08.11.2019 - 11:21 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

"Eigentlich bin ich ein super Typ"

Er war einer der bekanntesten Fußballer Deutschlands, von vielen geliebt, von vielen gehasst: Mario Basler. Jetzt ist seine Biografie erschienen. Autor Alex Raack gibt Oberpfalz-Medien einen Einblick hinter die Fassade von "Super-Mario".

Immer in Aktion: Mario Basler als Trainer des SSV Jahn Regensburg im Jahr 2005.
von Redaktion ONETZProfil

ONETZ: Sie sind schon länger in der Fußballwelt unterwegs, wie hat sich das angefühlt, mit Mario Basler zu arbeiten?

Alex Raack: Als er seine große Zeit hatte bei Werder Bremen, habe ich losgelegt, Fußballfan zu sein. Und eben auch von Werder, das ist nicht so weit weg von meinem Heimatort Celle. Deswegen bin ich mit ihm groß geworden, als Fußballer und Figur. Mit ihm an dem Buch arbeiten zu können, war toll, weil sich gerade mit Blick auf Uli Borowka eine Art Kreis geschlossen hat, da die beiden bei Bremen zusammengespielt haben. Auf jeden Fall auch kurios, aber eine sehr schöne Erfahrung.

ONETZ: Wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Alex Raack: Der Edel-Books-Verlag brachte ja auch das Borowka-Buch heraus, der Kontakt ist nie abgebrochen. Der Verlag hat dann irgendwann mir gegenüber zwei Namen ins Spiel gebracht, nämlich Berti Vogts und Mario Basler, die beide von Wim Vogel vertreten werden und den kannte ich lose von einer früheren Zusammenarbeit. Dann ist das ganze Projekt aber erstmal eingeschlafen. Irgendwann kam ich wieder auf diese Idee und habe mich dann mit Wim in Köln getroffen und dann ging das alles sehr zügig.

ONETZ: Wie lange hat es gedauert, bis das Buch auf den Markt kam?

Alex Raack: Der Prozess hat von Februar bis Juni stattgefunden. Wir haben uns regelmäßig getroffen, die meisten Interviews hatten wir übers Telefon, da Mario kreuz und quer in Deutschland unterwegs war und gerade seinen Laden „MB 30“ auf Mallorca eröffnete. Wir hatten aber auch eine relativ kuriose Autofahrt zusammen, als ich ihn beim Fantalk in München beobachtet habe als Zuschauer. Danach war ich mit ihm im Auto unterwegs, er fährt gerne nachts noch durch die Gegend. Wir fuhren von München Richtung Osnabrück, saßen vier Stunden zusammen im Auto. Dann hat er mich morgens um 4 Uhr in Kassel raus gelassen, von wo aus ich den Zug nach Hause nahm. Das war schon sehr speziell, wenn man dann morgens zu sehr später Stunde über die Autobahn fegt und sich unterhält.

Journalist Alex Raack ist der Autor der Basler-Biografie.

ONETZ: Hat Mario Basler viel erzählt oder mussten Sie nachhelfen?

Alex Raack: Es haperte manchmal am Erinnerungsvermögen, das muss man sagen (lacht). Seine Karriere war so aufregend, dass er einfach vieles vergessen hat. Er war immer offen und bereit, zu erzählen was er erlebt hat, aber es war schon ein ganz schönes Puzzlespiel. Das Endprodukt kann sich aber meiner Meinung nach durchaus sehen lassen.

ONETZ: Mario Basler ist in der Öffentlichkeit einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt und deswegen vielen Fans so sympathisch ist. Wie haben Sie ihn als Person kennengelernt?

Alex Raack: Er hat generell einen ziemlich guten Draht zu seinen Fans, vor allem zu den Leuten, die früher im Stadion waren. Lothar Matthäus, den ich im Rahmen des Buches auch befragt habe, nannte ihn einmal sehr treffend „Mann aus dem Volke“, und das stimmt auch. Er hat einfach ein anderes Charisma als beispielsweise ein Mertesacker oder Klose, er begeistert einfach die Leute in der Kurve oder eben jetzt bei seiner Bühnenshow.

