Craig Streu wollte sich überhaupt nicht in die Karten schauen lassen. Der Trainer der Selber Wölfe behielt vor dem vierten Derby in dieser Saison in der DEL2 am Freitagabend (19.30 Uhr) gegen die Blue Devils Weiden seine Analysen komplett für sich. Der sportliche Höhenflug der Blue Devils? Der Aufwind seiner Wölfe? Die Integration der zahlreichen Neuzugänge in seinem Team? Streu ließ sich von Oberpfalz-Medien nicht locken, nur einen einzigen zitierfähigen Satz gab er zur Veröffentlichung frei: "Weiden ist momentan ein sehr heißes Team, und ich erwarte ein super Derbyspiel."
Für diese Erkenntnis muss man jetzt nicht über eine ausgeprägte Eishockey-Expertise verfügen, dazu genügt ein Blick auf die Tabelle: Die Blue Devils sind derzeit mit die heißeste Aktie der gesamten DEL2, sie reiten seit Wochen auf einer Erfolgswelle, die sie mittlerweile auf Platz acht im Klassement gehievt hat. Das vergangene Fünf-Punkte-Wochenende gegen das Top-Team Dresdner Eislöwen und beim direkten Mit-Konkurrenten EHC Freiburg machte auch den letzten Zweiflern klar, dass die Truppe um Kapitän Tomas Rubes sowie Top-Scorer Tyler Ward endgültig ernst macht im Kampf um den Klassenerhalt.
Ansteigende Form in Selb
Nachdem der EC Bad Nauheim sein vorgezogenes Spiel beim EV Landshut am Dienstag mit 1:2 nach Verlängerung verloren hat, schmolz der Vorsprung der Blue Devils auf den ersten Play-down-Platz elf zwar auf vier Zähler zusammen, allerdings haben die Oberpfälzer noch zwei Spiele mehr zu absolvieren als Nauheim. Da kommt dem Derby-Wochenende in Selb und daheim gegen die Eisbären Regensburg fast schon vorentscheidender Charakter zu. Craig Streu hat aber dennoch recht, wenn er ein "super Derbyspiel" erwartet, denn auch die Wölfe scheinen rechtzeitig vor der entscheidenden Saisonphase die Kurve zu kratzen.
Hochkarätige Nachverpflichtungen wie Ryan Smith, Brent Raedeke, Ryan Sproul oder Jordan George haben die Qualität im Vorwerk doch noch einmal auf ein neues Niveau gehoben. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit scheinen die Neuzugänge zu greifen, zuletzt feierten die Oberfranken gegen Regensburg, Kaufbeuren und – überraschend – auch in Kassel drei Siege am Stück. Der Rückstand auf den rettenden Platz zehn beträgt zwar nach wie vor zwölf Punkte, doch die realistischen Planungen in Selb sind ohnehin bereits auf die Play-downs ausgerichtet, in denen der Klassenerhalt letztlich finalisiert werden soll.
Die namhaften Zugänge waren für die Wölfe zum einen eine Qualitätsfrage, zum anderen müssen aber auch verletzte Leistungsträger wie Donat Peter, Marco Pfleger, Marc McNeill und Richard Gelke kompensiert werden. Angesichts dieser Möglichkeiten, dürfte Jürgen Rumrich, der Sportliche Leiter bei den Blue Devils, vor Neid erblassen. Auch er hätte gerne – sowohl in puncto Qualität als auch angesichts einiger verletzter Spieler – am Weidener Kader nachjustiert, für frisches Personal im Saisonendspurt gesorgt. Allein war es ihm nicht möglich, die nach wie vor ungeklärte Zukunft und die prekäre finanzielle Lage legen Rumrich schlicht seit Ende November Handschellen an, zwingen ihn zum tatenlosen Zuschauen.
Gerüchteküche brodelt
Dabei steuert die Spielbetriebs-GmbH auf einen Showdown zu, am kommenden Montag, 10. Februar, steht die Auszahlung der Januar-Gehälter an Kader, Trainerteam, Sportliche Leitung sowie Betreuer an. Nach dem Scheitern eines ersten Deals mit einem potenziellen Investor und Hauptgesellschafter bastelt die Taskforce um Geschäftsführer Franz Vodermeier nach Informationen von Oberpfalz-Medien an einem Investoren-Plan B. Nur drängt eben die Zeit. Dazu befeuert das Schweigen der Verantwortlichen die Gerüchteküche mit jedem Tag aufs Neue. Presseanfragen werden nichtssagend beantwortet, Durchhalteparolen sind an der Tagesordnung, das letzte öffentliche Statement datiert vom 16. Januar, als die Rettung des 1. EV Weiden verkündet wurde, und beim Investoren-Deal A noch der "Teufel im Detail" steckte – mehreren Insidern zufolge zu diesem Zeitpunkt aber bereits gescheitert war.
Dabei lechzen Fans, Sponsoren und Unterstützer nach der erlösenden Nachricht der Rettung, nach überhaupt einer Neuigkeit oder zumindest einem Update. Stattdessen sind die Spieler auf dem Eis derzeit die einzigen, die Taten sprechen lassen und national für Begeisterungsstürme sorgen. "Angesichts dieser Umstände spielen die Blue Devils eine herausragende Saison", heißt es dazu auch aus dem Lager der Selber Wölfe, aller Oberpfalz-Oberfranken-Rivalität zum Trotz.
Wölfe-Trainer Craig Streu indes kennt sich im Oberpfälzer Eishockey bestens aus. Von 1993 bis 1996 stürmte der Kanadier für den ERSC Amberg und schoss den Club aus der Bayern- in die Oberliga. In seiner letzten Spielzeit in Amberg sammelte der nun 56-Jährige satte 116 Scorerpunkte in 45 Spielen, ehe er nach Augsburg in die DEL weiterzog. "Meine Zeit in der Oberpfalz war klasse, es war eine wunderschöne Zeit dort, und ich stehe immer noch mit einigen Leuten dort regelmäßig in Verbindung", gab Streu dann doch noch einen zweiten Satz zur Veröffentlichung frei.
Das sagt Devils-Coach Sebastian Buchwieser
- Zum Gegner: "Wenn man sich alleine die Viten der Neuzugänge ansieht, hat Selb da einen Quantensprung hingelegt. Ihr Spielstil ist immer doch der gleiche, aber von der Qualität her ist diese Mannschaft nicht mehr mit der von unserem letzten Duell vergleichbar."
- Zum Personal: "Vincent Schlenker ist wieder mit dabei, aber wir werden auch in Selb wieder einige Ausfälle zu verzeichnen haben. Im Tor wird wieder Felix Noack stehen."
- Zu Felix Noack: "Er hat sich im Saisonverlauf super entwickelt. Wenn Daniel Allavena nicht nach Nürnberg gewechselt wäre oder wir nicht unseren Hauptsponsor verloren hätten, hätte er vermutlich nicht so viel Spielzeit erhalten. Aber das ist alles Konjunktiv, und Felix hat seine Chance genutzt."
- Freitag, 7. Februar, 19.30 Uhr: Selber Wölfe - Blue Devils Weiden
- Sonntag, 9. Februar, 18.30 Uhr: Blue Devils Weiden - Eisbären Regensburg
- Dienstag, 11. Februar, 20 Uhr: Blue Devils Weiden - Ravensburg Towerstars





















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