28.05.2018 - 15:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Dominik Forster beendet Torwart-Karriere

Auch zwei Tage nach dem Bayernliga-Abstieg haben die Spieler der SpVgg SV Weiden daran zu knabbern. Der lange verletzte Stammtorhüter Dominik Forster muss seine Karriere derweil verletzungsbedingt beenden.

Dominik Forster kehrt wegen einer schweren Ellbogen-Verletzung nicht mehr in den Kasten der SpVgg SV Weiden zurück.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

(fle) Wunden lecken steht derzeit ganz oben auf der Agenda am Weidener Wasserwerk. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien benennen die beiden Kapitäne Dominik Forster und Thomas Wildenauer die Missstände, die ihrer Meinung nach zum Abstieg aus der Bayernliga geführt haben. "Am Ende ist es immer eine Qualitätsfrage. Wir waren sicher vom Kader her nicht so breit aufgestellt, wie das für eine sorgenfreie Bayernliga-Spielzeit nötig gewesen wäre", sagte Dominik Forster, der wegen einer Ellbogen-Verletzung zuletzt nicht mehr ins Geschehen eingreifen konnte.

Kein Team

"Wir haben vor der Saison einige Stammkräfte verloren, die größtenteils durch Jugendspieler ersetzt wurden. Das ist eben die Philosophie des Vereins. Aber ob es jetzt daran lag, weiß ich auch nicht", fügte Wildenauer hinzu. Der Mannschaft sei es bewusst gewesen, dass es im Kampf um den Klassenerhalt auch in dieser Saison wieder eng werden würde. "Wir haben nicht immer als Team funktioniert. Oftmals standen individuelle Interessen über dem Teamgedanken. Erst zum Ende hin wurde es wieder besser, aber da war's schon zu spät", sagte Forster, der zuletzt darunter litt, untätig zusehen zu müssen. "Aber ich hätte das auch nicht rausreißen können. Mein Vertreter Noah Schmidt hat seine Sache gut gemacht."

Als weiteren Grund führen die beiden Leistungsträger die eklatante Negativserie von November bis April an, als die SpVgg zehn Spiele in Folge nicht gewinnen konnte. "Solche Negativspiralen passieren im Fußball immer wieder", sagte Wildenauer. Unverständnis rief der unrühmliche Abgang des tschechischen Trios Adam Hajek, Patrik Kavalir und Ondrej Brusch in Mannschaftskreisen hervor. Letzterer verließ nach seinem Platzverweis am Samstag gegen Vach das Sportgelände bereits, als seine Teamkameraden sich noch gegen den Abstieg wehrten. Kavalir und Hajek wurden keine 24 Stunden nach dem Abstieg bei der SpVgg Bayern Hof als Neuzugänge präsentiert. "Ich habe die drei eigentlich als nette Jungs kennengelernt. Dass sie sich noch nicht mit dem Verein identifiziert haben, ist irgendwo verständlich. Ich glaube, ihnen war schlichtweg nicht bewusst, worum es für die SpVgg SV Weiden ging", versuchte sich Forster an einer Erklärung.

Jugend forscht

"Solche Aktionen gehen in einer Mannschaftssportart gar nicht. Ich bin eh kein Freund von zu vielen ausländischen Akteuren innerhalb eines Amateur-Teams, das fördert nur die Grüppchenbildung", äußerte sich Wildenauer deutlicher. Und wie geht es jetzt weiter? "Der Verein sollte jetzt jungen Spielern mit einem schwarz-blauen Herz wie Reich, Scherm, Busch oder Lang mehr Chancen auf Spielzeit einräumen, dann sehe ich keineswegs schwarz. Den neuen Trainer Andreas Scheler kenne ich zwar nicht persönlich, aber junge Trainer funktionieren doch auch in der Bundesliga gut", sagte Forster. Der Torwart wird seine eigene Karriere zwischen den Pfosten dagegen beenden. "Mir wurden zwölf freie Gelenkteile aus dem Ellbogen entfernt. Die Ärzte haben mir dringend empfohlen, das Torhüter-Dasein künftig sein zu lassen." Vielleicht taucht Forster aber an anderer Stelle als Feldspieler noch einmal im Fußballkreis auf.

Noch offen ist dagegen die Zukunft von Thomas Wildenauer am Wasserwerk. "Wir müssen jetzt Gespräche führen, bislang haben wir uns nur über die Bayernliga unterhalten." Der Verein sollte seiner Meinung nach einen guten Mittelweg finden, aus gestandenen Akteuren und Talenten aus dem eigenen Nachwuchs. "Vorne mitspielen sollte drin sein, ob's gleich für den Wiederaufstieg reicht, das kann niemand planen."

Kommentar

Im Bayernliga-Abstieg liegt auch eine Chance

Der Abstieg der SpVgg SV Weiden aus der Bayernliga ist für den Fußball in der Stadt ein harter Schlag. So bitter er für die Beteiligten im Moment auch sein mag, überraschen sollte er niemanden. Unisono führen Spieler, Trainer und Vorstandscrew die fehlende Qualität im Kader als Hauptgrund des Scheiterns an. Bei externen Neuzugängen ging der Griff in den letzten Jahren zu oft daneben. Exemplarisch dafür dient das Tschechen-Trio Adam Hajek, Patrik Kavalir und Ondrej Brusch.

Letzterer erweist seiner Mannschaft im entscheidenden Relegationsspiel gegen Vach mit einer unnötigen wie unmotivierten Tätlichkeit einen Bärendienst. Noch während die Partie läuft, braust Brusch nach seinem Platzverweis vom Sportgelände davon. Seine Kameraden Kavalir und Hajek werden keine 24 Stunden nach dem Abstieg bei der SpVgg Bayern Hof als Neuzugänge vorgestellt. Bei aller sportlichen Qualität, der Charakter sollte bei Spielerverpflichtungen keine derart untergeordnete Rolle spielen wie im Falle dieses Trios.

Und genau da liegt eine große Chance im Abstieg der SpVgg SV. Die Durchlässigkeit zwischen dem hochgelobten Nachwuchsleistungszentrum und der ersten Mannschaft muss verbessert werden. Der Unterhalt des NLZ verschlingt viel Geld, für das unter dem Strich zu wenig Akteure den Sprung in erste Mannschaft schaffen.

Angeleitet von gestandenen Akteuren wie Hegenbart, Werner oder Wildenauer sollte die SpVgg SV nun die Möglichkeit nutzen, und Spielern mit Stallgeruch mehr Spielzeit einräumen. Dadurch wird die Rückkehr in die Bayernliga vielleicht nicht sofort glücken, aber die Spieler werden sich entwickeln und an ihren Aufgaben wachsen. Zudem lassen sie ihre Mannschaftskameraden, wenn’s mal nicht wie gewünscht laufen sollte, nicht im Stich.

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