ONETZ: Viele sagen, er habe eine große Klappe. Wie sehen sie das?

Alex Raack: Was ich beeindruckend fand – ich dachte auch, dass er nur ’ne große Klappe hat – aber er ist wirklich sehr selbstbewusst. Er kennt das nicht, dass man an sich selbst zweifelt. Mario läuft durch die Gegend und ist von seinem Können und seinem Wesen überzeugt und das kann jeder eigentlich nur bewundern, das zu schaffen, ohne ein arroganter Typ zu sein. Das ist er nämlich nicht. Außerdem ist es bewundernswert, dass er so ein Familienmensch ist und immer für sein Umfeld da ist. Viele meinten zu mir, wenn sie ihn anrufen würden und sagen „Pass auf, ich brauch dich morgens um drei“, dann taucht Mario da auch auf.

ONETZ: Ihr erstes Spiel im Stadion war 1995 in Bremen mit Mario Basler auf dem Feld, wie haben Sie ihn da wahrgenommen? Waren Sie davor schon Fan oder nach dem Spiel erst?

Alex Raack: Ich fand Werder davor schon toll, zu dem Zeitpunkt war ich etwa 11 Jahre alt. Das ist natürlich ein Alter, in dem man total begeistert Fußball spielt. Die Spieler sagten mir zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht besonders viel. Basler war in seiner Hoch-Zeit und spektakulär anzusehen. Mein Vater und ich saßen auf der Haupttribüne und er sprintete über den halben Platz und erzielte ein schönes Tor.
Es war sehr beeindruckend, weil er in meiner Erinnerung gefühlt an mir vorbeigeflogen ist. Zusätzlich wurden bei diesem Spiel auch noch Andi Herzog und Otto Rehhagel verabschiedet, das hat das ganze Spiel zu etwas besonderem gemacht. Basler und Borowka trugen Rehhagel auf den Schultern durch das Stadion und alle waren am Heulen. Kurioserweise war das genau mein erstes Spiel als Fan in der Arena, an dem Basler seinen Ziehvater verabschiedete.

ONETZ: Also war von Beginn an eine besondere Beziehung zu Mario Basler da?

Alex Raack: Komischerweise dann schon. Zuerst im Stadion und wenn du dann ein junger Fußballfan bist, kam man ja nicht an ihm vorbei. Er spielte ja bei Bremen und bei Bayern eine besondere Rolle, leider nicht bei der Nationalmannschaft. Von daher war es besonders, mit ihm arbeiten zu dürfen. Er hat mich in meiner Jugend begleitet.

ONETZ: Es gibt ja auch einen Bezug zur Oberpfalz. Einerseits wegen des Handgemenges in einer Regensburger Pizzeria, das für seine Suspendierung bei Bayern München sorgte, andererseits aufgrund Baslers Trainertätigkeit beim SSV Jahn Regensburg. Hat Basler im Hinblick auf seine Regensburger Zeit besondere Eindrücke geschildert?

Alex Raack: Dieses Handgemenge in der Pizzeria hängt ihm natürlich schon sehr nach, da konnte er mir viel erzählen. Besonders interessant war die mir bis dahin unbekannte Information, dass er dem Mann, den Sven Scheuer damals niederschlug, noch Geld überbrachte, um ihn zum Schweigen zu bringen. Mario hat sehr losgelöst seine Trainerzeit bei Jahn unabhängig vom Pizzeria-Vorfall geschildert. Das war seine intensivste Erfahrung als Trainer, die blieb ihm gut in Erinnerung, inklusive den Leuten rund um den Verein.

ONETZ: Wie sehen Sie persönlich Baslers Werdegang vom Profi zum Trainer und Entertainer?

