Nach dem Insolvenzantrag der Ziegler-Holding am vergangenen Mittwoch war schnell klar, dass auf den Eishockey-Standort Weiden durch den Wegfall des Hauptsponsors harte Zeiten zukommen würden. Wie hart, das lässt sich seit Sonntag erstmals auch in Zahlen benennen. In den Etats der Blue Devils Weiden und des 1. EV Weiden klafft nach dem Ziegler-Schock ein Loch von 1,3 Millionen Euro. Dies gab der Verein in einer Pressemitteilung bekannt, die dramatisch realistisch überschrieben war: "Rettungsaktion läuft: Eishockeystandort Weiden kämpft ums Überleben".
Gegenüber Oberpfalz-Medien konkretisierte Franz Vodermeier, der Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH, auf Nachfrage, dass sich das Defizit beim Stammverein auf 200.000 Euro beläuft, demzufolge fehlen den Profis 1,1 Millionen Euro. Offen ließen sowohl die offizielle Mitteilung als auch Vodermeier, wie sehr die Zeit drängt. Also wie lange die finanziellen Reserven und Zuwendungen anderer Sponsoren noch ausreichen, um den Spielbetrieb in der zweithöchsten deutschen Eishockey-Liga sicherzustellen.
"Unsere Zielsetzung ist die Sicherstellung des Spielbetriebs der Jugend, des gesamten 1. EV Weiden und der 1. Mannschaft in der DEL2 über die Saison 2024/2025 hinaus. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die finanzielle Lage zu stabilisieren und den Standort langfristig zu sichern", sagte Vodermeier weiter. Nach Informationen von Oberpfalz-Medien sollen zumindest die Dezember-Zahlungen in der GmbH noch gewährleistet werden können, ehe das Geld knapp werden könnte. "Die Zeit drängt, aber die Hoffnung bleibt ungebrochen", wird in der Mitteilung lediglich angedeutet, dass der (Zeit-)Druck groß ist.
397 Spender beteiligt
Besonders dramatisch stellt sich die Situation für die Nachwuchsabteilung des 1. EV Weiden dar. "Rund 200 Kinder und Jugendliche, die jeden Tag hart trainieren und diesen Verein leben und lieben, haben beim 1. EV Weiden ihre sportliche Heimat. Der Hauptverein bildet die Existenzgrundlage für das Aushängeschild, die Profimannschaft in der DEL2", wird die Lage beim EV seitens der Weidener beschrieben. Mit den 200.000 Euro aus dem Hause Ziegler wurden vor allem die drei hauptamtlichen Trainer finanziert, die beim Nachwuchs für ein ansprechendes Ausbildungsniveau sorgen sollen.
Um den Spielbetrieb in der DEL2 und beim Nachwuchs unter dem Dach des 1. EV Weiden aufrechterhalten zu können, legten die Spielbetriebs-GmbH und der EV ein Maßnahmenpaket vor, mit dem der finanzielle Kollaps beider Organisationen und damit des gesamten Standorts Weiden verhindert werden soll. Unter der Federführung von Christian Kaminsky, dem ehrenamtlichen Pressesprecher, wurde eine Online-Spendenaktion ins Leben gerufen, die unter dem Motto "1 Million mal 1 Euro" steht. Nach wenigen Stunden waren am Sonntagabend bereits über 18.000 Euro an Spenden eingegangen, 397 Personen hatten sich mit Zuwendungen zwischen 5 und 1000 Euro an der Rettung des Weidener Eishockeys beteiligt.
Darüber hinaus wurde eine Taskforce ins Leben gerufen. "Die Taskforce besteht aus zehn Personen aus dem unmittelbaren Umfeld des Vereins und der GmbH, die sich um Finanzen, Sponsoren und Kommunikation kümmert. Sie arbeiten mit viel Engagement daran, den Standort Weiden langfristig zu sichern", beschrieb Vodermeier diese neue Retter-Organisation, die bereits erste "zarte Erfolge" vermelden konnte. "Erste Sponsoren haben über ihr bisheriges Engagement hinaus ihre finanzielle und personelle Unterstützung zugesagt", hieß es dazu im Presse-Statement. Dazu erfolgten ein "Aufruf an die regionale und überregionale Wirtschaft" sowie ein "Appell an die große, wunderbare Eishockeyfamilie in ganz Deutschland", um dabei zu helfen, Weiden als Eishockeystandort zu erhalten.
Berater bieten Weidener Spieler an
Doch während die Verantwortlichen in Weiden großes Engagement aufbieten, um die aktuelle und zukünftige Spielzeiten sicherzustellen, zeigt sich fernab der finanziellen Sorgen, dass es sich in der DEL2 um ein gnadenloses Eishockey-Profitum handelt, bei dem es keine Rücksicht für regionale Befindlichkeiten gibt. Berater sollen nach Informationen von Oberpfalz-Medien Spieler aus dem Kader der Blue Devils Weiden bereits aktiv bei anderen Vereinen anbieten. Teilweise sollen diese Aktionen proaktiv von Beraterseite ausgehen, mitunter aber auch auf Betreiben der Spieler hin, die sich Sorgen um ihren künftigen Lebensunterhalt machen.
Geschäftsführer Franz Vodermeier hat zu der Frage, ob Weidener Spieler aufgrund der Insolvenz eines Hauptsponsors während der Saison aus ihrem Vertrag kommen könnten, eine klare Meinung: "Wir kommentieren grundsätzlich keine Gerüchte zu Personalfragen. Der Fokus liegt aktuell darauf, gemeinsam die Zukunft des Vereins zu sichern. Die Spieler haben einen Vertrag bei der Spielbetriebs-GmbH. Also nein!"
Aber nicht nur Weidener Spieler sind derzeit aufgrund der ungewissen Zukunft Teil der deutschlandweiten Gerüchteküche, auch Trainer Sebastian Buchwieser wurde am Samstag nach der Entlassung von Ville Hämäläinen als Coach des DEL-2-Konkurrenten Eisbären Regensburg prompt bei Insidern aus der Bezirkshauptstadt als Nachfolgekandidat gehandelt. Da ist nach Informationen von Oberpfalz-Medien aber noch nichts dran und auch Vodermeier wollte diese Personalie nicht kommentieren.
Finanzieller Überlebenskampf, Abwanderungsgerüchte aus dem Profikader, Zukunftssorgen bei den Nachwuchsspielern: Der Eishockey-Standort Weiden versucht nur wenige Monate nach der Sternstunde des DEL-2-Aufstiegs den extremen Absturz von Wolke sieben ins sportliche Nichts zu verhindern – und ist ohne den wichtigsten Geldgeber um die Schwere dieser Aufgabe nicht zu beneiden.



























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