausgleichen.

ONETZ: Aus dem Nachwuchs kommt seit Jahren zu wenig. Heuer scheint lediglich Valentin Bäumler den Sprung zu schaffen. Stimmt der finanzielle Aufwand in Bezug auf den Ertrag?

Latta: Wir haben schon eine gewisse Tiefe im Kader, auch aufgrund unserer Nachwuchsspieler. Ich habe mir am Wochenende die U20-Junioren im Heimspiel gegen Dorfen angeschaut und war positiv beeindruckt. Unsere jungen Spieler brauchen sicherlich noch Zeit, aber wir müssen sie unterstützen. Valentin Bäumler zum Beispiel hat bislang eine Coolness und ein Stellungsspiel an den Tag gelegt, die wir so nicht auf der Rechnung hatten. Er hat gezeigt, dass er bereit ist. Wir werden aber auch mit den anderen vier, fünf Nachwuchsleuten arbeiten, um sie an die Mannschaft heranzuführen. Geduld ist dabei das Wichtigste. Die Jungs müssen lernen, eine ganze Saison durchzuhalten und auf ihre Chance zu warten. Zellner: Vom Nachwuchs in die dritte Liga zu wechseln, ist schon hart. Die jungen Spieler müssen langsam wachsen und an sich arbeiten. Vielleicht schafft es einer in einem halben Jahr in die Oberliga, vielleicht aber auch nicht. Das muss die Zeit zeigen. Siller: Wir geben als Verein über 100 000 Euro im Jahr für die Nachwuchsarbeit aus. Wir können aber nur die Rahmenbedingungen schaffen. Den Ausdauer und den Mut müssen die jungen Spieler selbst aufbringen. Wenn jemand abspringt, können wir das nicht ändern. Letztlich muss jeder Junge auch an der gestellten Aufgabe wachsen. Für einen Verein wie den 1. EV Weiden wäre es optimal, alle zwei Jahre aus dem eigenen Nachwuchs einen Oberliga-Spieler rauszubringen.

ONETZ: Wie schätzen Sie das Niveau der Oberliga Süd ein? Wer sind die Favoriten?

Latta: Die Oberliga Süd ist schon eine starke Liga. In der Oberliga Nord sind es vielleicht drei, vier richtig gute Mannschaften, im Süden gibt es keine wirklichen schwachen Teams. Unsere Liga ist vielleicht sogar nochmal stärker geworden im Vergleich zum Vorjahr. Rosenheim, Landshut und Selb haben Qualität, die sehe ich ganz vorne. Mannschaften wie Lindau und Sonthofen sind auf unserem Niveau. Siller: Der EC Peiting war vor vier Jahren Oberliga-Meister. Mit fast der gleichen Mannschaft ist Peiting zuletzt Fünfter geworden. Daraus ist abzulesen, dass die Oberliga noch ein Stück stärker geworden ist. Sportlich mitzuhalten, ist auch eine Frage des Geldes. Uns fehlen halt im Vergleich zu anderen Vereinen 100 000 bis 200 000 Euro.

ONETZ: Wo sind die Blue Devils im Zwölfer-Feld einzuordnen?

Latta: Irgendwo in der Mitte. Ein Platz in den Playoffs wäre optimal. Wir müssen aber für unsere Ziele kämpfen. Siller: Ich sehe das zweistufig. Wir wollen natürlich zunächst die Klasse halten und die Qualifikation für die Meisterrunde schaffen. Erst danach sind die Playoffs ein Thema.

ONETZ: In den Sommermonaten war neben der Eisfläche viel los. Es gab die Crowdfunding-Aktion, bei der 114 000 Euro gesammelt wurden, außerdem wurde eine Spielbetriebs-GmbH gegründet. Gerade von der Spendenaktion hatte sich so mancher Fans mehr erhofft, was die Qualität des Kaders betrifft ...

Siller: Nach Abzug aller Gebühren und Steuern bleiben von der Crowdfunding-Summe rund 85 000 Euro übrig. Dieses Geld ist dafür gedacht, eine Lücke, wie es sie immer wieder und auch zu Ende letzter Saison gab, gar nicht erst entstehen zu lassen. Diesen Verwendungszweck haben viele so nicht begriffen. Alte Löcher wurden bislang immer vom Vorstand aus der eigenen Tasche gestopft. Das kann aber kein Dauerzustand sein. Das Geld des Crownfunding ist ein notwendiger Teil des Budgets, um die Saison mit Plus-Minus-Null abschließen zu können. Für die kommende Spielzeit haben wir auf Basis des letztjährigen Schnitts von 1280 Zuschauern konservativ kalkuliert.

ONETZ: Wird die neue GmbH das Weidener Eishockey weiterbringen?

Siller: Was die GmbH betrifft, war deren Gründung schwer, obwohl wir mehr oder weniger schuldenfrei in diese gehen. In der nördlichen Oberpfalz tut man sich schwer, jemanden für diese Sache als Gesellschafter zu gewinnen. Eines ist klar: Wir müssen uns bei der Sponsorengewinnung professionalisieren. Es geht darum, auf Dauer zusätzlich 50 000 bis 70 000 Euro zu generieren. Es werden sich Leute um diese Aufgabe kümmern. So, wie wir bisher gearbeitet haben, kommen wir nicht weiter. Die bevorstehende Saison wird zeigen, ob wir es schaffen, die Strukturen so zu ändern, dass wir bestimmte wirtschaftliche Probleme lösen können. Ein sportlicher Erfolg wäre hier als Rückenwind natürlich hilfreich.

ONETZ: Wieviel Spielraum hat man, um den Kader eventuell noch zu ergänzen?

Siller: Ein weiterer Neuzugang ist dann eine Option, wenn er finanziell ins Konzept passt. Latta: Der Spielermarkt in Deutschland ist leergefegt. Nur wer Geld hat, bekommt die Spieler, die er haben will. Ein solcher Spieler müsste auch charakterlich passen und uns sportlich weiterhelfen können. Sollte sich die Frage ergeben, werden wir sie diskutieren.

ONETZ: Das Eishockey lebt von seinen Fans, auch in Weiden. Wie wichtig ist die Unterstützung von den Rängen?

Zellner: Das Crowdfunding hat eindrucksvoll gezeigt, welchen Rückhalt das Eishockey in der Region hat. Die Begeisterung ist weiterhin da. Es liegt an der Mannschaft, diese mit guten Leistungen auch hochzuhalten. Siller: Unsere Fans haben ein gutes Gespür dafür, ob die Mannschaft alles gibt. Wenn ja, dann sind sie auch alle da.

ONETZ: Ihr Tipp für den Saisonauftakt am Freitag zu Hause gegen den Höchstadter EC?

Siller: Wir gewinnen 5:3. Zellner: Ich tippe auf einen 5:1-Sieg. Latta: Ein Ergebnis tippe ich nicht. Wir werden aber mehr als drei Tore schießen müssen, um zu gewinnen.

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