Alex Raack: Ihm wurde leider nicht die Chance gegeben, sich als Trainer zu etablieren. Sein Image stempelte ihn sofort als „Großmaul“ oder „Dampfplauderer“ ab. Ihm wurde irgendwann klar, dass es keine Möglichkeit gibt, in der 1. oder 2. Liga zu coachen und dann fragt man sich auch, ob es den Aufwand wert ist, einen kleineren Verein zu übernehmen. In der Unterhaltungsbranche ist er super aufgehoben. Ottmar Hitzfeld meinte zu mir, dass er Basler auch früher schon so erlebt hat, dass er vor wichtigen Spielen Lockerheit ausgestrahlt habe und die Stimmung oft durch Witze aufgelockert habe. Man hat da schon seine Entertainer-Qualitäten gesehen. Bei seiner Bühnenshow kommt er am meisten aus sich raus. Früher unterhielt er die Fans im Stadion, heute halt auf der Bühne. Und die Rolle, dass Basler im Fantalk sitzt und eher den „Rustikalen“ gibt, das kann er auch richtig gut.

ONETZ: Basler wird doch eher auf sein Auftreten reduziert als auf seine fußballerischen Fähigkeiten. Wie sehen Sie das?

Alex Raack: Ich würde mir nur wünschen, dass vor allem Journalisten mit ihm über das sprechen, was ihn eigentlich ausgemacht hat. Nämlich, dass er mit dem Fußball umgehen konnte. Wenn mal jemand fragen würde, wie seine Beziehung zum 1. FC Kaiserslautern war als Pfälzer Junge oder etwas Ähnliches. Die Rauch- und Saufgeschichten kennt mittlerweile einfach jeder, seine fußballerische Vita allerdings eher weniger.

ONETZ: Wie hat Mario Basler es geschafft, eine so enge Verbindung zu seinen Fans zu schaffen?

Alex Raack: Er ist eine Art Symbolfigur für die 1990er Jahre, für das vermeintlich bessere „Früher“ im Fußball, vor allem im Bezug auf die Kommerzialisierung. Er war einer der wenigen Typen mit echtem Charisma. Diese Spieler gibt es vielleicht heute auch noch, aber die verhalten sich vorsichtiger, weil sie doch ein Stück mehr professionelle Sportler sind als Basler damals. Alleine diese Aktion mit dem Hut, den er damals von einem Rollstuhlfahrer bekommen hat und damit eine Ecke treten wollte. Darüber spricht man die nächsten 15 Jahre. So was würde sich ein Marco Reus nie trauen.

Mario Basler im April 2004, damals Trainer des SSV Jahn Regensburg.
Zur Person:

Mario Basler

*18. Dezember 1968 in Neustadt an der Weinstraße

Wichtigste Spieler-Stationen:

– 1989–1991 Rot-Weiß Essen

– 1991–1993 Hertha BSC Berlin

– 1993–1996 SV Werder Bremen

(92 Spiele/36 Tore)

– 1996–1999 FC Bayern München

(78/18)

– 1999–2003 1. FC Kaiserslautern

(91/8)

– 1994–1998 Deutsche Nationalmannschaft (30/2)

Wichtigste Trainer-Stationen:

– 2004–2005 SSV Jahn Regensburg

– 2007–2008 TuS Koblenz (Co-Trainer)

Internetseite www.mariobasler.de

Zur Person:

Alex Raack

* 1983 in Celle

– 2009–2016 bei „11 Freunde“-Magazin

– 2013 Grimme-Online-Award

Veröffentlichungen:

– Uli-Borowka-Biografie „Volle Pulle“ (2014, Edel Books)

– „Den muss er machen: Phrasen, Posen, Plattitüden“ (2015, Edel Books)

– „Wolle: Ein Fan zwischen Ost und West“ (2018, Klett-Cotta)

– „Alles aus Liebe: Eine Reise in das Herz des Fußballs“ (2018, Klett-Cotta)

– Mario-Basler-Biografie „Eigentlich bin ich ein super Typ“ (2019, Edel-Books)

Axel Raack im Internet

Mario Basler "Eigentlich bin ich ein super Typ" (304 Seiten, 18,95 Euro, Verlag Edel Books)

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